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Helma Sick Fragen zum Geld

Helma Sick: ein junges Paar lehnt über einem Tisch und schaut auf ein ausgedrucktes Dokument.
© WAYHOME studio / Shutterstock
Brigitte Woman Finanzexpertin Helma Sick beantwortet Fragen rund um das Thema Finanzen.

Goldmünzen: Wer weiß, was sie wert sind?

Ich habe eine Sammlung alter und seltener Goldmünzen geerbt. An wen kann ich mich wenden, um zu erfahren, welchen Wert diese Münzen haben?

Sie könnten sich beispielsweise an "Pro Aurum" wenden. Das ist eines der größten Goldhandelshäuser im deutschsprachigen Raum mit angeschlossenem Numismatik- Shop. Sie können dort Ihre Münzen schätzen lassen und sie bei Bedarf auch direkt über "Pro Aurum" verkaufen.

Scheidung: Gehört mir die Hälfte der Wohnung?

Ich bin 60 Jahre alt, und meine Ehe ist am Ende. Noch wohne ich mit meinem Mann in unserer Eigentumswohnung. Im Grundbuch ist nur er eingetragen. Gehört mir trotzdem die Hälfte der Wohnung?

So einfach ist das leider nicht. Die Wohnung gehört dem, der im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist, in Ihrem Fall offenbar Ihr Mann. Wenn nichts anderes vertraglich vereinbart ist, profitieren Sie im Fall einer Scheidung nur von der Wertsteigerung der Immobilie, die während der Ehezeit eingetreten ist. Das wird im sogenannten Zugewinnausgleich, der bei der Scheidung erfolgt, geregelt.

Aktien: Was bedeutet die Dax-Erweiterung?

Ich habe in ETFs auf den Dax investiert. Nun lese ich, dass der Dax von 30 auf 40 Unternehmen erweitert wurde. Hat das Auswirkungen für mich?

Für Anleger:innen ändert sich dadurch nichts. Zehn weitere Unternehmen im Dax bedeuten eine etwas breiter angelegte Streuung, mehr nicht. Grundsätzlich finde ich ETFs auf den Dax nicht besonders interessant. Sie investieren damit ja nur in 40 deutsche Unternehmen. Im Vergleich: Der MSCI World enthält 1600 Unternehmen.

Geschlossener Fonds in Italien: Soll ich gegen die niedrige Ausschüttung klagen?

Ich habe vor Jahren einen Anteil an einem geschlossenen Fonds gekauft, über den ich an einem Solarkraftwerk in Italien beteiligt bin. Prognostiziert war eine jährliche Ausschüttung von sieben Prozent. Die ersten Jahre lief das auch so, aber aktuell gibt es nur noch drei Prozent. Und nun schreiben mir ständig Anwaltskanzleien, die mir raten, die Beteiligungsgesellschaft zu verklagen. Ist das ratsam?

Die wirtschaftliche Entwicklung der Solarkraftwerke ist durch den niedrigen Strompreis auf dem italienischen Markt beeinträchtigt. Vor allem aber, weil die italienische Regierung 2015 die Einspeisevergütung gekürzt hat. Das Solarkraftwerk arbeitet zwar wie geplant, verdient aber nicht mehr so viel wie in den Jahren vor dieser Kürzung. Wer also sollte da jetzt verklagt werden? Die Beteiligungsgesellschaft ist ja nicht pleite. Sie bekommen durch nicht vorhersehbare Ereignisse lediglich weniger Ausschüttung als geplant. Das nennt man "politisches Risiko".

Freistellungsbetrag: Was bei zwei Banken?

Ich habe Wertpapierdepots bei zwei Banken. Bei jeder habe ich einen Freistellungsbetrag von 801 Euro angegeben. Ist das in Ordnung?

Nein. 801 Euro ist der jährliche Gesamtbetrag der Einkünfte aus all Ihren Kapitalanlagen, die Sie steuerfrei vereinnahmen dürfen. Wenn Sie bei beiden Banken je 801 Euro Freibetrag angegeben haben, ist das falsch. Sie führen zunächst keine Steuern ab, bis der bei Ihnen hinterlegte Freibetrag erreicht ist. Das Bundeszentralamt für Steuern fasst die von den Banken gemeldeten Beträge, die über Freistellungsaufträge abgedeckt sind, zusammen. Wenn dort eine Überschreitung des Gesamtbetrags von 801 Euro registriert wird, ergeht eine Meldung an das Finanzamt, Sie müssen nachversteuern. Sie sollten den Freibetrag von 801 Euro auf beide Banken aufteilen.

Negativzinsen: Soll ich mein Geld anders anlegen?

Ich habe über die Jahre 50 000 Euro gespart. Das Geld liegt auf einem Tagesgeldkonto. Nun verlangt die Bank dafür Verwahrentgelt. Deshalb will ich das Geld nun anlegen. Aber mir steht eine Scheidung bevor, und es kann sein, dass ich meine Schwester wegen eines Erbes auszahlen muss. Was raten Sie?

Bevor die Scheidung abgeschlossen und bevor klar ist, ob und wie viel Sie Ihrer Schwester zahlen müssen, sollten Sie das Geld nicht anlegen. Sie könnten aber ein Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank eröffnen. Manche Auto-Banken, etwa BMW-Bank, Mercedes-Bank oder VW-Bank, verlangen aktuell noch keine Negativzinsen.

Geldanlage: Muss ich mir Sorgen machen?

Auf der Suche nach einer lukrativen Geldanlage habe ich im Internet ein interessantes Angebot mit hohen Zinsen gefunden. Ich konnte sogar nur mit 250 Euro einsteigen. Ein Broker verwaltet das Geld, per WhatsApp wurde ich laufend über die Zinszahlungen informiert. Inzwischen habe ich 19 000 Euro investiert. Nun wollte ich mir einen Teil des Gewinns auszahlen lassen. Aber ich werde ständig vertröstet und habe bisher keinen Euro erhalten. Muss ich mir Sorgen machen?

Da klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken! Kein seriöser Broker verkehrt mit seinen Kunden über WhatsApp, schon aus Datenschutzgründen. Und kein Broker arbeitet mit Beträgen von 250 Euro. So etwas ist in der Regel ein Lockangebot. Durch angebliche hohe Zinszahlungen soll Vertrauen gebildet werden und zu weiteren Geldzahlungen verführen. Wenden Sie sich an die nächstgelegene Verbraucherzentrale oder erstatten Sie bei der Polizei Anzeige gegen die Firma. Ob Sie Ihr Geld allerdings jemals wiedersehen, ist fraglich. Aber einen Versuch ist es wert.

Rente: Warum bekommen Frauen weniger?

Frauen haben im Alter weniger Rente. Kommt das ausschließlich daher, dass sie meist weniger verdienen als Männer?

Das ist nur ein Grund. Der Hauptgrund ist die ausufernde Teilzeitarbeit. Fast 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, oft bis die Kinder erwachsen sind oder gar bis zur Rente. Diese lange Teilzeit mit manchmal nur wenigen Wochenarbeitsstunden gibt es am häufigsten in Deutschland. Die Durchschnittsrente von Frauen in Westdeutschland liegt deshalb auch bei 694 Euro, die von Frauen in Ostdeutschland bei 1028 Euro. Frauen in Ostdeutschland arbeiten in der Regel deutlich mehr. In diesem enormen Rentenunterschied schlägt sich das drastisch nieder.

Unverheiratet: Wie regeln wir das Erbe?

Mein Lebensgefährte und ich sind nicht verheiratet. Wir wollen uns nun gegenseitig absichern. Was ist der Unterschied zwischen Testament und Erbvertrag?

Unverheiratete können im Gegensatz zu Eheleuten kein gemeinschaftliches Testament verfassen. Das heißt, jeder der Partner muss für sich ein Einzeltestament aufsetzen. Das kann natürlich von jedem (auch heimlich) widerrufen werden. Anders ist dies bei einem Erbvertrag, der gemeinsam verfasst werden und nur gemeinsam widerrufen werden kann.

Berufsunfähigkeit: Wie versichert sich eine Künstlerin?

Meine Tochter studiert Klavier an der Musikhochschule. Ich habe ihr dringend geraten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Aber als Künstlerin ist sie mehrfach abgelehnt worden. Was können wir tun?

Es gibt eine Alternative zur BU: Die Grundfähigkeitsversicherung. Diese zahlt beim Verlust bestimmter Fähigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen, Gehen, Stehen, Autofahren und so weiter eine monatliche Rente. Der aktuell ausgeübte Beruf spielt für die Aufnahme keine Rolle, beim Beitrag schon. Ein Vorteil der Grundfähigkeitsversicherung ist, dass sie auch dann zahlt, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann.

Hinterbliebene: Kann ich Geld vom Konto meines Mannes abheben?

Eine Freundin von mir hatte nach dem Tod ihres Mannes große Schwierigkeiten, Geld von dessen Konto abzuheben. Auch die Vorlage des Testaments nützte nichts, die Bank verlangte einen Erbschein, den sie aber erst beim Nachlassgericht beantragen musste. Wie kann man für so einen Fall Vorsorge treffen?

Der Mann Ihrer Freundin hätte seiner Ehefrau eine Vollmacht für den Todesfall erteilen müssen, dann hätte Ihre Freundin sofort Zugang zum Konto gehabt. Ohne Vollmacht kann die Bank einen Erbschein verlangen. Sie ist sogar verpflichtet, sich Klarheit über die rechtmäßigen Erben zu verschaffen, da ja die Familienangehörigen nicht immer auch die Erben des Vermögens sind. Ein Testament reicht nicht, da die Bank nicht nachprüfen kann, ob es wirklich das letzte ist, das der Verstorbene verfasst hat. Es sei denn, es ist beim Amtsgericht (Nachlassgericht) bereits eröffnet und somit amtlich bestätigt.

Sparen: In wie vielen Jahren verdoppelt sich mein Kapital?

Ich wüsste gern, wann sich mein Kapital verdoppelt hat. Gibt es eine Faustregel?

Ja: Nehmen Sie die Zahl 72 und teilen Sie sie durch die durchschnittliche Rendite, die Sie mit Ihrer Geldanlage erzielen: zum Beispiel 72 : 4 = 18. Das heißt, wenn Ihr Akienfonds 4 Prozent Rendite erwirtschaftet, verdoppelt sich Ihr Kapital in 18 Jahren, bei 8 Prozent in 9 Jahren.

Helma Sick...

...führt mit Renate Fritz das Unternehmen "Frau und Geld" in München und ist erfolgreiche Buchautorin.

Brigitte

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