Nachhaltige Entscheidungen treffen - 5 Ideen

Das Spektrum der sogenannten "nachhaltigen Geldanlage" ist immens. Finanzjournalistin Birgit Wetjen berichtet, wie wir unser Geld mit gutem Gewissen anlegen können und fasst 5 Ideen zusammen. 

DIE SITUATION:

Geld regiert die Welt – große Konzerne, so scheint es, nehmen Politik und Gesellschaft als Geisel. Sie verlegen Standorte und nutzen Briefkastenfirmen, um Steuern zu vermeiden. Sie steigern ihre Rendite zulasten der Arbeitnehmer, sie verpesten die Umwelt und lassen in armen Ländern unter unwürdigen Bedingungen produzieren. Und das alles, um hohe Renditen zu erzielen. Viele möchten sich an solchen Geschäften auf keinen Fall beteiligen, sind verunsichert und lassen ihr Erspartes oft einfach auf Sparkonten schmoren. Vor allem Frauen machen einen großen Bogen um die Börse. Wirklich sinnvoll ist das nicht. Denn sie vergessen: Ihr Geld arbeitet auch auf dem Sparkonto – nur sind es dann letztendlich die Banken, die daran verdienen und darüber entscheiden, wie das Geld eingesetzt wird.

WAS MUSS PASSIEREN?

Geld ist ein mächtiges Steuerungsinstrument – auch in der Hand von Privatanlegern. Der Kauf von Aktien etwa ermöglicht es, per Stimmrecht Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen. Denn Aktionäre beteiligen sich an Unternehmen, egal, in welcher Höhe sie investieren. Mit ihrem Geld können Aktionäre also gezielt in die Unternehmen investieren, die ihre Werte vertreten – ob sie Umwelttechnik entwickeln, die Menschenrechte stärken oder einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung ganzer Regionen leisten.

Das Spektrum der sogenannten "nachhaltigen Geldanlage" ist immens. Um Geld an der Börse zu verdienen, muss man also nicht jede Sauerei unterstützen. Wer sich die Auswahl der Einzelwerte nicht zutraut, kann breit gestreut in "nachhaltige Fonds" investieren. Dann übernehmen Profis die Regie, die bei der Auswahl der Einzelwerte die Renditeaussichten und die Einhaltung der Nachhaltigkeitsregeln prüfen – für eine Rendite mit gutem Gewissen!

1. Zusammen Einfluss nehmen

Ach, meine kleine Aktie bewegt doch eh nichts ... Doch! Aktionäre haben ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Der Einfluss eines Kleinaktionärs auf die Unternehmenspolitik ist zwar begrenzt, aber Aktionäre können ihre Stimmen bündeln – etwa bei Aktionärsgruppen wie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW), www.dsw-info.de, oder aber beim Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, www.kritischeaktionaere.de.

2. Nicht jedem Ökoanstrich trauen

Ökoinvestments sind in Mode gekommen – das nutzen Marketingspezialisten reiflich aus. Manche Unternehmen versprechen gute Rendite und locken zudem mit einem "Ökoanstrich". "Das ist ja dann sicher auch gut für die Umwelt"– mag man als Investor denken. Doch Obacht: Ist das Unternehmen auch wirklich gesund oder droht eine Pleite wie bei "German Pellets"? Also vor dem Investieren gut informieren (z. B. bei www.herMoney.de) – oder sich von einem Finanzprofi beraten lassen.

3. Genau gucken, was drin ist

Der Begriff "nachhaltige Geldanlage" ist nicht einheitlich definiert. Beispiel Fonds: Manche Anbieter schließen bestimmte Branchen wie Rüstung oder Tabak aus, manche picken nach bestimmten Kriterien die besten einer Branche heraus, andere setzen auf Unternehmen, die nicht nur Schlechtes vermeiden, sondern Gutes bewirken. Vor einem Investment also gut informieren! Einen detaillierten Überblick über die Konzepte und die Fondsprofile gibt zum Beispiel das Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. (www.forum-ng.org).

4. Entwicklungshilfe pur

Der Ökonom und spätere Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus gilt als Begründer von sogenannten Mikrofinanzfonds. Das Prinzip: Investoren sammeln Geld ein und vergeben Kleinstkredite. Millionen Menschen in Asien, Afrika oder Lateinamerika konnten sich mit Kleinstkrediten eine Existenz aufbauen und wurden aus Armut und Abhängigkeit befreit – zum Großteil Frauen. Die Rendite ist für Anleger meist nicht allzu üppig, wohl aber die soziale Rendite der Investition. Informationen: www.investinvisions.com.

5. Wertpapiere prüfen lassen

Geld ein Gesicht geben – das ist das Ziel der Globalance Bank, die die Wirkung von Geld auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft analysiert. Wie genau? Per Algorithmen wird für Unternehmen und Wertpapiere ein sogenannter Footprint errechnet, der Auskunft über die Wirkung des angelegten Geldes gibt. Wer schon ein Depot hat, kann seine Wertpapiere kostenlos prüfen lassen. Infos unter www.globalance-bank.com.

Gut zu wissen: 

  • 29% der Frauen kümmern sich laut einer Studie der Postbank überhaupt nicht um ihre Finanzen.
  • 157 Milliarden Euro wurden 2016 in Deutschland in nachhaltige Geldanlagen investiert – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2015.

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BRIGITTE-Spezial 2/2018

Wer hier schreibt:

Birgit Wetjen
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