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Die besten Arbeitgeber für Frauen 2022 Eltern-Policy ermöglicht mehr Care-Arbeit für Väter

Die besten Arbeitgeber für Frauen 2022: Lan Anh Salzer und Sven Ophey
Neue Wege Lan Anh Salzer und Sven Ophey half die "Eltern Policy", die Sorgearbeit in ihren Familien fairer zu verteilen.
© Petra Stockhausen
Vodafone stockt das Elterngeld auf. Die Babypausen der Väter wurden seither deutlich länger.

Montags bleibt das Homeoffice von Sven Ophey in seinem Haus im Rheinland leer. Stattdessen frühstückt er mit seiner Tochter, geht zum Babyschwimmen oder räumt auf. Von Dienstag bis Freitag arbeitet der 36-Jährige als Teamleiter beim Telekommunikationskonzern Vodafone, montags ist er ausschließlich Papa. Nach vier Monaten Babypause arbeitet er jetzt ein halbes Jahr in Elternteilzeit, zum vollen Gehalt. Möglich macht das die "Eltern-Policy" von Vodafone, die sich explizit auch an Väter richtet. "Die Regelung hilft total dabei, sich die Arbeit zu Hause frier aufzuteilen", findet Ophey.

Die "Eltern-Policy" für mehr Elternzeit unter Vätern

Im Herbst 2021 ist der Betriebswirt zum ersten Mal Vater geworden. "Für mich war die Frage damals nicht, ob ich in Elternzeit gehe, sondern nur, wie lange", sagt er. Die Situation, in der seine Frau und er sich damals befanden, kennen viele Paare: Sie hatten kürzlich geheiratet und ein Haus gekauft, also hohe Ausgaben. Und er verdiente mehr als sie. Typische Gründe, weshalb viele Väter maximal zwei Monate Elternzeit nehmen – und in Familien die klassische Rollenverteilung Einzug hält. "Wahrscheinlich wäre es bei mir auch auf die zwei Monate hinausgelaufen", sagt Ophey.

Mit der "Eltern-Policy" will Vodafone diesem Phänomen entgegenwirken. Für Eltern, die bis zu vier Monate im Job pausieren, wird das staatliche Elterngeld aufgestockt: Sie erhalten die Differenz zwischen der monatlichen Elterngeldsumme und dem Nettogehalt. Zudem können Eltern, die im ersten Lebensjahr ihres Babys in den Job zurückkehren, ihre Arbeitszeit für ein halbes Jahr bei vollem Gehalt um bis zu 25 Prozent reduzieren.

Seit es die Regelung gibt, bleiben die Väter bei Vodafone im Schnitt fünf Monate zu Hause.

Für Erdmute Thalmann, Managerin für Diversity und Worklife bei Vodafone, ist das ein Signal an alle Eltern: "Wir sehen, dass Mütter tendenziell früher an den Arbeitsplatz zurückkehren, wenn Väter länger in Elternzeit gehen." Und tatsächlich: Seit es die Regelung gibt, bleiben die Väter bei Vodafone im Schnitt fünf Monate zu Hause. "Wenn wir Väter unterstützen", ist Thälmann überzeugt, "unterstützen wir damit auch Mütter." 

Es muss kein "entweder-oder" sein

Lan Anh Salzer, Betriebswirtin, hat zwei Söhne. Sieben Monate nach der Geburt des ersten kehrte sie mit 30 Wochenstunden bei vollem Gehalt zurück in den Job. Gut zwei Jahre später, nach ihrer zweiten Elternzeit, wurde die 33-Jährige befördert – und führt seither als Abteilungsleiterin in Vollzeit vertretungsweise zwölf Mitarbeitende. Bald kehrt die Kollegin, die davor diesen Job machte, selbst aus der Elternzeit zurück. Dann teilen sie sich als Tandem die Führungsposition. "Ich freue mich darauf, mehr Zeit für mich zu haben und meine Stelle trotzdem nicht aufgeben zu müssen", sagt Salzer.

Ganz auflösen kann Vodafone eher traditionelle Rollenmodelle damit freilich nicht. So nahm Salzers Mann nur zwei Monate Elternzeit – auch weil sein Arbeitgeber keine "Eltern-Policy" anbietet. Sven Ophey und seine Frau haben gemeinsam entschieden, dass sie in ihrem Job als Mediaberaterin insgesamt zwei Jahre pausiert. Dennoch: Er verbringt heute mehr Zeit mit seiner Tochter als viele andere Väter, er weiß, was Sorgearbeit bedeutet – und kann sich gut vorstellen, auch künftig in Teilzeit zu arbeiten: "Die Zeit mit einem kleinen Kind kommt nie mehr zurück."

Brigitte

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