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Geldumgang Was machst du mit deiner Kohle?

Geldumgang: eine Frau in einem gelben Pullover steckt eine Münze in ein Sparschwein
© Nattakorn_Maneerat / Shutterstock
Und was macht ihr mit eurem Geld so? Das fragt man im Alltag ja eher selten. Wir haben es trotzdem mal getan.

Katrin Schorm, 42, Yoga-Lehrerin, Berlin

"Gelassen zubleiben habe ich beim Yoga gelernt"

Vor zehn Jahren wollte ich mir eine Wohnung in Hamburg kaufen. Ich traute mich dann doch nicht, seitdem steigen die Immobilienpreise – genauso wie meine Angst, mich zu verkalkulieren. Das hat mich lange gelähmt. Heute ist das nicht mehr so, nicht nur beim Thema Geld. Meinen Job als freiberufliche Projektmanagerin habe ich vor vier Jahren an den Nagel gehängt und bin nach Berlin in eine WG mit einer 70-Jährigen gezogen. Ich arbeite jetzt als Yoga-Lehrerin und biete Kurse in Behindertenwerkstätten an. Zudem berate ich Menschen, wie sie nachhaltiger leben können.

Das Thema Geld bin ich zeitgleich mit einer Honorarberaterin angegangen. Das hat mir sehr geholfen, mich ans Anlegen heranzutrauen. Auf meinem Girokonto liegen heute nur noch zwei Drittel meines Vermögens. Das andere Drittel steckt in verschiedenen Anlageformen: Mit meiner Schwester habe ich ein Haus an der Ostsee gekauft. Das vermieten wir und tilgen mit der Miete die Kreditraten, die wir für den Kauf aufgenommen haben. Daneben investiere monatlich etwas Geld in einen nachhaltigen Aktienfonds. Den werde ich aber frühestens in zehn Jahren anrühren. Gelassenheit habe ich schließlich beim Yoga gelernt.

Eva Spalke, 31, Redakteurin, Stuttgart

"Ich war die erste im Freundeskreis, die anfing, Geld anzulegen"

Mein erstes Depot habe ich mit Mitte 20 eröffnet. Schuld war mein Vater. Er lag mir ständig in den Ohren: Du musst privat vorsorgen! Aus gutem Grund: Ich habe Deutsch als Fremdsprache studiert und lebte nach dem Studium in Mexiko, um dort zu unterrichten, deshalb zahlte ich nicht in die deutsche Rentenkasse ein. Also begann ich, ETFs miteinander zu vergleichen, das sind Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Aktienindex abbilden. Ich schloss dann einen Sparplan mit einem Fonds ab, der den Index MSCI World abbildet, und startete mit monatlichen Raten von 25 Euro. Damit war ich die erste im Freundeskreis, die anfing, Geld anzulegen. Auf eineinhalb Jahre in Mexiko folgte ein Jahr in China, dann die Rückkehr nach Deutschland. Heute arbeite ich in Stuttgart als Redakteurin. In den ETF investiere ich nach wie vor. Er ist thesaurierend, das heißt: Alle Gewinne werden erneut im Fonds angelegt. Vor einem Jahr kam noch ein weiterer ETF dazu – ein Schwellenländerfonds. Der schwankte aber bisher stark, es gab noch keine Rendite. In beide Fonds zahle ich monatlich dreistellige Summen ein. 70 Prozent meines Geldes sind so angelegt. Der Rest liegt auf einem Tagesgeldkonto. Auf dem Girokonto habe ich nur noch drei Nettogehälter als Notgroschen. Mit den Fonds will ich mir eine Rücklage fürs Alter aufbauen. Sollte ich mal einen finanziellen Engpass haben, kann ich die Sparraten auch aussetzen. Das finde ich sehr beruhigend.

Lisa Schmidt, 29, Social-Media-Beraterin, Düsseldorf

"Ich will mit 60 in Rente"

Mit 25 habe ich mich als Social-Media-Beraterin selbstständig gemacht. Kurz darauf begann ich, mein Geld anzulegen. Ich habe nämlich ein klares Ziel: Ich will mit 60 in Rente, denn mein Partner ist älter als ich und wir könnten dann den Ruhestand gemeinsam genießen. Dafür habe ich mir ausgerechnet, wie viel ich als Rentnerin zur Verfügung haben möchte, einkalkuliert, dass mein Einkommen steigen wird, und eine gewisse Inflationsrate eingepreist. Dann habe ich mich in das Thema eingelesen und bin in meiner Heimatstadt Düsseldorf zur Verbraucherzentrale gegangen. 190 Euro kostete die Beratung dort. Sie war jeden Cent wert. Heute investiere ich die Hälfte meines Ersparten monatlich in vier ETFs, die Summe steigt dabei jährlich an. Die andere Hälfte lege ich in spekulative Anlagen wie die Kryptowährung Bitcoin an. Drei Monatsgehälter liegen für den Notfall auf meinem Tagesgeldkonto. Außerdem habe ich auf dem Girokonto mehrere Unterkonten, wo ich Geld für größere Ausgaben zurückgelegt habe. Drei Prozent meines Vermögens liegt in Einzelaktien, etwa von SAP. Pro Tag schaue ich fünf bis zwanzig Minuten nach meinem Portfolio. Kursverläufe zu analysieren, macht mir aber weniger Freude. Daher verkaufe ich die Aktien meist schnell, sobald sie Gewinn abgeworfen haben. Um meine Rente auf mehreren Säulen aufzubauen, will ich bald noch eine Wohnung kaufen und vermieten.

Marie-Christine Frank, 38, Kommunikationsberaterin, Köln

"Ich will die Finanzprodukte verstehen, die ich kaufe"

Mein Start als Anlegerin war holprig: Zwei Jahre irrte ich von Beratung zu Beratung und hatte stets das Gefühl, falsche Produkte empfohlen zu bekommen. Den Berater:innen hätten sie hohe Provisionen eingebracht. Aber auf mich zugeschnitten waren sie nicht. Erst beim vierten Versuch geriet ich an einen, dem ich vertraute. Bis heute investiere ich viel Zeit, um die Finanzprodukte zu verstehen, die mir empfohlen werden. Ich will ja genau wissen, was ich mir da kaufe. Mein Depot zu verwalten, macht mir heute richtig Spaß. Auf meinem Tagesgeldkonto liegt nur noch ein Notgroschen. Ansonsten investiere ich breit: Einen Teil meines Geldes habe ich in ETF-Sparpläne angelegt – und einen davon den Bereichen "Gender/Diversity" und "Innovation" gewidmet. Hier rechne ich nicht mit hohen Renditen, aber die Themen sind mir wichtig. Zudem habe ich eine steuerlich geförderte Basisrente, die Rürup-Rente, abgeschlossen. Daneben zahle ich in eine etwas riskantere fondsgebundene Rente ein. Und ich bin Investorin geworden. Über einen Frühphaseninvestor, der sich an jungen Unternehmen beteiligt, habe ich eine kleine vierstellige Summe in zwei Start-ups gesteckt. Beide mit Frauen in der Geschäftsführung, eins davon hat sich auf die Früherkennung von Schwangerschaften spezialisiert. Laut Studien performen Start-ups, die von Frauen gegründet werden, langfristig besser als die von Männern. Mir geht es zwar vor allem um die Förderung Erfolg versprechender frauengeführter Start-ups, aber mein Co-Investment, keine Charity.

Ellen Gürtler, 53, Stimmcoach, Aachen/Niederlande

"Geld spielte immer eine Rolle, aber nie die richtige"

In meiner Familie wurde kaum über Geld gesprochen. Vielleicht war das Thema deshalb so eine Riesenhürde für mich. Auch als Chefin: Kam ein Auftrag rein, vermied ich es zum Beispiel immer lange, über das Honorar zu sprechen. Geld spielte in meinem Leben also schon immer eine Rolle, aber nie die richtige. Vor einem Jahr machte ich mich daran, das zu ändern. Die Finanzberaterin nahm damals kein Blatt vor den Mund: "Es ist ein Desaster, wie du später mal dastehen wirst!" Sie hatte recht. 15 Jahre hatte ich eine Logopädie-Praxis, zuletzt mit sieben Mitarbeitenden. Parallel dazu habe ich Coachings angeboten. 2012 wollte ich mich ganz darauf konzentrieren und die Praxis verkaufen. Das klappte aber nicht und ich blieb auf mehreren Zehntausend Euro sitzen – der Rest eines Kredits, den ich einige Jahre zuvor aufgenommen hatte, um die Praxis auszubauen. Zum Glück konnte ich das Geld mittlerweile zurückzahlen – auch weil ich mich inzwischen nicht mehr scheue, für meine Arbeit Stundensätze zu verlangen, die meiner Erfahrung angemessen sind. Auch sonst hat sich mein Umgang mit Geld radikal geändert: Ich investiere derzeit monatlich 150 Euro in einen ETF-Sparplan mittlerer Risikoklasse. Ich habe zwei Immobilien: ein Haus, in dem mein Mann und ich seit 20 Jahren leben und das wir noch ein paar Jahre abbezahlen, und eine Pflegeimmobilie, mit deren Vermietung ich dieselbe finanziere. Und: Ich lerne, aktiv an der Börse zu investieren. Geld ist für mich wie eine neue Sprache. Und ich habe vor, sie möglichst gut zu beherrschen.

Brigitte

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