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Gute Frage "Wie erkenne ich meine Talente?"

Welche Talente habe ich?
Job-Profilerin und dreifache Mutter Katrin Wilkens berät mit ihrer Hamburger Agentur "i.do" (japanisch für "Veränderung", "Reise") Frauen beim Wiedereinstieg.
© Marianne Moosherr
Katrin Wilkens unterstützt Frauen beim Um- und Wiedereinstieg. Hier erklärt sie, wie man seinen Talenten auf die Schliche kommt. 

BRIGITTE.de-Leserin Frau S. fragt: "Ich will mich beruflich verändern. Wie erkenne ich meine Talente?"

"Ich habe eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, danach Sozialpädagogik studiert und arbeite nun an einer Ganztagsschule. Zuerst habe ich dort als Gruppenleiterin gearbeitet, seit 13 Jahren bin ich Teamleiterin. Ich mache viel Organisation, leite aber auch eine eigene Gruppe, allesamt mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

In dieser Schule, einer Brennpunktschule mit einem Migrationsanteil von über 75 Prozent, bin ich nunmehr seit 17 Jahren tätig. Aber langsam wird mir immer klarer, dass mir die Arbeit mehr schlechte als gute Tage beschert. Der Wunsch nach Veränderung wird immer größer.

Genauso aber meine Angst und meine Zweifel. Ich habe ja nie etwas anderes gemacht. Ich kann ja nur das, was ich in der Schule getan habe. Ich bin ratlos und merke, wie dieser Gedanke mein Selbstbewusstsein mehr und mehr ankratzt.

Wie kann ich denn herausfinden, was ich kann? Wo meine Talente und mein Können liegen? Andere Arbeitsfelder sind mir fremd, aber der Wunsch, aus dem sozialen Bereich rauszukommen, wächst ständig."

Das sagt Katrin Wilkens:

"Um Ihren Selbstwert ein wenig zu pimpen: Bitten Sie fünf gute Freundinnen, Ihnen jeweils fünf Eigenschaften zu nennen, die Sie besonders gut können. Je origineller, desto besser (das kann man wunderbar an einem launigen Sektabend veranstalten!).

Und dann sortieren Sie einmal Ihre 30 Schätzchen (denn Sie selber haben sich natürlich auch beurteilt): Kommen da mehr handwerkliche Dinge, mehr soziale, mehr analytische Gaben zum Vorschein? Haben die immer mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen, Schönem, Hässlichem, Versehrten, Gesundem zu tun? Wollen Sie damit Geld verdienen, gern im Team arbeiten, etwas Eigenes aufbauen? Anhand dieser Kriterien kann man gut gucken, welches Gras eventuell noch grüner ist.

Ich glaube aber, dass es sich bei Ihnen weniger um ein Berufsproblem, als um ein Zielgruppen-Problem handelt. Schon beim Lesen denkt man unwillkürlich „au Backe“: sozialer Brennpunkt, Migrationsanteil, sonderpädagogischer Förderbedarf. Was passiert, wenn Sie sich eine Traumzielgruppe backen dürften? Vielleicht: alt, dankbar, ruhig. Oder: jung, stabil, freiwillig. Oder: weiblich, einzeln, ratlos. Würden Sie dann immer noch den Beruf wechseln wollen?

Spontan schoss mir durch den Kopf, dass Sie vielleicht eine kleine Zusatz-Selbstständigkeit wagen sollten - mit einem Eltern-Coaching innerhalb der Schule: Kaum eine Zielgruppe ist derzeit verunsicherter und lechzt geradezu über interne Informationen aus dem Schulbetrieb. Und kaum einer ist im Einzelgespräch williger im Zuhören. Ich spreche da aus dreifacher, leidgeprüfter Erfahrung. Den Lehrern der eigenen Kinder lauscht man immer!

Aber vorher spielen Sie das Eigenschaften-Schatz-Spiel mit Ihren Freundinnen – es macht granatenmäßig viel Spaß!"

Ihre Katrin Wilkens, i.do

Mehr vom Katrin Wilkens? In dieser Folge des Podcasts "Elterngespräch" ist sie zu Gast!

Brigitte

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