Für Finanz-Analphabeten und Investment-Muffel: Margarethe Honisch erklärt in ihrem Buch, wie Altersvorsorge easy funktioniert

Die Finanz-Bloggerin Margarethe Honisch hat den ersten Finanzguide für Millenials geschrieben: Mit ihrem Buch „Easy Money“ will sie die Generation Why an die Themen Geld und Vorsorge heranführen – mit Humor und klaren Worten zur drohenden Rentenlücke. Uns erzählt sie, wie sie selbst Geld anlegt und verrät Tipps für Börse-Anfängerinnen.

Liebe Margarethe, wieso macht dir das Thema Finanzen so viel Spaß?

Vielleicht, weil ich gar nicht aus diesem Finanz-Bereich komme. Ich habe Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert und arbeite auch im medialen Bereich. Am Anfang hatte auch ich Angst vor dem Thema Finanzen, habe dann aber gemerkt, wie spannend es ist. Und natürlich sind Finanzen für mich auch einfach ein Tool, unabhängiger zu werden. 

Wie entstand die Idee zu deinem Finanz-Blog „Fortunalista“?

Ich habe mich damals mit 29 Jahren erstmals mit dem Thema Finanzen beschäftigte. Weil ich immer mehr Geld verdiente und am Ende des Monats trotzdem nichts übrig hatte. Da dachte ich mir, dass das ja eigentlich nicht sein kann. Aber das Infomaterial, dass ich damals gelesen habe, hat mich einfach gar nicht angesprochen. Es war von Männern für Männer geschrieben, es ging immer um DEN Investor und DIE Hausfrau. Ich war total schockiert. Dabei habe ich aber auch gemerkt, wie wichtig dieses Thema für uns Frauen ist – gerade in Bezug auf Altersarmut – und dass man das Thema auch anders aufbereiten kann. 

Du hast dein Finanz-Buch "Easy Money" für Millennials geschrieben. Wieso ausgerechnet für diese Generation?

Weil ich Teil dieser Generation bin und durch meinen Freundeskreis mitbekomme, wie wenig sie sich mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen. Die jüngere Generation fängt wieder an zu investieren, auch mit ganz kleinen Beträgen. Aber wir Millennials haben als Vorsorge gefühlt maximal einen Bausparvertrag. Dabei sind wir die ersten, die krass von der Rentenlücke beeinträchtigt werden. Wir wissen nicht mal, wie lange wir überhaupt arbeiten müssen, wenn die Bevölkerung weiterhin schrumpft und noch mehr Geld in den Rentenkassen fehlt. Diese Zeichen finde ich so alarmierend, dass ich dringend etwas tun wollte.

Wie willst du diese Generation erreichen, wenn alle so desinteressiert sind?

Durch meinen humorvollen und unterhaltsamen Ansatz im Buch. Ich hatte ja auch 29 Jahre lang kein Bock auf das Thema. Es war mir zu trocken, ich fühlte mich zu jung und ich dachte, ich verdiene zu wenig, um zu investieren. Ich will die Leute ansprechen, die Angst vor dem Thema haben und nutze deshalb auch Medien wie meinen Blog und Instagram. 

Wieso klingt Altersvorsorge so unsexy?

Ich hatte bei dem Thema auch diese Bilder von geldgierigen Menschen im Kopf, die an mehreren Telefonen gleichzeitig hängen und Aktien kaufen und verkaufen. Aber das ist ja gar nicht so. Es geht ja gar nicht darum, riesige Vermögen aufzubauen, sondern sich im ersten Schritt abzusichern. 

Kann man auch mit einem Berufseinsteiger-Gehalt anfangen vorzusorgen?

Man kann sogar anfangen, wenn man noch studiert! Meine Vorstellung war lange, dass man einen Haufen Geld braucht, den man dann in eine einzige Aktie investiert. Ich wusste es einfach nicht besser. Als ich gelesen habe, dass man tatsächlich mit 25 Euro im Monat anfangen kann Geld anzulegen, hat sich mir eine ganz neue Welt eröffnet. 

Wie investierst du selbst?

Ich habe Fonds und ETFs, investiere inzwischen auch in Einzelaktien oder Krypotwährungen. Das einzige, das ich seit jeher bereue, ist, dass ich erst so spät angefangen habe. Klar habe ich auch mal auf die falsche Aktie gesetzt oder zu einem falschen Zeitpunkt gekauft. Aber das sind ja alles Erfahrungen, aus denen ich etwas gelernt habe.

Was ist denn dein Tipp, um endlich anzufangen, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen? Ich bin zum Beispiel zur Honorarberaterin gegangen, weil ich mich alleine nicht entscheiden konnte …

Das Anfangen kann einem niemand abnehmen. Ich glaube man muss sich entscheiden, ob man Zeit oder Geld investieren will. Ich habe meine Zeit in kostenlose Literatur, Blogs oder Veranstaltungen von Banken investiert. Banken wollen einem dort natürlich auch immer was verkaufen, aber darauf bin ich nie eingegangen. Stattdessen habe ich auf deren Events Frauen kennengelernt, die in der gleichen Situation waren wie ich und konnte mich austauschen. Das war mega wichtig! Aber auch wenn man zum Honorarberater geht, sollte man sich selbst vorher ein Basiswissen angelesen haben. 

Trotzdem darf man nicht zu perfektionistisch sein.  

Genau, dazu neigen gerade wir Frauen leider. Wenn wir uns für ein Thema interessieren, recherchieren wir intensiv. Schon bevor wir in den Urlaub fliegen wissen wir, wo man dort gut Essen gehen kann und wo es den besten Strand gibt. Bei Finanzen machen wir das auch, aber wir buchen die Reise dann nicht, sondern warten. Ich weiß von vielen Frauen, dass sie Angst haben, das Geld könnte dann ja weg sein. Aber das ist es ja nicht. Trotzdem ist es okay, erstmal sich mit kleinen Beträgen heranzutesten. 

Du schreibst in deinem Buch, dass in deinem Freundeskreis niemand über Geld redet. Warum ist das so?

Gerade Frauen scheint es immer noch unangenehm zu sein, wenn sie viel Geld verdienen oder besitzen. Was ja wiederum zeigt, dass viele Frauen erstmal die Beziehung zum Thema Geld ändern oder verbessern müssen. Geld und Erfolg eines anderen sollten keinen Neid hervorrufen, sondern geben mir die Chance, zu erfahren, wie mein Gegenüber beides erreicht hat. Man darf Geld und Gehalt nicht auf sich persönlich beziehen. Nur weil man weniger verdient, ist man ja nicht weniger Wert.

Was unterscheidet dein Buch von anderen Finanzratgebern?

Es beinhaltet neben Checklisten und Erklärungen auch eigene Erfahrungen oder geschichtliche Anekdoten. Als ich mich an die Recherche gemacht habe, fand ich es wahnsinnig spannend zu lernen, wie alt unser Rentensystem ist und warum es ursprünglich mal konzipiert wurde. Und dass sich bis heute keiner wirklich traut daran zu rütteln, weil eine neue Lösung anscheinend fehlt. Ich will, dass das Buch bei jedem Leser eine gute Wissensbasis schafft. 

Welche Faustregeln im Umgang mit Geld empfiehlst du?

Was mir zu Beginn total geholfen hat, war alle meine Ausgaben zu notieren und mit den Einnahmen zu verrechnen. Haushaltsbücher fand ich eigentlich immer ganz schlimm, aber dann habe ich das mal mit einer App gemacht und es hat so viel verändert. Zum einen habe ich gesehen, wohin mein Geld jeden Monat geht und zum anderen habe ich gesehen, wieviel diese kleinen Ausgaben für Kaffee, Wasser, Snacks auf die Hand insgesamt ausmachen. 

Wie schaffst du es inzwischen, Geld zu sparen?

Ein echter Gamechanger war die Entscheidung, Geld am Anfang des Monats zu sparen und nicht erst am Ende. Wenn ich immer nur spare, was eben übrig bleibt, dann bleibt einfach gar nichts übrig. Seitdem lege ich Geld am Anfang des Monats auf mein Tagesgeldkonto und habe die Summe in den letzten Jahren prozentual angehoben, wenn ich mehr verdient habe. Jetzt bleibt am Ende des Monats eine sehr überschaubare Summe übrig, aber das ist ja auch ok. 

Danke für das Gespräch, Margarethe. 

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