Frauen in Führungspositionen: „Hadern Frauen mit der Macht?“

Am 09. Oktober 2017 veranstaltete die BRIGITTE Academy in Zusammenarbeit mit der Hamburger Netzwerk- Plattform "Alsterloge" eine Podiumsdiskussion zum Thema Frauen in Führungspositionen

Die New York Times stellte kurz vor der Bundestagswahl fest: Eine Frau kann in Deutschland Kanzlerin werden, aber nicht CEO.

Traurig, aber wahr – Kürzlich veröffentlichte die AllBright Stiftung, dass im Jahr 2017 die Vorstände der in Deutschland börsennotierten Unternehmen zu 93 % aus Männern bestehen. Außerdem gibt es mehr Vorstandsmitglieder, die Michael oder Thomas heißen (49%), als es insgesamt Frauen in Führungspositionen gibt (46%). Diese alarmierenden Kennzahlen bieten Gesprächsstoff:

Ausschnitte aus Geschäftsberichten und Webseiten einiger Unternehmen, die keine Frauen im Vorstand haben (siehe AllBright-Bericht "Führung ohne Vielfalt?"), dokumentieren, dass selbst in den kommenden Jahren die zu erreichende Zielgröße von Frauen in den Vorständen bei Null liegen wird.
Warum ist das so? Warum werden Frauen in Führungspositionen oft nicht als strategisches Ziel anvisiert? Und was noch viel wichtiger ist: Kann dies wirklich eine Zukunftsvision sein?

Am 09. Oktober 2017 diskutierten Julia Jäkel, Gruner + Jahr-CEO, Monika Schulz-Strelow, Präsidentin FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V., Cawa Younosi, Personalleiter SAP Deutschland sowie Christian Berg, Geschäftsführer AllBright Stiftung diese Fragen bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Female Boss: Hadern Frauen mit der Macht?".

v.l.n.r.: BRIGITTE Academy-Leiterin Anna van Koetsveld, Monika Schulz-Strelow, Christian Berg, Julia Jäkel, Cawa Younosi und "Alsterloge"-Initiatorin Melanie Schütze



"Macht hat viel damit zu tun, Dinge anders zu machen. Mit Mut, aber auch mit Verantwortung", sagte Julia Jäkel. Und: "An Macht muss man sich gewöhnen. Aber irgendwann erkennt man auch, welche Möglichkeiten damit verbunden sind, welche Gestaltungsmacht sich dadurch in der Gesellschaft eröffnet." Frauen sollten sich trauen, Aufstiegschancen zu ergreifen, wenn sie sich böten. In der Politik funktioniere das besser als in der Wirtschaft, so Jäkel: "Wir leben in Zeiten, in denen junge Leute in Deutschland denken, das Grundwort für Kanzler sei weiblich."

Somit sind wir zumindest in der Politik einen entscheidenden Schritt weiter. Diese Unterschiede zwischen Politik und Wirtschaft bestätigte auch Monika Schulz-Strelow. Als Gründungsmitglied und Präsidentin des 2006 gegründeten Vereins "FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e.V." setzt sie sich für die nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Aufsichtsräten ein. Sie hatte am Bündnis der Berliner Erklärung mitgewirkt, das sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzt und das die so genannte Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten in Deutschland in Gang gesetzt hatte. Ihr Appell: Ein besseres Miteinander beginnt häufig bei den kleinen Dingen: „Meine Frage ist immer: Haben Sie sich heute schon positiv über eine Frau geäußert? Nein? Fangen Sie jetzt damit an.“ Es sollte selbstverständlicher sein, sich positiv über andere Frauen zu äußern.

Die Komfortzone verlassen, den Hut in den Ring werfen: Dazu ermuntert Cawa Younosi, Personalleiter SAP Deutschland, die 3.000 Frauen in seinem Unternehmen: "Jede Mitarbeiterin, die Führungskraft werden will und kann, soll zu mir kommen." Seine Leitfrage laute: Wie kann man Ungleichheiten ohne dogmatische Diskussionen durchsetzen? Dazu habe SAP normative Hindernisse abgebaut und unter anderem Stellen in Teilzeit ausgeschrieben oder Führung auf Zeit angeboten. "Man muss mit Methoden Hilfestellung geben, um Minderheiten zu Führung zu verhelfen", sagte Younosi, der zusätzlich die Themen Vielfalt und Inklusion verantwortet. 


"Frauen hadern nicht mit Macht, sondern mit Machtstrukturen", gab Christian Berg zu bedenken. Er ist Geschäftsführer der gemeinnützigen AllBright Stiftung, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der deutschen und der schwedischen Wirtschaft einsetzt. Firmen müssten mehr Unterstützung leisten und weibliche Kompetenzen anders werten und bestimmte Fähigkeiten entsprechend fördern. "Die Unternehmenskultur muss sich ändern", resümierte Berg. "Die Arbeitsatmosphäre ist ganz wichtig", bekräftigte auch Julia Jäkel: "Wie reden wir miteinander? Welche Sprache verwenden wir? Welche Witze werden gemacht? Kurz: Wie gehen wir miteinander um? Das sind zentrale Fragen, die Männer übrigens genauso wichtig finden wie Frauen."

Neben einer harmonischen Unternehmenskultur ist es nichtsdestotrotz unerlässlich, dass Frauen mit ihrer Arbeit auffallen: „Man braucht irgendwann Projekte, die man mit Dir assoziiert und die auf Dich aufmerksam machen“, gibt Julia Jäkel den Besucherinnen am Ende des Abends mit auf den Weg. „Frauen sollen sich nicht anpassen, aber sie müssen sich vorbereiten“, sagt sie.

Zusammengefasst konnten wir aus diesem Abend viele neue Erkenntnisse und lessons learnt mit nach Hause nehmen und sind uns sicher, dass dies bestimmt nicht die letzte Veranstaltung war, die wir in Zusammenarbeit mit der Hamburger Netzwerk-Plattform „Alsterloge“ durchführen werden.

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