Digital, Online und Finanzen – passt das gut zusammen?

Hast du das Gefühl, dass online und Finanzen nicht richtig zueinander passen, weil dadurch Risiken entstehen können, die du nicht überblickst? Richtig angewendet, können Online-Anwendungen alle Finanzdinge – von der reinen Kontoführung bis hin zur Vermögensverwaltung - einfach, praktisch und flexibel machen. Wir sagen, wo die Vorteile und die Knackpunkte liegen.

Kontoführung: Online Banking

Viele können schon gar nicht mehr ohne, aber es gibt auch heute noch Zweiflerinnen, die kein Online-Banking machen, weil ihnen das Sicherheitsrisiko zu hoch ist. Auf die Frage, welches Risiko es denn genau ist, das sie ängstigt, gibt es meistens nur eine diffuse Antwort, die vage Richtung Cyber-Kriminalität deutet. Die meisten von uns werden Online-Banking sehr schätzen, denn es macht das Leben schlicht und ergreifend praktisch. Online-Banking bietet:

  • Den jederzeitigen Zugriff aufs Konto, um mal schnell nachzusehen, ob der Ebay-Käufer schon gezahlt hat oder die Stadtwerke bereits abgebucht haben
  • Praktische Such-Funktionen, nach Namen oder Betrag, die bei den meisten Banken auch mehrere Jahre in die Vergangenheit reichen 
  • Hilfreiche Zusatz-Funktionen, wie Haushaltsbuch-Funktion oder die Erträgnis-Aufstellungen der vergangenen Jahre im Online-Postfach, wenn man sich tatsächlich mal am Wochenende aufraffen sollte, die Steuererklärung zu machen, und so weiter.

Auch die Vorlagen für Online-Überweisungen sind eine echte Hilfe, insbesondere nach der Einführung der langen IBAN-Nummern im Jahr 2016!

Trotz der vielen praktischen Vorteile wollen wir natürlich keine Risiken eingehen! Wir müssen daher vernünftig mit den Geheimschlüsseln umgehen, die Banken eigens für ihre Kunden entwickelt haben. Folgende Punkte sind hier zu beachten:

Teile niemandem deine PIN mit, auch nicht deiner besten Freundin oder deinem Kind! Mit der PIN kann am Geldautomaten jeder von deinem Konto Geld abheben. Das ist wie ein offen hingelegtes Portemonnaie mit so viel Geld, wie der Dispo-Rahmen hergibt!

Wenn es praktisch ist, dass eine weitere Person auf dein Konto zugreifen kann, vereinbare lieber eine Bankvollmacht. Dann sind Abhebungen und Konto-Bewegungen, die ohne dein Zutun vorgenommen werden, zumindest nachvollziehbar.  

Eine TAN-Liste sollte zu Hause nicht offen herumliegen, und auch nicht auf einem Zettel in der Handtasche notiert sein.

Sprich mit deiner Bank über die verschiedenen TAN-Verfahren. Dann kannst du entscheiden, welche dir am praktikabelsten und sichersten erscheint. Viele finden die Mobile-TAN, die einem jeweils aufs Handy geschickt wird, angenehm.

Es ist nicht übertrieben ängstlich, wenn du Online-Überweisungen nur von zu Hause aus tätigst. Die wenigsten Zahlungen sind so eilig, dass sekündlich zu zahlen ist.

Übrigens: Keine Bank der Welt ruft bei dir an und fragt nach der kompletten PIN und einer TAN – auch nicht per Mail. Falls solche Anrufe oder Mails kommen, einfach ignorieren! Wer sich unsicher ist, oder wer tatsächlich glaubt, dass sonst sein Konto unverzüglich gesperrt wird, am besten umgehend beim Telefonservice der Bank anrufen und fragen, was es damit auf sich hat! Dort wird man den Sachverhalt klären. Dazu aber keinesfalls auf einen Link gehen oder eine am Telefon durchgegebene Nummer wählen, denn das könnte eine Falle sein! Nur wenn du von deinem Telefon die darin abgespeicherte Service-Nummer deiner Bank anrufst, kannst du sicher sein, dass auch wirklich deine Bank am anderen Ende ist! Genauso online: Klicke nicht auf einen Link, sondern gehe über deinen üblichen Online-Zugang in dein Online-Banking.

Für all diejenigen, die Online-Banking für zu betrugsanfällig halten: Viele Betrügereien finden statt, indem jemand Fremdes ein Papier-Überweisungsformular ausfüllt, unterschreibt und in den dafür vorgesehenen Briefkasten der Bank einwirft. Die Banken prüfen die Echtheit der Unterschrift erst ab recht großen Summen; ansonsten wird das Formular maschinell bearbeitet. Wenn die Überweisung dann erst mal von deinem Konto auf ein fremdes Konto – vielleicht noch im Ausland – getätigt wurde, ist es sehr mühsam den Betrug aufzudecken das Geld wieder zurückzuholen.

Wertpapier-Handel: Online Brokerage

Bei Anlagen in Wertpapiere ziehen viele von uns einen Berater oder eine Beraterin aus Fleisch und Blut einem schnöden Online-Depot vor. Allerdings kann man von niemandem auf der Welt erwarten, dass er oder sie kostenlos arbeitet und sein Wissen zur Verfügung stellt, daher kostet eine persönliche Beratung natürlich Geld. Auch wenn du nicht direkt das Portemonnaie aufmachen und einen Geldschein für die Beratung rüberreichen musst, wird die Beratung auf die eine oder andere Art „berechnet“. Bei Fonds bekommst Du vielleicht nur einen geringeren Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, bei Einzel-Wertpapieren sind die Transaktionskosten höher als sonst, oder du zahlst eine Depotgebühr, die für Online-Depotinhaberinnen weitgehend erlassen wird.

Für diejenigen, die sich auskennen und ihre Investitionen ohne Beratung tätigen können, ist Online-Brokerage super praktisch.

  • Du kannst auch am Wochenende oder abends spät deine Order eingeben.
  • Du hast einen guten Überblick über deine Orders, und ob sie bereits ausgeführt wurden oder nicht.
  • Du erhältst immer und zu jeder Tageszeit übersichtliche Auswertungen zu deinem Depot.

Da Anlegerinnen im Online-Brokerage fast alles alleine machen, können auch die Kosten für Transaktionen, Depotführung, etc. niedriger sein als im Geschäft mit persönlicher Beratung – logisch, oder? Bekannte Online-Broker sind comdirect, consorsbank, ING, flatex, onvista bank, und viele mehr.

Vermögensverwaltung: Robo-Advice

Vor ein paar Jahren gab es den Begriff Robo-Advice noch gar nicht, aber heute wird viel darüber geschrieben. 

Was das ist? Eine computergeführte Finanzberatung, meistens gleich mit einer angeschlossenen Vermögensverwaltung! Du loggst dich ein, und der Robo fragt nach deinem Einkommen, der Anlagesumme, um die es geht, nach deinen Erfahrungen mit Wertpapieren, wie offen du Risiken bei der Kapitalanlage gegenüberstehst, und so weiter. Auf Grund deiner Angaben schlägt der Algorithmus des Robo-Advisors dann ein auf dich zugeschnittenes Portfolio vor. Die Bestandteile des vorgeschlagenen Portfolios sind im Regelfall sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), weil diese kostengünstiger sind als aktiv verwaltete Fonds; denn Robo-Advisor nehmen für sich in Anspruch, besonders kostengünstig zu agieren.

Trotzdem möchten die Anbieter solcher „Robos“ natürlich etwas verdienen. Die Kosten, die man für einen Robo-Advisor zahlt, bewegen sich etwa zwischen 0,35 % und 0,95 % pro Jahr, was im Vergleich zur personen-gebundene Vermögensverwaltung relativ kostengünstig ist. Dort beginnen die jährlichen Kosten bei rund 1,2 %, können aber auch deutlich höher liegen.

Die Entscheidung, ob computergestützte oder persönliche Vermögensverwaltung, muss jede Anlegerin für sich entscheiden. In Zeiten, wo die Börsen gut laufen, treten die Unterschiede nicht so stark zu Tage. Wenn es aber an den Börsen kracht, die Medien fast nur noch über schlechte Börsennachrichten berichten und der Wert fast aller Depots den Rückwärtsgang einlegt, dann greifen manche Anlegerinnen eben doch lieber auf eine persönliche Beratung zurück. Also im Vorfeld überlegen:

Wie fühlt es sich für dich an, wenn du im Falle eines Börsencrashs nicht bei einem Berater aus Fleisch und Blut anrufen kannst?  

  • Brauchst du die persönliche Motivation eines Beratungsgesprächs?
  • Brauchst du Empathie, also das Einfühlungsvermögen eines menschlichen Beraters und hin und wieder einen gewissen „Schubs“, um Geld für später zur Seite zu legen?

Manche bezweifeln, dass ein Roboter so gut sein kann wie ein Mensch. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, warum die Qualität eines Beraters aus Fleisch und Blut besser sein sollte als die eines Robo-Advisors. Der Robo fragt schematisch und unbeirrbar alles ab, was ein guter Berater auch fragen sollte, um dich sinnvoll und individuell beraten zu können. Dabei vergisst der Robo keinen wichtigen Aspekt, denn der Algorithmus ist ja bei der Erstellung auf Herz und Nieren geprüft worden. 

Der Robo erstellt dann nicht nach Bauchgefühl, sondern nach aktuellen finanzwissenschaftlichen Theorien das Portfolio, das er dir vorschlägt. Per Knopfdruck lässt sich das Depot anschließend 1:1 umsetzen. Beim Robo-Anlagevorschlag kommen sowohl die moderne Portfolio-Theorie als auch Risiko-Optimierungs-Mechanismen zur Anwendung – es geht also äußerst professionell zu. Der Robo hat auch immer Zeit – egal ob nachts oder am Wochenende – solange wir Zugang zu einem PC und zum Internet haben, können wir den Robo-Advisor erreichen. Beispiele für bekannte Robo-Advisor sind Scalable, Qurion, Whitebox, vaamo, Liqid, Ginmon und viele mehr.

Alternative Zahlungsmittel: Krypto Coins

Hier geht es um Währungen, die streng genommen gar keine echten Währungen sind, denn sie werden von keiner Zentralbank ausgegeben und sind auch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Die bekanntesten Krypto Coins sind Bitcoin, Ethereum, Ripple, EOS und Litecoin, aber es gibt mittlerweile mehrere Hundert davon.

Krypto-Coins werden durch einen Algorithmus generiert, der viel Rechnerleistung benötigt. Daher sind Bitcoins & Co auch alles andere als umweltfreundlich, denn die großen Serverparks, die die Rechnerleistung zur Verfügung stellen, müssen gekühlt werden, und das verbraucht sehr viel Energie. Krypto-Coins werden in sogenannten „Wallets“ aufbewahrt, einer Art elektronischem Portemonnaie.

Bei Krypto Coins handelt es sich um eine spannende Geldanlage der Zukunft, die aber leider ziemlich riskant ist. So hatte die bekannteste Cyber-Währung, der Bitcoin, ihren Höchstpunkt Mitte Dezember 2017, mit einem Kurs von 13.750 Euro pro Bitcoin, um bis Mitte März 2019 mit vielen Ups and Downs auf rund 3.490 Euro pro Bitcoin zu landen. Wer aus solchen Bewegungen einen Kick zieht: Warum nicht mit etwas Spielgeld? Wer aber Aktien schon für eine ziemlich riskante Sache hält, sollte sich lieber einmal nicht an Krypto-Coins heranwagen – Herzinfarkt-Gefahr!

Dieser Artikel ist entstanden in Kooperation mit hermoney: das unabhängige Informationsportal für Frauen mit Expertinnentipps rund um ihre finanzielle Fitness.

BRIGITTE Academy direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!