Daniel Hoch: Wieso neigen wir dazu, Dinge aufzuschieben?

Erledigungen vor sich herschieben, unangenehme Dinge hinauszögern oder große Projekte vertagen – kommt dir das bekannt vor? Wie kommen wir aus diesem Kreislauf heraus und packen die Dinge einfach mal beim Schopf? Coach und Autor Daniel Hoch verrät es uns.

Der Autor, Berater und Key-Note-Speaker Daniel Hoch bietet Vorträge und Persönlichkeitscoachings zu unterschiedlichsten Themen an, bei denen man sich selbst stellen muss. Einst war er Bier-Brauer, bereiste nach seiner Ausbildung beruflich fünf Jahre lang die Welt und hat bewiesen: Er lässt sich im Leben weder von einer Malaria noch von anderen „Anekdoten“ aufhalten. Seinen Zuhörern gibt er Erfolgsrezepte für den Beruf und das Privatleben zur besseren Selbstorganisation oder zu Kommunikationsgeheimnissen an die Hand. 

Herr Hoch, Sie nennen dieses Phänomen liebevoll „Aufschieberitis“ und bieten Impulsvorträge und Workshops zum Thema an. Was verstehen Sie eigentlich genau unter Aufschieberitis?

Ich finde das Wort „Aufschieberitis“ sehr treffend, da es sich aus „Aufschieben“ und „Krankheit“ zusammensetzt, denn „-tis“ bedeutet so viel wie Entzündung. Aufschieberitis ist also eine allgemeine Volkskrankheit. Wir zögern psychologisch motiviert gern unliebsame Dinge hinaus und vertagen sie immer wieder auf morgen. Dabei haben wir gute Ausreden parat und gehen lieber den bequemen Weg, um Herausforderungen zu meiden.

Wieso neigen wir dazu, Dinge aufzuschieben?

Weil wir immer wieder in die sogenannte „5 vor 12 Falle“ hineinrutschen und auf den letzten Drücker ja doch irgendwie zum Ziel kommen. Unser Gehirn ist auf Kurzfristigkeit ausgelegt. Das heißt, wir erledigen lieber kleine Dinge, da die To-Do Liste dann schneller abgearbeitet wirkt und wir das Gefühl bekommen, etwas geschafft zu haben. Dabei geht dann leider so viel Energie verloren, dass wir für größere Aufgaben keine Kraft mehr haben. Das Problem ist eben, dass wir leider effizienzgetrieben sind anstatt effektivitätsgetrieben. Plötzlich werden sogar die unbequemen Dinge wie Putzen bequem, weil sie nicht ganz so unbequem sind, wie die großen Aufgaben.

Was hat Sie dazu inspiriert in Ihren Vorträgen und Workshops das Thema Aufschieberitis zu thematisieren? Haben Sie etwa selbst oft das Problem?

Das Thema hat mich schon in meiner Jugend einmal beschäftigt, als ich mich gefragt habe, warum ich manche Dinge immer vertage, obwohl ich weiß, dass sie mir etwas bringen – sprich: obwohl mir etwas Positives bevorsteht, verwehre ich mir den Weg dorthin. Als junger Mensch habe ich es dann aber wieder aus den Augen verloren und bin erst in meinem Job als Persönlichkeitscoach wieder darauf gestoßen. Dort habe ich immer wieder Menschen beobachtet, die kurz vor ihrem Erfolg aufgegeben haben, indem sie prokrastinierten. Deshalb wollte ich ihre Gründe erforschen. 

Was genau hat die Psyche mit dem Ganzen zu tun?

Die Psyche ist der entscheidende und einzige Faktor beim Aufschieben. Das Problem ist nämlich nicht das Aufschieben selbst, sondern die Konsequenzen, die daraus entstehen. Außerdem haben wir dadurch zu viele Gedanken im Kopf und können uns nicht mehr auf das konzentrieren, was wir in diesem Moment gerade tun. Mein Rat: Wer erfolgreich sein will, muss auch erfolgreich denken. Wenn also meine Psyche nicht auf Produktivität und Effektivität programmiert ist, sondern auf Effizienz, dann werde ich nie die großen Dinge erledigen. Man muss sich also seine eigenen Prinzipien schaffen und sich an diese halten.

Wie kann man seinen Alltag strukturierter planen? Haben Sie für sich ein Erfolgsrezept?

Ein einfaches Erfolgsrezept gibt es leider nicht. Ich muss sehr individuell gucken, wie ich meinen Alltag besser strukturieren kann und was ich erreichen will. Mein Tipp ist, sich die erste Stunde des Tages mit den unbequemen, großen Erledigungen zu beschäftigen, um dann den restlichen Tag Zeit für alles andere zu haben. Ein anderes Prinzip ist die „Goldene Stunde“, was bedeutet, dass man sich eine Stunde am Tag mit den Dingen beschäftigt, die einen wirklich weiterbringen. Manchmal kann diese Stunde auch kürzer ausfallen und man kann sich fragen, was man in fünf Minuten tun kann, um in einem Jahr erfolgreicher zu sein.

Wie kann man sich selbst besser disziplinieren?

Wir sollten uns nicht darauf fokussieren einen perfekten Plan zu haben, sondern mögliche Störfaktoren und Ausreden zu eliminieren. Die Frage lautet also: Wie trickse ich mich selbst am besten aus? Ich nutze das persönliche Ziel meiner Kunden, wie zum Beispiel mehr Sport zu treiben, um ihnen Disziplin beizubringen. Die Eigenschaft auszubilden ist besser als das Ergebnis, weil man mit der Eigenschaft in allen Lebensbereichen mehr Erfolg erreicht.

Sie schreiben auf Ihrer Website von einer Bucket List - was verbirgt sich dahinter?

Die Bucket List ist die Liste mit Dingen, die man gemacht haben möchte, bevor man den Löffel abgibt. Hierbei geht es um Träume, die man in kleine Ziele herunterbrechen kann, um sich mindestens ein Mal in der Woche um das persönliche Lebensziel zu kümmern. Beispielsweise möchte ich eine Weltreise machen und überlege mir dann immer mal wieder, welche Länder ich erkunden möchte und wie meine Route aussehen soll. Bei der Bucket List geht es einfach mal um eigene Interessen und nicht um Dinge, die man beruflich tun muss.

Besseres Zeitmanagement – ein viel diskutiertes Thema und doch so schwierig zu realisieren. Welche Tipps geben Sie Ihren Zuhörerinnen?

Die Zeit können wir nicht managen, wir können nur uns selbst managen. Wichtig ist es deshalb, seine Zeit richtig zu nutzen und seine Aufgaben zu priorisieren. Meine Empfehlung an jeden ist: Es geht nicht darum nie wieder Dinge aufzuschieben, sondern bewusst und proaktiv entweder Dinge aufzuschieben oder Dinge zu tun. Dabei müssen wir vor allem darauf achten, nicht immer nur die dringenden Dinge zu erledigen, sondern auch endlich mal die wichtigen anzugehen. Wir werden nämlich immer Dinge schieben und immer mehrere Sachen auf der Agenda haben, sodass wir gar nicht alles sofort tun können. Deshalb müssen wir in dem Moment entscheiden, was wir jetzt tun sollten und was wir schieben können. 

Wer hier schreibt:

Rabea Sobolewski
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