Christoph Laudon von HYDROPHIL: „Wir sind nicht mehr die Spinner mit der Bambuszahnbürste!“

2013 gründete Christoph Laudon mit zwei Freunden das Unternehmen HYDROPHIL. Sie brachten in Deutschland die ersten selbst produzierten Bambus-Zahnbürsten auf den Markt – und mussten dafür eine Menge Unverständnis einstecken. Inzwischen verkaufen die Pioniere europaweit eine komplette Produktpalette fürs Badezimmer. Ihre Vision: wasserneutrale, vegane und faire Produkte herstellen und die Welt von morgen ein bisschen schöner und grüner zu gestalten. Christoph erklärt brigitte.de, wie man als Wegbereiter einer neuen Idee durchhält und welche Verantwortung er trägt.

Christoph, wieso habt ihr HYDROPHIL gegründet?
Unser Ziel war, durch Alltagsprodukte Aufmerksamkeit auf das Thema Wasserverbrauch zu lenken. Wasser ist für uns ein Thema, das auf jeden Lebensbereich anwendbar ist: Es spielt kulturell, sozial, wirtschaftlich und umwelttechnisch eine riesige Rolle. Und man kann an dem Verhältnis von Menschen zu Wasser ganz viel ablesen: Wer hat Zugang zu Wasser, wo ist das Wasser, was kostet es, wem gehört es, welche Qualität hat das Wasser? Der Begriff Hydrophil bedeutet „wasserliebend“, der perfekte Name fürs Unternehmen. 

Wieso entwickeltet ihr eine Bambus-Zahnbürste?
Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff, der viel mehr CO2 bindet als Bäume. Zahnbürsten sind ein einfaches Manufakturprodukt und ein Türöffner: Jemand entdeckt im Badezimmer von Freunden unsere Zahnbürste, fragt nach, erfährt die Geschichte dahinter und beginnt, sich auch Gedanken zu machen.

Welche Reaktionen gab es zu Beginn auf die Zahnbürste?
Wir wurden sehr viel belächelt, weil die Leute es abwegig fanden, sich Holz in den Mund zu stecken und so die Zähne zu putzen. Bei den Erstkontakten dachten einige, wir sind Hippies, die im Wald leben und jetzt Zahnbürsten verkaufen. Selbst auf den ersten Bio-Fachmessen mussten wir erklären, wieso man überhaupt eine Bambus-Zahnbürste kaufen sollte. Die Notwendigkeit wurde gar nicht erkannt. 

Wie lässt man sich von solchen Reaktionen nicht entmutigen?
Wir haben nicht gegründet, um Geld zu verdienen, sondern weil wir Lust hatten, das Konzept von einem wasserneutralen Unternehmen auszuprobieren. Zu Beginn haben wir alle noch in anderen Jobs gearbeitet, ich war unser erster Festangestellter. Unser Ziel war, mit den Gewinnen einmal im Jahr zusammen Urlaub im Wendland zu machen. Niemand hätte damals gedacht, dass wir ein Unternehmen mit 25 Festangestellten werden. 

Wie verkauft ihr eure Produkte?
Wir hatten seit Beginn unseren eigenen Onlineshop und haben am Anfang im veganen Fachhandel verkauft. Inzwischen gibt es uns auch in Supermärkten und Drogerien. Budni und Manufaktum haben uns als erste in ihrem Sortiment gelistet. Das war der Moment, ab dem wir im Handel anders wahrgenommen wurden. 

Was hat sich für euch verändert, seitdem Nachhaltigkeit Trend ist?
Der Markt ist massiv größer geworden und das ist auch für uns toll, weil wir keine Nische mehr sind. Und in der Außenwirkung sind wir nicht mehr die Spinner mit der Bambuszahnbürste, das ist wirklich auch ganz angenehm. Wir müssen uns nicht mehr erklären. Aber dadurch, dass Nachhaltigkeit ein wirtschaftlich relevanter Bereich ist, sind natürlich viele Mitbewerber dazu gekommen. Das freut mich zum einen total, zum anderen finde ich es manchmal schwierig. Denn einigen Unternehmen ist die eigentliche Idee hinter der Bambuszahnbürste egal, sie produzieren sie einfach.

Und verkaufen die Produkte wesentlich günstiger als eure …
Es gibt Gründe, weshalb wir keine Discounter-Preise haben: Wir haben keinen Millionen-Investoren, zahlen in der ganzen Produktionskette faire Löhne und spenden 10 Prozent unserer Gewinne an Viva con Agua, das ist eine Organisation, die sich für den weltweiten menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt. Unser Endkunde am Regal versteht aber nicht immer, welch ein riesiger Apparat hinter unseren Produkten steht.

Was wird denn einfacher, wenn man als nachhaltiges Unternehmen größer und erfolgreicher ist?
Wir haben inzwischen ein super Team, das viel alleine entscheiden kann. So müssen wir drei Gründer nicht mehr in allen Prozessen involviert sein. Letztes und dieses Jahr konnte ich mir auch mal 3 Wochen Urlaub am Stück nehmen. Viele Prozesse sind jetzt professionalisiert, auch unsere Produktionsmaschinen. Aber manche Probleme bleiben: Beispielsweise hatten wir letztes Jahr in unserem Bambus-Anbaugebiet einen viel zu heißen Sommer und der Winter war zu verregnet. Die Ernte war schlecht, wir hatten viel zu wenig Bambus. In unseren Gründungsjahren hätte ich deshalb zwei schlaflose Wochen gehabt. Aber wir haben uns auch alle persönlich weiterentwickelt und gehen nun entspannter mit solchen Situationen um. 

Hat sich in eurer ursprünglichen Mission oder Vision etwas verändert?
Unsere Vision hat sich seit der Gründung nicht stark verändert. Wir wollen eine Plattform bieten für Themen, die uns wichtig sind. Wir wollen den Leuten nicht sagen, was sie schlecht machen, sondern was sie schon gut machen. Unsere Produkte sind sehr gewohnheitsverträglich, man muss sich nicht viel umstellen. Die Inhalte haben sich aber ein bisschen verschoben: Uns war zu Beginn nur wichtig, Produkte ohne Erdöl und Plastik zu produzieren, weil beides nicht in Meeren und im Grundwasser landen soll. Dieser Fokus hat sich auch durch die Außenwahrnehmung und dem Wunsch der Kunden nach weniger Plastik geändert. Hintenrum zahlen die Themen ja trotzdem aufeinander ein. 

Um wirklich noch etwas gegen den Klimawandel bewegen zu können, müssen wir alle gemeinsame Sachen machen. Wie siehst du das als Unternehmer?
Es gibt nachhaltige Unternehmensverbände wie „dasselbe in grün“ und „unternehmensgrün“ die schon ganz viel machen. Trotzdem wäre es sinnvoll, wenn wir gewachsenen nachhaltigen Unternehmen uns mehr vernetzen. Um zu klären, wie wir unsere Unternehmen zu einem langfristigen Modell kriegen, das über Jahre bestehen kann. Denn im Endeffekt machen wir alle die gleichen Fehler, und das muss ja eigentlich nicht sein. Da sehe ich aber auch nicht die Politik in der Verantwortung, sondern uns selbst in der Pflicht. 

Danke für das Gespräch, Christoph!

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