Haarausfall: Die zehn wichtigsten Antworten

Auch der Herbst kann schuld sein: Die Haare fallen aus. Gerade bei Frauen nagt Haarausfall am Ego. Aber es gibt keinen Grund zu verzweifeln.


Manchmal liegt es einfach nur an der Jahreszeit: Im Frühjahr und Herbst fallen oft etwas mehr als die durchschnittlich 70 bis 100 Haare aus, die der Mensch normalerweise pro Tag verliert. Experten vermuten, dass der Körper empfindlich auf den Übergang vom dunklen Winter auf die längeren Tage reagiert - und dass nach dem Sommer ein Übermaß an UV-Strahlen zu viele freie Radikale auslöst. Wenn die Haare auffällig dünn werden, stecken allerdings meist andere Ursachen dahinter.

Woran erkennt man krankhaften Haarausfall bei Frauen?

Haare: Insgesamt sind etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen vom genetisch bedingten Haarausfall betroffen

Insgesamt sind etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen vom genetisch bedingten Haarausfall betroffen

Wenn Haare öfter im Duschsieb oder in der Bürste hängen bleiben, müssen wir nicht gleich in Panik geraten. 80 bis 100 Haare pro Tag zu verlieren ist für Frauen völlig normal. Kritisch wird es erst, wenn über Wochen mehr als 100 Haare täglich ausfallen. Dabei muss man zwischen zwei Arten von unterscheiden:

1. Es fallen täglich verstärkt Haare aus, man sieht es aber nicht. Diese Haare befinden sich in der so genannten Ruhephase und werden nicht mehr von der Wurzel versorgt (so genanntes telogenes Effluvium). Dieser Haarausfall ist meist harmlos und reguliert sich im Laufe der Zeit wieder.

2. Die Haarmenge wird nach und nach sichtbar weniger, ohne dass besonders viele Haare ausfallen (Alopezie). In diesem Fall regelt sich das Nachwachsen nicht von allein. Lichten sich die Haare, sollte man auf jeden Fall beim Dermatologen den Zustand der Haarwurzeln mit einer Haarwurzel-Analyse (Trichogramm) untersuchen lassen. Dabei kann man unter dem Mikroskop die Wachstumsstadien der Haare erkennen und einen normalen von einem beschleunigten Zyklus unterscheiden. Befindet sich die Mehrzahl (mehr als 80 Prozent) in der Wachstumsphase, ist alles in Ordnung. Befinden sich die meisten Haare aber in der Ruhephase, stimmt in der Regel etwas nicht.

Welche Ursachen gibt es für Haarausfall?

Haarausfall ist oft jahreszeitlich bedingt (telogenes Effluvium), häuft sich vor allem im August und September. Experten vermuten, dass intensivere Sonneneinstrahlung die Ursache hierfür ist, allerdings gibt es dafür noch keine Beweise. Der Haarausfall dauert ein paar Wochen und bessert sich danach wieder. "Er kann aber auch mit Eisenmangel, einer Störung der Schilddrüse oder Krankheiten mit hohem Fieber wie Malaria oder Grippe zusammenhängen. Dann zeigt sich der Haarausfall erst zwei bis vier Monate später. Stress dagegen spielt kaum eine Rolle", sagt Professor Dr. Hans Wolff, Leiter der Dermatologischen Klinik und Haarsprechstunde der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Andere mögliche Auslöser für Haarausfall: bestimmte Medikamente (z.B. Cholesterinsenker) oder Crash-Diäten.

Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) steckt vermutlich eine Fehlreaktion des Immunsystems dahinter. Am häufigsten ist jedoch erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie). Wenn die Mutter betroffen ist, muss die Tochter auch damit rechnen. Er entsteht, wenn die Haarwurzeln auf eine besonders aktive Form des männlichen Geschlechtshormons (DHT = Dihydro-Testosteron) überempfindlich reagieren. Dieses Hormon wird auch im weiblichen Körper produziert. Typisch: Die Haare lichten sich vor allem im Scheitelbereich. (Im Unterschied zum Mann, bei dem sich Geheimratsecken oder eine kahle Stelle am Oberkopf herausbilden.) "Insgesamt sind etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen vom genetisch bedingten Haarausfall betroffen", schätzt Professor Wolff. "Bei der Hälfte entwickelt er sich oft erst nach der Menopause."

Helfen bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel bei Haarausfall?

Haare: Nur Haare, die nicht mehr von der Wurzel versorgt werden und ohnehin schon abgestorben sind, fallen beim Waschen aus

Nur Haare, die nicht mehr von der Wurzel versorgt werden und ohnehin schon abgestorben sind, fallen beim Waschen aus

Da Eisenmangel, z. B. aufgrund verstärkter Regelblutungen, als eine Ursache für Haarausfall gilt, kann man möglichen Defiziten über die Ernährung zumindest vorbeugen: mit Leber, Sojabohnen, Vollkornbrot, Erbsen und Möhren. Spezielle Eisenpräparate auf keinen Fall ohne Absprache mit dem Arzt einnehmen. Um dünnes, kraftloses Haar zu stärken, kann man es mit Dragees aus Hafer-, Hirse- und Dinkelextrakt versuchen, die einen hohen Anteil an der Aminosäure Cystein haben, oder mit Kapseln, die siliziumhaltigen Hirseextrakt, Pantothensäure und Weizenkeimöl enthalten. Kräftigend ist auch Siliziumgel (Reformhaus, Apotheke). Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ergab, dass bei täglicher Einnahme das Haar nach sechs Monaten rund 13 Prozent dicker wurde.

Welche Rolle spielen eigentlich die Hormone?

Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) sorgen unter anderem für volles, festes und schön glänzendes Haar. Durch hormonelle Umstellungen zum Beispiel beim Absetzen der Pille, am Ende der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren fällt der Östrogenspiegel ab. Wenn dann die männlichen Hormone überwiegen, kann es zu vermehrtem Haarausfall kommen.

Können durch häufiges Waschen mehr Haare ausgehen?

Nein, das ist ein Trugschluss. Nur Haare, die nicht mehr von der Wurzel versorgt werden und ohnehin schon abgestorben sind, fallen beim Waschen aus. Viele Frauen glauben jedoch, die Haarwäsche sei die Ursache, und waschen die Haare aus falscher Vorsicht dann seltener. Da diese aber nur auf einer gesunden, sauberen Kopfhaut gut wachsen können, sollte man sie mindestens zweimal pro Woche waschen.

Gibt es Tinkturen, die den Haarausfall stoppen können?

"Meiner Meinung nach bringt nur der Wirkstoff Minoxidil etwas, der in dem rezeptfreien Präparat Regaine steckt", so Professor Wolff. "Es gibt die Lösung in einem zweiprozentigen Konzentrat für Frauen und einem fünfprozentigen für Männer. Untersuchungen belegen, dass Minoxidil nicht nur Haarausfall vorbeugt, sondern dass sich bei jeder zweiten Frau die Haare verdichten. Das zeigt sich nach circa drei bis sechs Monaten. Der Wirkstoff verlängert die Wachstumsphase des Haares, schützt den Haarschaft und stimuliert die Wurzel. Allerdings muss man das Präparat bei erblich bedingtem Haarausfall kontinuierlich nehmen."

Die Firma L'Oréal setzt nach ihren Studien auf andere Wirkstoffe: "Aminexil ist ein Wirkstoff, der der Verhärtung der Kollagenfasern entgegenwirkt. Dadurch wird die Geschmeidigkeit und Elastizität des Gewebes rund um die Haarwurzel bewahrt, und die Haarfaser kann sich besser und fester in der Kopfhaut verankern. Der Wirkstoff SP94 stärkt zusätzlich die Haarfaser und baut sie von innen auf", erklärt Dr. Barbara Ritter, wissenschaftliche Leiterin bei Vichy.

Auch Tinkturen mit dem Wirkstoff Alfatradiol sollen leichtem Haarausfall in der Menopause vorbeugen (z. B. "El-Cranell alpha", "Pantostin"). Ein Cocktail aus Koffein, Zink, Traubensilberkerze und Soja soll die Widerstandskraft von feinem Haar stärken. Im Doppelpack: als Lösung zum Einmassieren auf die Kopfhaut und als Kapseln zum Schlucken ("Plantur 39"). Koffein-Power steckt auch in durchblutungsfördernden Tonics (z. B. "Seborin").

Viele Ärzte nehmen Haarausfall nicht ernst. Wohin kann man sich dann wenden?

Haare: Haarausfall: Die zehn wichtigsten Antworten

Man sollte auf alle Fälle einen Dermatologen aufsuchen, eventuell auch einen Gynäkologen oder einen Hormonspezialisten (Endokrinologen) zu Rate ziehen. In manchen Uni- und Hautkliniken gibt es so genannte Haarsprechstunden, in denen sich Ärzte ganz speziell mit den verschiedenen Formen und Behandlungen von Haarausfall und Kopfhaut-Erkrankungen befassen. Neu: die erste Niederlassung der dänischen "Hårklinikken GmbH" in Düsseldorf, die ein ganzheitliches Konzept anbietet.

Wann muss man Haarausfall hormonell behandeln?

"Im Einzelfall kann es Sinn machen, eine spezielle Hormonpille (antiandrogen) zu verschreiben, zum Beispiel wenn eine Frau aufgrund eines Überschusses an männlichen Hormonen gleichzeitig auch unter Akne leidet", sagt Professor Dr. Hans Wolff.

Falls man auf Haarersatz zurückgreifen muss: Welche Methode ist empfehlenswert?

Hände weg von so genannten Hair-Extensions. Die falschen Strähnen eignen sich nur zur Verlängerung von gesundem Haar, das mindestens elf Zentimeter lang sein sollte. Bei lichten Stellen auf dem Oberkopf ist eine so genannte Haarverdichtung, bei der Zweithaar mit Eigenhaar verknüpft, per Metallhülse verbunden oder einfach angeclipst wird, eine gute Lösung. Der Trick: Der "Volumenfüller" hat ein grobmaschiges wabenähnliches Netz (gibt es für kleine Stellen oder den ganzen Kopf), durch das die eigenen Haare gezogen werden.

Kosten: je nach Länge, Qualität und Aufwand ca. 300 bis 1500 Euro; Preisvergleiche lohnen sich. Hält wochenlang - auch beim Sport oder Schwimmen. Da die Haare nachwachsen und sich in der Verankerung lockern, müssen sie alle vier bis sechs Wochen beim Friseur (Zweithaarspezialist) neu verwebt werden; Kosten: ca. 70 bis 110 Euro. Das Ganze klappt natürlich nur, wenn man noch genügend eigenes Haar hat. Falls nicht, kann man auch auf Perücken zurückgreifen. Ob Kunstoder Echthaar, ist eine Frage des Geldbeutels, wobei der Preis auch von der Verarbeitung abhängt. Echthaar wirkt natürlicher und lässt sich leichter pflegen. Damit die Perücke gut zum Gesicht passt, vom Friseur in Form schneiden lassen.

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Text: Marina Knippel Fotos: Jean Chin Produktion: Bénédicte Mohr Haare und Make-up: Enver Jacobsen Teaserbild: SuperStock/Corbis

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