„Nichts ist absurd an dem Gedanken, dass Drohnen uns Menschen von Flachdach zu Flachdach transportieren“

Manuela Rasthofer ist Tech-Gründerin mit zwei Zielen: Mit ihrer Firma das autonome Fliegen voranzubringen und andere Frauen zu ermutigen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wahren.

Manuela Rasthofer kündigte nach sieben Jahren ihre Festanstellung, weil sie das Potential einer Geschäftsidee erahnte. Mit zwei Mitgründern baute sie Terraloupe auf: Ein Unternehmen für digitale Luftbildanalyse, das mit Drohnen-Bildern und künstlicher Intelligenz digitale Modelle unserer Städte und Umwelt erarbeitet. Wie gefragt diese Daten tatsächlich sind, hätte Manuela Rasthofer sich nicht erdenken können. Sie erhält Anfragen von Marketing-Unternehmen, Ersthelfern in Krisengebieten – und hat selbst das Ziel, autonomes Fliegen in Deutschland voran zu bringen. Die Darboven IDEE-Förderpreisträgerin will Frauen motivieren, auch in der Tech-Branche zu gründen und sich dafür die nötige Unterstützung zu suchen – beispielsweise durch die Bewerbungen auf Unternehmerinnen-Preise. 

Liebe Frau Rasthofer, welches Problem lösen Sie mit Terraloupe?
Heute kennt jeder Google-Maps. Dort sehe ich mir wunderschöne 3 D-Welten an und verstehe sie, weil ich als Mensch das Gesehene interpretieren kann. Aber kein digitales Modell erkannte bisher von selbst, pb eine rechteckige Fläche ein Hinterhof, oder was ein Swimming-Pool ist oder wieviele Bäume in der Straße stehen. Und hier sehen wir unseren Mehrwert: Wir wollen durch Luftbildaufnahmen und einem Deep-Learning Algorithmus ein flächendeckendes, intelligentes und digitales Umweltmodell ermöglichen.

Wofür wird dieses digitale Umweltmodell benötigt?
Es ist eine riesengroße Geo-Search-Engine, mit der ich ganz viele Fragestellungen aus der Logistik um beispielsweise Lieferketten zu verfolgen, dem autonomen Fahren, von Versicherung, bis hin zu Marketing-Kampagnen lösen kann. Und das ist unsere Zielstellung: Endlich unsere Umwelt greifbar zu machen und in einer Form zu bringen, mit der man digital arbeiten.

Wie genau machen Sie das?
Wir nutzen hochaufgelöste Geo-Daten, meist aus der Luft von Satelliten oder Drohnen aufgenommen. Unserer künstlichen Intelligenz haben wir beigebracht, diese Bilder zu interpretieren. Damit sie mir nicht nur sagt, dass ich ein Dach vor mir habe, sondern auch welche Art von Dach das ist.

Das müssen Sie genauer erklären … 
Wir machen eine Muster-Erkennung mit unserer künstlichen Intelligenz. Das kann man sich so vorstellen: Als Kind haben wir erst in Bilderbüchern Pferde entdeckt, später auf Koppeln gesehen und wussten, wie das Tier von vorne, hinten und der Seite ausschaut. Deswegen würden wir auch ein Pferd erkennen, das vielleicht nur drei Beine hat. Und so funktioniert es auch mit der künstlichen Intelligenz: Wir markieren in 50-100.00 Bildern genau die Pixel des Objekts, bis das neuronale Netz eine gewisse Robustheit hat, um das Muster des Pferdes dauerhaft zu erkennbar. Es lernt, was das Muster des Pferdes ausmacht und kann es auf neuen Bildern automatisch erkennen. Es geht sogar soweit, dass das Netzwerk in Prozentzahlen sagt, wie sicher es sich ist, dass es ein Pferd erkennt. Und das ist natürlich richtig spannend, weil in wichtigen Fällen von Unsicherheiten einfach manuell noch einmal draufgeschaut werden kann. 

Um Ihre Geschäftsidee umzusetzen, haben Sie Ihre Festanstellung gekündigt und sich gemeinsam mit ihren beiden Mitgründern selbstständig gemacht. Wie fühlte sich dieser Schritt an?  
Ich habe schon in meiner Zeit als Angestellte im Unternehmen an digitalen Simulationen aus Luftbildern gearbeitet. Dabei entstand die Grundidee zu digitalen Umwelt-Modell – anstatt von Simulationen. Zu dem Zeitpunkt vor vier Jahren war die Technik noch brandneu und mir war klar, dass jetzt die Chance da ist.

Welche Firmen oder Kunden brauchen diese Informationen? 
Ich werde von vielen Firmen angefragt, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Zum Beispiel fragte jetzt eine Firma, die diese Rasenmäher-Roboter baut, ob wir denen sagen können, wo sich Grünflächen in Städten befinden, damit sie gezielteres Marketing machen können. Aber es gibt auch viele soziale Themen: Wir können Flüchtlingslager kartografieren um herauszufinden, wie viele Zelte eigentlich aufgebaut sind. Oder nach großen Katastrophen können wir Ersthelfern zeigen, wo die schlimmsten Zerstörungen sind. 

In welche Richtung fokussieren Sie sich mit Terraloupe?
Unser Fokus liegt auf autonomer Mobilität, also alles rund um das autonome Fahren und Fliegen. Für mich wird vor allem das Drohnen-Segment noch sehr unterschätzt. Man sieht zwar vereinzelt schon Paket-Drohnen fliegen, aber dass wir Menschen durch die Luft befördert werden können, wird noch zu wenig bedacht. Ich würde vermuten, dass diese Entwicklung in die Mega-Metropolen noch vor dem autonomen Fahren kommt. Wir fliegen seit hunderten Jahren, die Luft ist super sicher und von Flachdach zu Flachdach transportiert zu werden ist gar kein Problem. Wenn ich mir Städte wie Rio de Janeiro oder Delhi angucke dann ist es völlig unmöglich, dass da überhaupt nur ein autonomes Auto fahren wird. Aber auch die Drohne brauch natürlich ein gutes 3D-Modell der Umgebung um zu wissen, wo sie landen und langfliegen kann, wo ist ein Baum. Daher kommt unser Fokus auf die autonome Mobilität.

Welche Grenzen setzt Ihnen der Datenschutz?
Weil wir nur an statischen Objekten interessiert sind, verletzen wir keinerlei Persönlichkeitsrechte. Wenn jetzt auf hochauflösenden Bildern Personen oder Nummernschilder erkennen würden, rechnen wir die raus. Meiner Meinung sind die Daten, die wir jeden Tag über unser Smartphone versenden, wesentlich kritischer zu sehen. 

Hatten Sie vorher den Wunsch, sich selbstständig zu machen? 
Ich hatte es nie geplant, mich selbstständig zu machen. Deshalb mache ich gerne auch den Frauen Mut, die sich im Leben mit dieser Idee eigentlich noch nie beschäftigt haben. Manchmal kommt einfach spontan die Chance oder richtige Idee.

Woher wussten Sie, wie man ein Unternehmen gründet?
Bei uns in Bayern gibt es BayStartUp, ein bayerische Startup-Netzwerk, das es so ähnlich aber auch in den anderen Bundesländern gibt. Die haben uns sehr geholfen, einen valide Businessplan zu schreiben, Brainstormings zu potentiellen Kunden zu machen und uns an Netzwerke vermittelt. Auch viele Banken unterstützen inzwischen Start-Ups und innerhalb der Gründer-Szene gibt es natürlich auch viele Info-Angebote. Ich würde solche Angebote im Nachhinein auch noch mehr in Anspruch nehmen, als wir es gemacht haben. 

Das Schreiben eines Business-Plans schreckt viele Gründer ab…
Ich war zu Beginn ein totaler Gegner davon, einen Business-Plan zu schreiben weil ich dachte, ich müsse doch nicht extra alles zu Papier bringen, was ich eh schon im Kopf habe. Ich würds heute aber immer wieder machen, weil man die Idee beim Aufschreiben anders durchdenkt. Es fielen mir total viele Sachen auf, die ich bis dahin vergessen hatte.

Hätten Sie auch alleine gegründet?
Um ganz ehrlich zu sein: nein. Und da glaube ich, dass das ein typisch weibliches Thema ist. Viele trauen sich eine Gründung einfach nicht zu. Mit der Erfahrung dich ich jetzt habe, würde ich heute auch alleine gründen. 

Welche Tipps haben Sie für andere Gründer-Teams?
Einigen Sie sich vorab auf gemeinsame Werte und bringen Sie diese unbedingt anhand von Beispielen auf Papier. Wir hatten im Gründungsteam auch besprochen welches Firmenumfeld wir generieren wollen, was unsere Mitarbeiter können und dürfen sollen – aber wir haben es nicht ausführlich niedergeschrieben. Im Laufe der Zeit hat sich dann herausgestellt, dass jeder eine eigene Definition von den gleichen Begriffen hat. Wenn wir sagen, dass unsere Mitarbeiter maximal viel Freiheit haben sollen – was heißt denn das? Da können die Auslegungen sehr weit auseinander liegen. 

Wie sind Sie auf die gekommen, sich für einen Förderpreis wie den Darboven IDEE-Förderpreis zu bewerben?
Mein Mitgründer hat mich auf die Idee gebracht und ich habe mich tatsächlich zweimal beworben. Beim ersten Versuch waren wir noch sehr jung, hatten gerade erst gegründet und da es fehlten noch viele Infos wie ein erweitertes Geschäftsmodell oder ein Plan, wie wir genau agieren wollen. Beim zweiten Versuch hats dann geklappt.

Hat der Preis bei Ihnen im Unternehmen was verändert?
Das eine ist natürlich die entstandene Publicity, die auch einige Kunden auf uns aufmerksam gemacht hat. Auch die Netzwerk-Veranstaltungen die wir jetzt im Nachgang erst absolviert haben, haben uns sehr geholfen. Der Preis selbst hat mir einfach einen Rückhalt gegeben, weil es zeigt, dass auch andere an uns glauben. Aber auch finanziell hilft der Preis einem Start-Up ordentlich weiter. 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Rasthofer.

Gesucht: Mutige Frauen mit Unternehmergeist! Letzte Chance sich für den Darboven IDEE-Förderpreis 2019 zu bewerben.
Noch bis einschließlich 31. Juli 2019 können Interessierte den Bewerbungsbogen herunterladen und ihre Geschäftsidee für die Expertenjury aufbereiten. Teilnahmeberechtigt sind Existenzgründerinnen und Jungunternehmerinnen, die nicht länger als drei Jahre selbstständig sind. Insgesamt werden drei innovative Geschäftsideen ausgezeichnet, deren Konzepte tragfähig sind und Arbeitsplätze schaffen. Zusätzlich muss die Gründungsidee eindeutig auf die Bewerberin zurückzuführen sein. Die Gewinnerin des ersten Platzes kann sich über 50.000€, die des zweiten über 10.000€ und die des dritten über 5.000€ freuen. Die Bewerbungsunterlagen können unter dem oben stehenden Link heruntergeladen werden.

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