Katharina Fegebank: "Jeder Fortschritt wurde von Frauen vor uns hart erkämpft."

Am 08.03.2018, dem Internationalen Frauentag, ist Katharina Fegebank unser Gast beim BRIGITTE Academy Meet-Up in Hamburg.

Wir freuen uns, Katharina Fegebank als Ehrengast bei unserem BRIGITTE Academy Meet-Up in Hamburg begrüßen zu dürfen. Im Vorfeld der Veranstaltung hat sie mit uns darüber gesprochen, wie ihr das Thema Netzwerken beruflich weitergeholfen hat und welche Baustellen es immernoch beim Thema "Gleichstellung für Frauen" gibt.

BRIGITTE Academy: Sie sind Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung & Gleichstellung. Wie hat Ihnen das Thema Netzwerken beruflich weitergeholfen und warum ist es gerade für Frauen wichtig, neue Kontakte zu knüpfen?
Katharina Fegebank: Mir hat der Austausch unter Frauen persönlich viel gebracht. Gerade am Anfang meiner politischen Laufbahn war es für mich prägend, dass Spitzenpolitikerinnen mich ansprachen und sagten: „Du hast Potenzial. Trau dich was! Trau dir was zu!“ Und ich versuche das heute weiterzugeben, indem ich selbst gezielt auf junge Frauen zugehe und sie ermutige.

Wichtig sind Frauennetzwerke aber nicht nur am Anfang des Berufslebens. Viele Frauen behalten ihre Selbstzweifel auch auf dem Weg zum Gipfel noch im Rucksack. „Werde ich den Erwartungen gerecht? Kann ich das überhaupt?“ Die meisten Frauen kennen diese Fragen. Und es muss auch kein Nachteil sein, sich kritisch zu hinterfragen. Im Gegenteil! Was wäre uns in der Geschichte der Menschheit erspart geblieben, wenn mancher Staatenlenker und mancher Prediger sich mal gefragt hätte, ob er nicht vielleicht falsch liegt?! Aber es ist eben auch wichtig, dass man vertraute Frauen mit ähnlichen Erfahrungen kennt, um sich gegenseitig zu bestärken und auch mal alberne Selbstzweifel aus dem Weg zu räumen.

Ich halte es für entscheidend, dass Netzwerke auch über das eigene direkte Arbeitsfeld hinausgehen. Ich suche zum Beispiel sehr gezielt den Austausch mit Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen, Medienschaffenden. „Old boys“-Netzwerke schlägt man am besten mit ihren eigenen Mitteln ein Schnippchen. Und natürlich sollten wir uns als Frauen auch gezielt in Netzwerke einbringen, die bisher von Männern dominiert werden. Gleichberechtigung bleibt ja ein gemeinsames Anliegen und eine gemeinsame Aufgabe für Frauen und Männer.

Am 08.03.2018 feiern wir den Internationalen Frauentag- Ein Tag, an dem wir darüber nachdenken, was sich für Frauen bereits gesellschaftlich und politisch verändert hat und wo es noch Baustellen gibt. In welchen Bereichen sehen Sie noch Verbesserungsbedarf und wie kann jede Frau einen Teil dazu beitragen, diese Lücken zu schließen?
Ich habe gerade den Film „Die Verlegerin“ gesehen, in dem die fantastische Meryl Streep die Rolle der Kay Graham verkörpert. Graham war die Verlegerin der Washington Post, die sich 1971 unter höchstem persönlichem und unternehmerischem Risiko entschied, die Pentagon-Geheimpapiere über den Vietnamkrieg zu veröffentlichen. Der Film arbeitet die Einsamkeit heraus, die subtilen bis offensichtlichen Erniedrigungen, mit denen es eine Frau wie Graham damals in einer solchen Position zu tun hatte.

Mich hat das sehr bewegt. Einerseits, weil deutlich wurde, dass sich doch manches deutlich verbessert hat. Andererseits, weil mir wieder einmal bewusst wurde, dass jeder einzelne Fortschritt von Frauen vor uns hart erkämpft wurde. Und gerade in einer Zeit, in der fundamentale Frauenrechte wie die körperliche Unversehrtheit und die menschliche Würde in vielen anderen Ländern stark unter Druck stehen, sind wir in der Verantwortung, diesen Kampf fortzusetzen. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. Auch die beruflichen Baustellen bleiben zahlreich. Ob sie in den Journalismus schauen, in die Wissenschaft, in Unternehmensvorstände – die gläserne Decke für Frauen ist immer noch sehr präsent - und gleicher Lohn für gleiche Arbeit oft weit entfernt. Wir kämpfen also immer noch den gleichen Kampf wie Kay Graham. Aber wir kämpfen ihn glücklicherweise nicht mehr allein. Wir sind mittlerweile einige. Und wir werden immer mehr. Machen wir was draus!

Was können Frauen tun, um sich gegenseitig mehr zu unterstützen?
In einem Wort: Solidarität. Solidarität beginnt damit, dass man nicht mit lacht, wenn über das Aussehen einer Kollegin gelästert wird, statt über den Inhalt ihrer Präsentation zu reden. Sie geht damit weiter, dass man sich bei eigenen Personalentscheidungen konkret darum bemüht, jungen Frauen eine Chance zu geben. Und ich wünsche mir auch Solidarität mit den Regeln, die uns zu unserem Recht verhelfen. Wir müssen uns manchmal selbstkritisch fragen, ob wir als Frauen einen Begriff wie „Quotenfrau“ nicht mindestens so häufig benutzen wie die Männer. Dabei leistet die Frauenquote in vielen Bereichen einen wichtigen Beitrag, um Türen für Frauen überhaupt erst aufzustoßen und die hundertprozentige Männerquote zu beenden. Mir hat die Quote auf meinem Berufsweg geholfen. Und ich bin ein Fan der Quote, weil sie nachweislich funktioniert.

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