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Gemeinsames Konto So kannst du deine Ausgaben teilen und trotzdem unabhängig bleiben

Gemeinsames Konto: Mann und Frau am Küchentisch
© Klever LeveL / Shutterstock
Ein gemeinsames Konto klingt in den Ohren vieler Frauen nach dem Abtreten der eigenen finanziellen Unabhängigkeit und dem Ende des Feminismus. Wir erklären dir, wie du trotz eines gemeinsamen Kontos in der Beziehung Herrin deiner Finanzen bleibst.

Inhaltsverzeichnis

Wie sinnvoll ist ein gemeinsames Konto?

Egal ob in einer Wohngemeinschaft oder Beziehung: Es kommt regelmäßig zu gemeinsamen Zahlungen. Miete, Internet, der Wocheneinkauf und ein gemeinsamer Urlaub werden oft erst von einer Person bezahlt, während der oder die andere ihren Anteil im Nachhinein überweist. Legt jeder mal etwas aus, kommt es schnell zum Verrechnen – und am Ende sieht niemand mehr durch.

Stellt sich in deiner Beziehung häufig die Frage, wer diese und jene Rechnung bezahlt? Wie wird es gerecht aufgeteilt? Natürlich müssen wir in einer Partnerschaft nicht auf den Cent genau jede Rechnung teilen, doch wenn sich herausstellt, dass eine Person regelmäßig Ausgleichszahlungen vergisst oder von allein selten eine Rechnung begleicht, kann sich, neben den zwei privaten Konten, ein gemeinsames Konto lohnen.

Wie funktioniert das Führen eines gemeinsamen Kontos?

Ein gemeinsames Konto kann auf zwei Arten in den Alltag integriert werden:

  1. Ein Gemeinschaftskonto besteht neben dem eigenen Girokonto: Es wird auf die Namen der Kontoinhaber:innen eröffnet und jede Person kann über dieses Konto Zahlungen tätigen. Wer wie viel einzahlt, wird individuell abgesprochen. Das können im Monat 200 Euro, 500 Euro oder – je nach Budget – mehr sein. Aus diesem Geldtopf werden gemeinsame Rechnungen beglichen. Neigt sich der Kontostand einem Minimalbetrag, beispielsweise 100 Euro, wird durch einen Dauerauftrag oder eine manuelle Überweisung neues Geld eingezahlt. Diese Variante wahrt die finanzielle Unabhängigkeit und niemand muss sein Konsumverhalten offenlegen oder sich für Ausgaben rechtfertigen.
  2. Ein Gemeinschaftskonto ohne privates Konto: Entscheidet ihr euch in einer Beziehung für ein gemeinsames Konto ohne parallele private Konten, sollten sich eure Ausgaben im Ungefähren ähneln. In diesem Fall landen Gehälter und sonstige Einkünfte wie Gratifikationen und Lottogewinne auf einem Konto. Ihr trennt nicht mehr zwischen „deins“ und „meins“. Hat sich in eurer Beziehung herausgestellt, dass ihr etwa ähnlich große Summen für Hobbys ausgebt, kann ein gemeinsames Konto eine gute Idee sein. So spart ihr nicht nur das Hin- und Her-Überweisen, sondern möglicherweise auch doppelte Kontoführungsgebühren, die im Jahr auch mit um die 200 Euro zu Buche schlagen können. Dieses Kontomodell setzt Vertrauen voraus und ist keine Einladung, Partner:innen mit „teuren Ausgaben“ zu konfrontieren. Jede einzelne Kontobewegung wird hier für jede:n sichtbar, diese Offenheit sollte respektiert werden.

Gemeinsames Konto bei unausgeglichenem Einkommen

Viele Paare teilen Geldbeträge allerdings nicht 50/50 auf. Vielleicht verdient eine Person deutlich mehr, eine:r kümmert sich in Vollzeit um Kinder oder Angehörige oder eine Person befindet sich in der Ausbildung. Auch in diesem Fall kann ein gemeinsames Konto Sinn ergeben. Dann werden verschiedene Beträge auf das gemeinsame Konto eingezahlt. Dies sollte aber schriftlich festgehalten werden, falls es zur Auflösung kommt.

Gibt es in der Familie ein:e Hauptverdiener:in, während sich die andere Person um die Kinder kümmert, kann der oder die Hauptverdiener:in ein Haushaltsgeld auf das Gemeinschaftskonto einzahlen. Auch das Kindergeld landet auf diesem Konto, mit dem gemeinsame Rechnungen oder auch persönliche Zahlungen beglichen werden. Denn: Es arbeiten beide Eltern – ein Teil erhält am Monatsende einen Lohn von einem Unternehmen, der andere betreut den Nachwuchs. Es ist ein Geben und Nehmen, der oder die eine kommt ohne die Tätigkeit der anderen Person nicht aus.

Der Unterschied zwischen Oder-Konto und Und-Konto

Gemeinschaftskonten können in zwei Varianten abgeschlossen werden. Als Oder-Konto und als Und-Konto.

  • Oder-Konto: Beim Oder-Konto können alle Teilnehmer auf das Konto zugreifen, also Geld am Geldautomaten abheben oder Überweisungen tätigen. Die eingetragenen Personen verfügen jeweils frei über das Geld.
  • Und-Konto: Bei einem Und-Konto können Kontobewegungen nur mit dem Einverständnis aller eingetragenen Personen vorgenommen werden. Dafür ist bei Überweisungen auf Papier eine Unterschrift nötig.

Meist entscheiden sich Vereine oder Organisationen für Und-Konten. Für Wohngemeinschaften und Partnerschaften kann auch ein Oder-Konto sinnvoll sein. Dabei ist Vertrauen die Voraussetzung.

Gemeinschaftskonto: Was passiert nach einer Trennung?

Nach einer Trennung kann das Haushaltskonto ganz einfach aufgelöst werden. Dafür bedarf es der Unterschrift und einer Einverständniserklärung aller eingetragenen Personen. Den Kontoinhaber:innen steht dann (wenn nicht schriftlich anders festgehalten) die Hälfte des Geldes zu. Räumt also eine Person das Konto nach einer Trennung leer, muss sie das, was über ihren Teil hinausgeht, zurückzahlen.

Gemeinsames Konto: Nachteile

So viele Vorteile ein Gemeinschaftskonto auch hat – natürlich gibt es auch einige Nachteile:

  • Haftung: Wenn eine Person das Konto überzieht, haftet ihr gemeinsam. Das gilt auch, wenn du selbst nichts damit zu tun hast. Ein Gemeinschaftskonto ist daher nur geeignet, wenn du der Person vertraust. Ist das nicht der Fall oder die Person kann nicht gut mit Geld umgehen, sind zwei getrennte Girokonten die bessere Wahl.
  • Pfändung: Sollte es zu einer Pfändung kommen, ist das Geld auf einem Gemeinschaftskonto ebenfalls betroffen. Auch wenn du die Pfändung nicht verursacht hast. Überweise bei ersten Anzeichen deinen Teil des Geldes auf dein Girokonto.

Große Summen: Große Summen, die auf ein Gemeinschaftskonto überwiesen werden, können vom Finanzamt möglicherweise als Schenkung wahrgenommen werden.

Sollten Ehepaare ein Gemeinschaftskonto haben?

Spätestens nach der Hochzeit denken viele Eheleute an ein Gemeinschaftskonto. Aber ist die Auflösung eines Girokontos oder eines Einzelkontos unbedingt nötig? Welche Alternativen haben Eheleute neben dem Gemeinschaftskonto und wie lässt sich das gemeinsame Geld auch bei Versicherungen und Baukrediten fair teilen? Bei Capital+ gibt es ein ganzes Artikel-Dossier zu allem, was du über gemeinsame Finanzen nach der Hochzeit wissen musst. Mit dem kostenlosen Zugang für einen Monat kannst du direkt weiterlesen!

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Verwendete Quellen: capital.de, postbank.de

Brigitte

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