"Wer gründen will, muss einfach machen!"

Victoria Engelhardt ist 29 Jahre jung, Co-Gründerin und CEO von Keleya – einer App, die werdende Mütter durch die Schwangerschaft begleitet und mit personalisierten Ernährungstipps, Yogaübungen und Meditationsanleitungen unterstützt. Mit über 100.000 Downloads ist Keleya die erfolgreichste Schwangerschafts-Anwendung im App-Store. Im Interview erzählt Victoria, wie sie das Unternehmen vor knapp zwei Jahren aufgebaut hat und welchen Herausforderungen sie sich seitdem stellen muss.

Was ist das Konzept der Keleya-App?

Wir sind als digitales Ernährungs- und Fitnessprogramm für Schwangere gestartet. Unser Content bestand überwiegend aus Videos, nach deren Anleitung man verschiedene Workouts, Yoga-Übungen und Meditationen praktizieren kann sowie maßgeschneiderte Rezepte bekommt, die für die Schwangerschaft geeignet sind. Heute bieten wir unseren Userinnen eine gesundheitliche Rundumberatung an, zu der auch ein Geburtsvorbereitungskurs und ein Symptom-Tracker zählen.

Was ist ein Symptom-Tracker?

Das ist eine künstliche Intelligenz, die dir auf Basis deiner Symptome, zum Beispiel Übelkeit, Wassereinlagerungen oder Eisenmangel, bestimmte Ernährungs-, Bewegungs- und Entspannungstipps anzeigt. Die Vorschläge richten sich darüber hinaus auch nach deinem Fitnesslevel und deinen Ernährungspräferenzen, sodass der Content, den du siehst, perfekt für dich zugeschnitten ist. 

Woher kam die Idee für die App?

Ich hatte damals eine schwangere Freundin, die sich immer darüber beschwert hat, wie schwierig es sei, eine gute Hebamme zu finden, weil es gerade in Großstädten immer zu wenige gibt. Außerdem bemängelte sie, dass man angesichts der Informationsflut im Netz, kaum unterscheiden könne, welche Artikel sachlich recherchiert und welche reine Panikmache sind. Damit war die Grundidee für Keleya geboren. Seitdem hat sich das Konzept aber stetig weiterentwickelt, weil die App immer intelligenter wird und von ihren Nutzern lernt.

Kann die App eine Hebamme ersetzen?

Auf keinen Fall! Das ist uns auch immer sehr wichtig zu betonen. Wir verstehen uns eher als verlängerten Arm der Hebammen. Wir arbeiten intensiv und kooperativ mit verschiedensten Hebammen zusammen, um in einer Linie mit deren gängigen Praktiken zu sein.

Wie kommt die App bei Medizinern an?

Die meisten Ärzte und Hebammen sind unserem Konzept gegenüber sehr positiv eingestellt. Vor allem die jüngere, digital affinere Generation findet die App super als Ergänzung zu den regulären Arzt- und Hebammenbesuchen. Bei den Krankenkassen sind wir schon soweit, dass einige die Kosten für den digitalen Geburtsvorbereitungskurs erstatten.

Nun mal zu dir: Wolltest du schon immer dein eigenes Unternehmen gründen?

Mit fünfzehn wollte ich noch Vorstandsvorsitzende von Porsche werden. Ich war also schon immer recht ambitioniert (lacht). Ich habe mich dann zunächst für ein klassisches BWL-Studium entschieden und im Anschluss für zwei verschiedene Start-Ups gearbeitet. Danach war ich zwei Jahre lang als Unternehmensberaterin im Gesundheitssektor tätig. Nebenbei habe ich eine Ausbildung zur Yogalehrerin begonnen. So habe ich mich immer mehr mit den Themen Gesundheit und Sport auseinandergesetzt, was eine wichtige Voraussetzung für die Gründung war.

Was waren und sind die größten Herausforderungen für dich als Unternehmerin?

Das ganze Thema Personalverantwortung war für mich am Anfang völlig neu und auch ein bisschen beängstigend. Du bist plötzlich dafür verantwortlich, dass andere Menschen Gehälter verdienen mit einem Produkt, das sich erst noch profilieren muss. Da fällt das Dauergrinsen manchmal schwer. Generell erlebst du als Unternehmerin sehr viel mehr Hochs und Tiefs als im Angestelltenverhältnis. Aber das macht es auch gerade spannend!

Was ist dir als Führungsperson besonders wichtig?

Mir ist das Feedback von meinen Mitarbeitern extrem wichtig. Deshalb gibt es bei uns einmal im Monat ein One-in-One-Feedback, bei dem sowohl ich als auch meine Mitarbeiter darüber sprechen können, was uns gerade auf dem Herzen liegt. Generell investiere ich, glaube ich, sehr viel in die Themen Arbeitskultur und Teamentwicklung. Außerdem tausche ich mich auch gerne mit anderen Gründer-Kollegen aus. Dafür ist es super, in einem Coworking-Space zu arbeiten, in dem ganz viele unterschiedliche Start-Ups ihre Büros angesiedelt haben. 

Nervt dich das Thema Schwangerschaft manchmal?

(Lacht) Schwangerschaft ist ein extrem komplexes Thema, insofern nervt mich das Thema noch nicht! Tatsächlich bin ich in unsere Inhalten immer noch sehr stark involviert und lese auch nach wie vor viel Fachliteratur. Sicher bekommt das Thema auch nochmal eine ganz neue Relevanz, wenn ich selber Mutter werde.

Vermisst du hin und wieder das Angestellten-Verhältnis?

Ganz ehrlich? Ich glaube, ich wäre mittlerweile eine furchtbare Mitarbeiterin (lacht). Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, selbst alle Entscheidungen treffen zu können. Vor meiner Selbstständigkeit habe ich immer projektbezogen gearbeitet und somit bestimmt fünfzehn verschiedene Chefs gehabt. Daraus lernt man sehr viel – auch wie man selber nicht sein möchte!

Gibt es etwas, das weibliche Führungskräfte besonders gut können?

Eigentlich halte ich nicht viel von diesen Gendering-Diskussionen. Ich glaube, dass Frauen und Männer viel voneinander lernen können, wenn sie dafür offen sind. Was allerdings auffällt, ist, dass Frauen deutlich öfter als Männer im sozialen Bereich gründen, eventuell weil uns Aufgaben liegen, die mit Empathie zu tun haben.  Ein Feedback, das ich von Investorenseite häufig bekomme ist, dass Frauen ihre Firmen besser im Griff haben, weil sie viel Wert auf offene Kritik und Mitarbeiterzufriedenheit legen.

Hast du bestimmte Pläne für die Zukunft? 

Mit Keleya planen wir gerade ein Beratungsangebot für frisch gebackene Mütter zu entwickeln, also Tipps rund um die Themen Rückbildung und Stillzeit zu geben. Ich selber will in erster Linie immer weiter dazulernen und mich noch mehr für das Thema Female Entrepreneuship einsetzen. Es gibt leider immer noch viel zu wenige Frauen, die den Mut aufbringen, selber zu gründen. 

Was ist der wichtigste Tipp, den du Frauen geben kannst, die überlegen, ein Unternehmen zu gründen?

Ganz klar: einfach machen! Wir Frauen machen uns einfach immer zu viele Gedanken darüber, was alles schief gehen könnte. Solche Ängste muss man beim Gründen einfach ein Stück weit ausblenden. Besser: so früh wie möglich mit seiner Idee auf den Markt gehen und Feedback von Kunden einholen. Die entscheiden nämlich am Ende darüber, ob man Erfolg hat.

 

Wer hier schreibt:

Susanne Brand

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