Gold als Geldanlage - lohnt sich das?

In wirtschaftlich unruhigen Zeiten ist es gut, sein Geld sicher anzulegen. Darum kaufen viele Menschen Gold. Aber lohnt sich das auch immer?

Goldrichtig?

Bei den Römern soll eine Toga eine Unze Gold (rund 31,1 Gramm) gekostet haben - so viel wie heute ein sehr guter Herrenanzug: etwas mehr als 1000 Euro. Ein Beispiel, das zeigt, wie Gold langfristig seinen Wert behält. Anders als Papiergeld kann man es auch nicht beliebig vermehren. Gold galt immer als "sicherer Hafen" für unsichere Zeiten. Und dass wir die haben, davon sind viele Ökonomen überzeugt. Unter anderem, weil die Schulden der Staaten in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind. Die Regierungen geben meistens sehr viel mehr Geld aus, als sie einnehmen. Und die Frage bleibt, ob und wie die Schulden je wieder abgetragen werden können. Und ob Papierwährungen wie Euro, US-Dollar oder Yen künftig an Wert verlieren.

Ist Gold die Lösung? Die Bundesbürger besitzen inzwischen mehr als doppelt so viel Gold wie die Deutsche Bundesbank: rund 8700 Tonnen, als Barren, Münzen oder Schmuck. 1,5 Gramm kauft jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr.

Die Argumente dafür: Wertsteigerungen sind möglich. Je unsicherer das Umfeld, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Goldpreis steigt. Nach 2006, als sich die Immobilienkrise in den USA zuspitzte, zog der Preis rapide an. In den vergangenen zehn Jahren hat er in Dollar um rund 50 Prozent zugelegt. Wer rechtzeitig auf Gold gesetzt hat, konnte hohe Gewinne machen. Gold ist sicher. "Mit Gold schläft es sich einfach besser", sagen viele Vermögensverwalter. Das Edelmetall hat jede Staatspleite und jede Währungsreform überlebt. Man konnte es jederzeit auch gegen Ware tauschen. Gewinne aus dem Verkauf sind steuerfrei - ab einer Haltedauer von zwölf Monaten. Wer dagegen in Aktien investiert, muss unabhängig von der Haltedauer Abgeltungsteuer zahlen: 25 Prozent des Gewinns fließen in die Kasse des Staates.

Am Ende ist es auch Herzenssache

Die Argumente dagegen: Gold bringt keine Zinsen und zahlt keine Dividende. Bei Aktien machen die Gewinnausschüttungen der Unternehmen langfristig 40 bis 50 Prozent der Rendite aus. Bei Gold gibt es nur eine Renditequelle: den Kurs - wenn er denn steigt. Der Goldkurs kann kurzfristig stark schwanken, und auch in langen Zeitspannen hat es schon an Wert eingebüßt. So fiel der Goldpreis in den 80er-Jahren und hat erst 2006 wieder das Niveau von damals erreicht. Gold liegt nicht im Depot, sondern (hoffentlich) im Tresor - man muss also für die Aufbewahrung seines Vermögens im Bankschließfach zahlen.

Am Ende ist es auch Herzenssache, ob man in Gold investieren will. Mehr als fünf bis zehn Prozent des eigenen Vermögens sollten es aber nicht sein.

Goldschmuck, Münzen, Barren?

Goldketten oder Armbänder bereiten Freude - als Investment ist Goldschmuck allerdings kaum geeignet. Denn den Aufpreis, den man für eine kunstvolle Gestaltung des Edelmetalls bezahlt, bekommt man mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zurück. Wenn du deinen Schmuck irgendwann einmal "versilbern“möchtest, erhältst du in der Regel nur den Preis für das Material. Ausschlaggebend für den Wert sind dann Reinheit und Gewicht. Gold kannst du in Form von Münzen oder Barren kaufen. Es wird in Dollar gehandelt, der Preis pro Unze hängt also neben dem Marktwert auch von der Stärke des Dollar im Verhältnis zum Euro ab. Münz-Gold gibt es schon für eine Zehntel Unze, bei Barren geht es ab einem Gramm los, bis hin zu einigen Kilogramm. Münzen sind etwas teurer, weil sie aufwendig geprägt werden müssen. Unter dem Strich aber ist der Preisunterschied gering.

Einen großen Unterschied macht es nicht

Für Münzen spricht, dass sie in kleinen Einheiten angeboten werden und gut handelbar sind. Wenn du Geld benötigst, wirst du über den Zweitmarkt einen Käufer finden. Für die Geldanlage geeignet sind Münzen, die unlimitiert angeboten werden; hier richtet sich der Preis nicht nach dem Sammlerwert, sondern nur nach dem Wert des Goldes. Am bekanntesten sind Münzen wie der Krügerrand, Maple Leaf oder American Eagle. Achte beim Kauf von Barren auf Reinheit und Zertifizierung durch die Londoner Rohstoffbörse LBMA. Wie auch bei Münzen gilt: Je kleiner die Einheit, desto mehr Geld musst du für dein Gold bezahlen. Der Grund ist simpel: Die Kosten, die der Händler in Rechnung stellt, fallen bei kleinen Einheiten stärker ins Gewicht; der Anteil am Preis wird mit steigendem Kaufwert geringer. Zehn Einheiten à zehn Gramm sind also teurer als ein 100-Gramm-Barren. Aber Sie haben den Vorteil, dass man das Gold in kleinen Einheiten auch wieder verkaufen kann.

Wo kaufe ich Gold?

Gold gibt es bei den meisten Banken oder bei spezialisierten Händlern wie Degussa, Pro Aurum oder Goldkontor. Bei den Spezialisten hat man in der Regel eine größere Auswahl und bekommt einen besseren Preis. Achte bei Münzhändlern darauf, dass sie Mitglied im Berufsverband des deutschen Münzhandels sind (www.muenzenverband. de). Käufe unter 10 000 Euro sind nicht meldepflichtig. Wer mehr will, muss den Ausweis vorlegen und wird registriert. Das ließe sich aber durch einen Kauf in mehreren Tranchen verhindern. Du kannst Gold auch online kaufen. Wenn du weißt, was genau du möchtest, kannst du auf Internetportalen wie www.gold.de oder www.gold-preisvergleich.com die Preise vergleichen. Neben dem Kaufpreis fallen noch Kosten für Versand und Versicherung an.

Wie lagere ich Gold?

Du kannst deine Münzen und Barren natürlich in deiner Schmuckschatulle aufbewahren oder im Garten vergraben. Wirklich sicher ist das aber nicht. Manche Versicherungen schließen eine Erstattung nach Einbruch bei ungesicherter Lagerung komplett aus. Falls du dein Gold dennoch zu Hause behalten möchtest, um jederzeit darauf zurückgreifen zu können, bewahre es am besten an unterschiedlichen Stellen auf. Ein Tresor im Haus bietet mehr Schutz und Sicherheit. Lass dich vor einem Kauf am besten von deiner Versicherung beraten, um nach einem möglichen Einbruch nicht leer auszugehen.

Einfacher und gleichfalls anonym kannst du dein Gold in einem Bankschließfach lagern - die Bank kontrolliert die Inhalte eines Schließfaches nicht. Die Preise variieren erheblich. Manche Angebote schließen einen Versicherungsschutz mit ein. Achte darauf, dass der zum Wert deines eingelagerten Vermögens passt, und vergleiche die Angebote. Münz- und Edelmetallhändler bieten ebenfalls Schließfächer mit Versicherungsschutz an. Auch hier gilt: Preise und Versicherungsschutz vergleichen.

Gold sollte man mindestens ein Jahr halten

Welche Steuern fallen an?

Wenn du Goldbarren oder -Münzen mit einem Reinheitsgehalt von mindestens 995 bzw. 900 Tausendsteln kaufst, musst du keine Mehrwertsteuer bezahlen. Ausgenommen sind Sammlermünzen, bei denen der Preis um mehr als 80 Prozent über dem Materialwert liegt. Wenn du dein Gold mehr als ein Jahr hältst - und der Kurs in der Zwischenzeit gestiegen ist -, ist auch der Verkauf steuerfrei. Du musst also vom Gewinn nichts an den Fiskus abgeben. Allerdings kannst du, wenn der Kurs fällt, auch keinen Verlust von der Steuer absetzen.

Und was ist "Papiergold"?

Physisches Gold steht vor allem für Wertsicherung. Exchange Traded Commodities (ETCs) bilden dagegen die Wertentwicklung eines Rohstoffs ab und werden an der Börse gehandelt. Du kannst mit diesem "Papiergold" also auf steigende Kurse von Gold spekulieren. Wichtig: ETCs sind Schuldverschreibungen und kein geschütztes Sondervermögen; Anleger tragen also das Risiko, sollte der Emittent, der Herausgeber der Papiere, pleite-gehen. Vor dem Kauf am besten ins Kleingedruckte schauen, ob der Anbieter den Wert mit physischem Gold abgesichert hat. Bei Xetra-Gold oder Euwax Gold etwa kannst du dir für Ihre Wertpapiere auch das Gold liefern lassen.

Brigitte 01/2019

Wer hier schreibt:

Birgit Wetjen
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