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Sparpläne Klein, aber oho!

Sparpläne: Geld wird gestapelt
© antstang / Shutterstock
Sparpläne sind so was wie richtig gute Freunde: zuverlässig, flexibel, unkompliziert. Mit ihnen ist es so einfach wie nie, an der Börse zu investieren. Und das Schönste: Es geht auch mit Mini-Beträgen.

Drei von vier Frauen und fast jeder zweite Mann in Deutschland haben keine Aktien, nicht von einzelnen Unternehmen und auch nicht in Form von Fonds oder ETFs. Und zur Begründung heißt es oft: "Dafür habe ich kein Geld übrig." Doch das ist ein Irrtum. Es gibt eine Lösung: den Sparplan.

Spätestens seit die Onlinebank ING im vergangenen Herbst die Mindestrate für Sparpläne auf einen Euro senkte, müsste klar sein: So wenig Geld kann man gar nicht haben, dass man die regelmäßigen Einzahlungen nicht wuppen könnte. Bei den meisten Onlinebrokern liegt die Mindestrate bei 25 Euro, doch wer die nicht jeden Monat zusammenbringt, kann auch vierteljährlich sparen. Kreative Finanz-Start-ups bieten neuerdings sogar Modelle, bei denen Cent-Beträge des Wechselgelds in einen Sparplan fließen.

Da kommt aber auch schon der nächste Vorbehalt ins Spiel: "Mit so kleinen Beträgen bringt das doch nichts." Auch das ist falsch. Wer so denkt, hat keine Vorstellung von der Turbokraft des Zinseszinseffekts. Wobei das Wort "Zinsen" in diesem Fall nicht zutrifft. Früher gab es Zinsen, jede Bank bot Sparpläne an. Heute gibt es kaum mehr welche, weder Zinsen noch Banksparpläne. Aber es gibt Sparpläne für Fonds, für ETFs und jetzt immer häufiger sogar auch für einzelne Aktien. Das exponentielle Wachstum macht über die Jahre aus den kleinen Raten eine große Summe, langsam, aber gewaltig. Ideal geeignet gerade für Frauen, die fürchten müssen, im Alter in eine Rentenlücke zu stolpern. Das ist ja noch lang hin? Umso besser.

Was sonst noch für Sparpläne spricht? Eine ganze Menge 

Sie sind ein ungefährliches Übungsfeld ...

für Geldanlage an der Börse. Gerade am Anfang ist die eingesetzte Summe noch klein genug, sodass man nicht bei jeder Kursschwankung Nervenflattern bekommt. Wir investieren scheibchenweise und können uns so langsam an das Auf und Ab des Kapitalmarkts gewöhnen.

Sie machen keine Arbeit.

Im Gegenteil: Sie lassen das regelmäßige Sparen zur Gewohnheit werden und nehmen uns das Grübeln ab, wann welche Investition nun die richtige ist. Einmal abgeschlossen, läuft die Sache von selbst. Die Rate wird automatisch abgebucht und automatisch angelegt. Theoretisch brauchen wir jetzt nichts mehr zu tun. Sparpläne nehmen nichts übel. Wir sind nicht an eine Laufzeit gebunden, können jederzeit stoppen, eine Pause machen, die Höhe der Raten ändern. Wir können auch den Fonds oder ETF, den wir besparen, durch einen anderen ersetzen. Oder, wenn’s sein muss, den Sparplan ohne Stornogebühren beenden.

Sie sind günstig.

Jede Order am Aktienmarkt kostet was, aber viele Onlinebanken und Broker bieten kostenlose oder Aktionssparpläne an.

Sie lehren uns Geduld und Disziplin.

Ja, zwischendurch fallen die Kurse auch mal. Aber nach spätestens 12 Jahren waren Anleger*innen mit einem Sparplan zum Beispiel auf die Dax-Unternehmen immer wieder im Plus, so die aktuelle Analyse des Deutschen Aktieninstituts. Für Sparpläne gilt die gleiche Regel wie für den einmaligen Kauf von Fonds oder Aktien: Je länger man investiert, desto geringer wird das Risiko.

Sparpläne wachsen dreifach.

Erstens durch die regelmäßigen Einzahlungen. Zweitens durch die langfristig steigenden Kurse. Und drittens durch die Dividenden, die gleich wieder angelegt werden sollten. (Dafür Fonds und ETFs mit Namenszusatz "thesaurierend" oder "accumulating" wählen, dann geschieht die Wiederanlage automatisch.)

Sie passen zu uns.

Was bringt nach zehn Jahren ein größeres Geldpolster: 12 000 Euro auf einen Schlag in einen Aktienfonds zu investieren – oder diese Summe in kleinen Portionen einzuzahlen, also zehn Jahre lang jeden Monat 100 Euro? Das Analysehaus Morningstar hat es berechnet. Ergebnis: Die Einmalanlage bringt auf lange Sicht in mehr als 90 Prozent der Fälle mehr. Aber erstens: Wer hat so große Summen übrig? Und zweitens: Die psychologische Hürde, gerade für Börsenneulinge, so viel Geld auf einmal einzusetzen, ist viel größer, als wenn sie jeden Monat ein kleines bisschen einzahlen. Dann ist es doch besser, sich langsam, Stück für Stück voranzuwagen.

Sparpläne sind ein sinnvolles Geschenk ...

für die Kinder oder Enkelkinder. 50 Euro monatlich, ab der Geburt gezahlt und mit einer Durchschnittsrendite von sieben Prozent investiert, wachsen bis zum 18. Geburtstag zu mehr als 20 000 Euro.

Sparpläne sind arbeitnehmerfreundlich.

Bei Verträgen für Vermögenswirksame Leistungen (VL) zahlt die Arbeitnehmerin sechs Jahre lang jeden Monat ein, der Arbeitgeber schießt etwas oder sogar alles dazu (maximal beträgt die Gesamtrate 40 Euro). Dann ruht der Vertrag ein Jahr und wird ausbezahlt. Bei einem Fondssparplan gibt es bis zu einem maximalen zu versteuernden Jahreseinkommen von 20 000 Euro (für Singles) obendrauf einen staatlichen Zuschuss, die Arbeitnehmersparzulage: bis zu 80 Euro pro Jahr. 2015 waren es noch rund sechs Millionen Fondsverträge, jetzt nur noch zwei Millionen. Trotzdem haben immer noch viele Menschen Anspruch darauf – und nutzen ihn nicht.

Alles in allem: Sparpläne sind in der Finanzwelt so was wie die richtig guten Freunde im Privatleben. Unkompliziert, treu, für alles zu haben.

Das haben im vergangenen Jahr viele entdeckt. Bei der Dekabank gibt es laut Schätzungen der "Börsen-Zeitung" mittlerweile insgesamt rund 5,7 Millionen Fondssparpläne, bei der Union Investment rund 5,4 Millionen. Und mehr als zwei Millionen Menschen haben ETF-Sparpläne bei den Banken und Onlinebrokern. Die durchschnittliche Rate wächst ständig und liegt jetzt bei 173 Euro.

Sparplan ist das neue Sparbuch. Der einzige Haken ist: Der Einstieg kann ziemlich unübersichtlich sein kann. Dabei geht es ja eigentlich nur um zwei Fragen: Welchen Sparplan will ich abschließen, und wo? Tausende Fonds, ETFs und (im Vergleich noch sehr wenige) Einzelaktien stehen dafür zur Wahl. Aber welche genau, und zu welchen Konditionen und Gebühren, das ist bei den einzelnen Instituten sehr unterschiedlich. 

Drei Kostenfaktoren gibt es beim Sparplan:

Die Gebühren für den Betrieb des Depots,

ähnlich einer Kontoführungsgebühr. Meist ist es kostenlos, bei Filialbanken können Sie ein Onlinedepot eröffnen, das immerhin ein wenig günstiger ist als das herkömmliche. Direkt- und Filialbanken haben seit ein paar Jahren massive Konkurrenz durch Neo-Broker bekommen; die bieten meist nur Wertpapierhandel und keine Beratung, oft werden die Geschäfte auf dem Smartphone abgewickelt. Vor allem junge Leute nutzen diese Apps.

Die Kosten für jede Ausführung einer Rate,

die ebenfalls die Depotbank erhebt. Gerade Onlinebroker bieten die ETFs ihrer Kooperationspartner kostenlos an, aber eben meist nicht alle. Und dann ist mal eine fixe Gebühr pro Rate fällig, mal ein prozentualer Anteil an der Anlagesumme. Bei gemanagten Fonds fallen Ausgabeaufschläge an, die durchaus bis fünf Prozent des Kaufpreises betragen können. Viele Broker geben auch darauf bis zu 100 Prozent Rabatt.

Die laufenden Verwaltungskosten

(TER), die die Fondsgesellschaften jährlich für ihre Fonds oder ETFs verlangen. Sie fallen immer an, egal wo man sein Depot hat. Gemanagte Fonds verlangen meist höhere Gebühren, dafür sind oft die Kursschwankungen geringer. Für die günstigsten ETFs liegen die Kosten manchmal bei unter 0,1 Prozent.

Ja, das kann verwirren. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen. Vor allem auf lange Sicht: Je weniger Gebühren man für seinen Sparplan zahlt, desto größere Anlagesummen können vor sich hinarbeiten und sich vermehren. Aber allzu kompliziert muss man es sich dann auch wieder nicht machen: Wer bereits ein Depot bei einer Bank hat, kann nachsehen, welche Sparpläne es da kostenlos gibt. Oft sind schon attraktive Angebote dabei.

Wer noch kein Depot hat, kann zunächst seinen Wunsch-Sparplan suchen, checken, welche Direktbanken oder Onlinebroker ihn günstig anbieten, und dann dort sein Depot eröffnen. Online-Plattformen sind bei dieser Suche hilfreich, etwa justetf.com (für ETF-Sparpläne), de.extraetf.com (für ETF- und Aktiensparpläne sowie Robo-Advisors, also automatisierte digitale Vermögensverwaltungen), brokervergleich.de (für ETFs, Fonds, Aktien), www.test.de (riesige Fondsund ETF-Datenbank und Depotvergleich von "Finanztest"). Zum Teil lässt sich die Suche filtern, etwa nach sparplanfähigen oder VL-fähigen Fonds, nach nachhaltigen Anlagen und Sonderaktionen. Allerdings sind nicht auf jeder immer alle Depotanbieter aufgelistet.

Ein Beispiel:

Angenommen, Sie möchten mit einem Sparplan in den Index MSCI World investieren. Dann werden Sie feststellen, dass verschiedenen Gesellschaften dafür ETF-Sparpläne anbieten. Die von Amundi und Xtrackers gibt es dann etwa kostenlos bei der Consorsbank und bei Smartbroker, für den ETF von iShares bei Trade Republic und Scalable.

Grundsätzlich gelten die gleichen Anlageregeln, egal ob Sie einmalig investieren oder jeden Monat oder jedes Vierteljahr in einen Sparplan zahlen: Das Geld jahrelang liegen lassen, nicht wild hin und her handeln. Ruhe bewahren, wenn die Kurse mal runtergehen. Langfristig denken, auf die Gebühren achten, breit streuen. Ein Sparplan auf eine einzelne Aktie sollte nur einen kleinen Teil Ihrer Gesamtanlage ausmachen.

Für Sparpläne gibt es noch einen Psycho-Trick: Überweisen Sie die Rate gleich am Monatsanfang per Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto des Depots. Dann ist diese Summe schon mal weg und taucht in Ihrem mentalen Konto "Geld zum Ausgeben" gar nicht erst auf. Auch bei einer Gehaltserhöhung: am besten gleich die Hälfte in die regelmäßige Sparplanrate umlenken.

Und jetzt kann’s losgehen. Gute Freunde soll man schließlich nicht lang warten lassen.

Claudia Münster hatte immer einen Vertrag für Vermögenswirksame Leistungen. Und alle sieben Jahre ist es eine schöne Überraschung, wie viel sich angesammelt hat.

Depotanbieter für Sparpläne*

Onlinebroker/Direktbanken:

  • Comdirect (Mindestrate 25 Euro): 135 ETFs kostenlos, sonst 1,5 Prozent Gebühren pro Sparplanausführung für Aktien und ETFs.
  • ING (Mindestrate 1 Euro): 120 ETFs kostenlos. Sonst 1,75 Prozent pro Ausführung für Aktien und ETFs.
  • DKB (Mindestrate 50 Euro): 115 ETF-Aktionssparpläne für 0,49 Euro pro Ausführung, sonst 1,50 Euro.
  • S-Broker (Online-Broker der Sparkassen, Mindestrate 50 Euro): 115 ETFs kostenlos, sonst 2,5 Prozent der Sparplanrate für Aktien und ETFs.

* (Auswahl)

Neo-Broker:

  • Trade Republic (Mindestrate 10 Euro): 2500 Aktien-, 1500 ETF-Sparpläne gebührenfrei.
  • Smartbroker (Mindestrate 25 Euro, bei Aktien 125 Euro): 1440 Fondssparpläne und 280 ETFs kostenlos, ansonsten für ETFs und Aktien 0,2 Prozent pro Rate, mindestens aber 80 Cent. Negativzins, wenn das Guthaben auf dem Verrechnungskonto 15 Prozent des Depotwerts übersteigt.
  • Scalable Capital (Mindestrate 25 Euro): 580 ETFs kostenlos, ansonsten gestaffelte Preise: ein Sparplan kostenlos, jeder weitere 0,99 Euro pro Rate. Flatrate für alle Trades ab 2,99 Euro/Monat.

Wechselgeld-Spar-Apps – Der Rest geht ins Depot

Die Einkäufe eines normalen Tages:

Supermarkt 16,63 Euro. Coffee to go 2,70 Euro. Tankstelle 48,95 Euro. Wer jedes Mal mit Girokarte zahlt, in dessen ETF-Sparplan wandern für diesen Tag automatisch insgesamt 72 Cent. Nämlich die kleinen Beträge, mit denen jeweils auf den nächsten vollen Euro aufgerundet wird. Das niederländische Finanz-Start-up Peaks startete mit diesem Konzept 2019 auch in Deutschland und hat hier mittlerweile 15 000 Kunden. Noch nicht alle Banken bieten die Schnittstelle für die Wechselgeldfunktion, der Sparplan lässt sich aber auch klassisch mit regelmäßigen Raten füttern. Vier Aktien- und zwei Anleihen-ETFs (alle mit nachhaltigem Ansatz) werden variabel kombiniert, sodass Portfolios in vier Risikoprofilen von "Mild" bis "Feurig" entstehen. Kosten ab April: 0,99 Euro/Monat plus 0,5 Prozent des Durchschnittsinvestments pro Jahr. Infos: www.peaks.com

Einen ähnlichen Ansatz hat die App Rubarb,

die ein deutsches Team jetzt auf den Markt bringt: Aufrundungen, klassischer Sparplan oder Einmalzahlungen. Es gibt drei Portfolios, von "Relax" (nur Anleihen-) bis "Challenge" (nur Aktien-ETFs). Auch hier wird in nachhaltige ETFs investiert, außer den laufenden Kosten der ETFs fallen keine Gebühren an. Infos: rubarb.app

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BRIGITTE 06/2021 Brigitte

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