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Altersvorsorge Wie viel muss ich sparen?

Altersvorsorge: Frau hält Geldscheine in den Händen
© ImYanis / Shutterstock
Dass wir zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen sollten, wissen wir. Aber wenn wir es tun und eine schöne Summe angespart haben – wie geht’s dann eigentlich weiter?

Dieses Problem wünscht sich jeder Mensch: spätestens zu Beginn der Rente einen ansehnlichen Batzen Geld zur Verfügung zu haben. Und viele haben das tatsächlich: weil eine Lebensversicherung ausgezahlt wurde, weil sie geerbt, vielleicht im Lotto gewonnen haben.

Oder weil sie tatsächlich beherzigt haben, was uns Jahr für Jahr im Schreiben der gesetzlichen Rentenversicherung nahegelegt wird ("zusätzlicher Vorsorgebedarf"); sie haben rechtzeitig angefangen, mit einem Fonds- oder ETF-Sparplan fürs Alter zu sparen. Denn die gesetzliche Rente allein, das wissen wir doch alle, wird niemals reichen.

Rente gegen Einmalbetrag 

Was genau das Problem ist? Dass wir dann entscheiden müssen, was wir genau mit diesem kleinen Vermögen machen. Schließlich soll es uns im Alter ein Zusatzeinkommen liefern und ein angenehmes Leben ermöglichen. Nehmen wir an, es sind 100 000 Euro. Wie lange reichen die? Das kommt natürlich darauf an, welcher Betrag davon jeden Monat abgezwackt wird. Was wiederum zu der Frage führt: Wie lange werden wir leben?

"Höchstwahrscheinlich länger, als wir denken", sagt Prof. Dr. Christine Laudenbach, Verhaltensökonomin und Wirtschaftsprofessorin an der Universität Bonn. Die Deutschen leben im Durchschnitt sieben Jahre länger, als sie erwarten. Tatsächlich werden von den heute 65-jährigen Frauen ca. 45 Prozent älter als 90 Jahre (bei den Männern sind es 30 Prozent).

Aber: "Die Wahrscheinlichkeit, recht alt zu werden, wird häufig unterschätzt", sagt Laudenbach. Das verführt viele Menschen dazu, in den Anfangsjahren ihrer Rentenzeit mehr von ihrem angesparten Kapital auszugeben, als sie sich eigentlich leisten könnten. Endlich frei! Lange Reisen! Träume erfüllen! Und dann kann es passieren, dass das Geld irgendwann aufgebraucht ist und immer noch ganz schön viele Lebensjahre zu finanzieren sind.

"Langlebigkeitsrisiko" heißt das in der Versicherungssprache. Es lässt sich umgehen, indem man in eine Sofortrente investiert, die angesparte Summe also einer Versicherungsgesellschaft gibt. Bei dieser sogenannten "Rente gegen Einmalbetrag" zahlt die Versicherung dann eine lebenslange Rente: eine garantierte Zahlung plus eine Überschussbeteiligung, die aber nicht von vornherein feststeht und jedes Jahr unterschiedlich hoch sein kann.

Auszahl- oder Entnahmeplan bauen 

Die Stiftung Warentest hat vor Kurzem 21 Sofortrenten untersucht. Die Kriterien: Die Kundin ist 65, die Rente soll lebenslang gezahlt werden, mindestens aber 20 Jahre, auch wenn die Frau vorher stirbt (diese sogenannte Rentengarantiezeit verschafft den erbenden Angehörigen dann zumindest noch einen Anteil an der eingezahlten Summe).

Das ernüchternde Ergebnis: Die höchste garantierte monatliche Rente lag bei 319 Euro pro Monat. "Eine Rentenversicherung ist immer auch eine Wette auf ein langes Leben", so die Tester. Im Klartext: Die Sofortrente lohnt sich eigentlich nur für Menschen, die sehr lange leben. Aber sie ist ratsam für alle, denen lebenslange finanzielle Sicherheit wichtig ist. Und die sich einmal kümmern – und danach keine Arbeit mehr damit haben wollen.

Wer hingegen das Ersparte weiter vermehren und womöglich noch etwas vererben will, baut sich dafür einen sogenannten Auszahl- oder Entnahmeplan. Dabei wird die Summe nach und nach aufgebraucht: Nach den Jahren des Sparens geht es nun ums Entsparen.

Entnahmestrategie für ein langes Finanzpolster

Die einfachste Variante: Die Summe bleibt auf einem Konto und wird geteilt durch eine geschätzte Anzahl von Monaten. Beispiel: 100 000 Euro sollen 25 Jahre lang reichen, macht pro Jahr 4000 Euro, pro Monat 333 Euro. Dann ist das Geld weg. Und was dabei noch gar nicht einkalkuliert ist: Mit jedem Jahr verliert es durch die Inflation an Kaufkraft.

Wie also muss eine Entnahmestrategie aussehen, damit das Finanzpolster länger reicht als 25 Jahre und die monatlichen Auszahlungen trotzdem möglichst hoch sind? Eine Antwort fanden amerikanische Finanzwirtschaftler schon in den 1990er-Jahren und leiteten daraus die sogenannte 4-Prozent-Regel ab: Wenn man das Geld in ein gemischtes Portfolio aus Aktien und Anleihen anlegt, könnte man jedes Jahr vier Prozent des Anfangswertes entnehmen (plus eine jährliche Anpassung an die Inflation); trotz der Kursschwankungen würde man in 25 Jahren das Geld nicht komplett aufbrauchen.

Im schlimmsten Fall, so haben Christine Laudenbach und ihre Kollegen in ihrem Buch "Die genial einfache Vermögensstrategie" berechnet, bleiben immer noch ca. 11 000 Euro übrig. Im besten Fall aber, wenn sich die Kapitalmärkte in dieser Zeit fantastisch entwickelten, ist das Ersparte trotz der Entnahmen noch mal richtig massiv angewachsen (auf mehr als 400 000 Euro). Da werden sich die Erben freuen! Wir aber müssten uns aus dem Jenseits die Frage stellen, ob wir uns nicht zu Lebzeiten ein bisschen mehr hätten gönnen können.

Laudenbachs Antwort: Ja, das geht – indem wir unseren Konsum variabel halten. Nach einem guten Börsenjahr also mehr entnehmen, nach einem schlechten aber auch senken. Nach dem Motto: "Mal Luxushotel, mal Campingplatz." Über die 25 Jahre gerechnet, könnte eine Rentnerin mit dieser Strategie insgesamt fast 50 Prozent mehr verbrauchen, als wenn sie sich vom Tagesgeldkonto jeden Monat eine konstante Zusatzrente geholt hätte.

Für alle, die beides haben wollen – Sicherheit plus höhere Renditen – kann eine Kombination die Lösung sein. Denn: Je später man in eine Sofortrente einsteigt, desto höher fällt sie aus. Viele Versicherer zahlen laut Stiftung Warentest für eine Sofortrente ab 80 Jahre mehr als doppelt so viel wie für eine ab 65. Der Plan wäre also: 15 Jahre lang Geld entnehmen, dann den Rest in eine Sofortrente einzahlen – und frohgemut und abgesichert steinalt werden.

Und die Steuer?

Auf die Sofortrente fällt Einkommenssteuer an – aber nur, wenn das Gesamteinkommen über dem Grundfreibetrag liegt, und nur auf den sogenannten Ertragsanteil. Bei einem Rentenbeginn mit 65 Jahren liegt er bei 18 Prozent, mit 67 Jahren bei 17 Prozent der Rente. Darauf zahlen Sie Ihren persönlichen Steuersatz.

Bei einem Auszahlplan ist oberhalb des Freibetrags (801/1602 Euro für Singles/Verheiratete) Abgeltungssteuer fällig (26,375 Prozent, ohne Kirchensteuer): bei Tagesgeld für alle, bei Aktienfonds für 70 Prozent der Erträge.

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