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Gender Pay Gap: Redet über euer Gehalt!

Equal Pay Day: Redet miteinander - Teamgespräch
© fizkes / Shutterstock
Wir müssen öfter und offener über unsere Gehälter sprechen - denn nur so bekommen wir mit, wie groß unsere Gehaltslücken sind.

BRIGITTE-Redakteurin Liske Jaax würde gern mehr über ihr Gehalt sprechen. Doch leider macht meist kaum jemand mit.

Eigentlich dachte ich immer, meine Generation - ich bin 31- sei offen. Wir sprechen über Therapiesitzungen, diskutieren darüber, wie wir zur Gleichberechtigung beitragen, und finden es spannend, wenn Max jetzt als Marie leben möchte.

Doch wenn ich mit meinen Freunden übers Gehalt reden will, fühle ich mich, als wären wir 100 Jahre zurück. "Das behalte ich lieber für mich", sagt Steffi. "Was gibt’s da groß zu reden? Wir verdienen doch sowieso alle gleich", sagt Andreas. Tobias fragt: "Was willst du denn mit dieser Information?" Und Olli befürchtet: "Wenn jemand meiner Kollegen die Summe wüsste, fände er das sicher zu viel - und würde gleich zum Chef gehen, um sich beschweren."

Aus allen spricht die eine Angst: Am Ende bleibt weniger für mich. Dabei ist das totaler Quatsch, finde ich. Welcher Chef würde etwas vom Gehalt des Mitarbeiters abziehen, um dem anderen mehr zu geben? Und wer leidet bitte darunter, wenn die gefrustete Kollegin auch mal eine Aufbesserung bekommt?

Okay, man will im Freundeskreis vielleicht nicht "die Reiche" sein und ständig gefragt werden, ob man die nächste Runde schmeißt. Genauso wenig wie "der Loser", der gerade mal seine Miete zahlen kann. Aber das Schweigen ändert ja nichts daran, dass wir unterschiedlich verdienen.

Wir müssen über Zahlen sprechen - wie soll sich sonst etwas ändern?

Erst, wenn wir über Zahlen sprechen, sprechen wir auch darüber, was dahintersteckt: über magere Start-up-Gehälter, unglaublich hohe Informatiker-Löhne und darüber, dass wir Frauen meistens immer noch weniger verdienen als die Männer. Das auszusprechen und Gehälter vor Kollegen und Freunden offenzulegen, kann uns weiterbringen.

Denn wir erfahren auch: Wer hat verhandelt, wer hatte Erfolg dabei - und wie? Lohnt es sich, die Verhandlungstaktik zu ändern, oder muss ich gleich die Branche wechseln, wenn ich mehr will? Diese Tipps einzuholen und weiterzugeben, bin ich nicht nur mir, sondern auch allen anderen Frauen schuldig.

Meine Gehalts- und Karrieresprünge wurden immer von Frauen und Männern, Kollegen wie Chefinnen, befeuert, die fanden, ich hätte mehr verdient. Und wie hätten sie das einschätzen sollen, ohne mein Gehalt zu kennen? Ich werde also weiter missionieren - und im nächsten Gespräch mit Freunden erst lockerlassen, bis die Antwort eine Zahl ist.

Austausch in der BRIGITTE-Community: Und wie läuft's bei euch?

Austausch und Transparenz sehen wir also als wichtigen Schritt in Richtung Veränderung. Wie sind eure Erfahrungen mit dem Gender Pay Gap? Bekommt ihr, was ihr verdient? Auch im Vergleich zu den männlichen Kollegen? Oder ist das Gehalt zwar gleich, aber bei Zulagen oder Boni werden eher die Männer bedacht? Welche Erfahrungen macht ihr mit Vorgesetzten, bei Gehaltsgesprächen und mit alltäglicher Frauenfeindlichkeit im Job? Tauscht euch aus in der BRIGITTE-Community - wir freuen uns auf spannende Diskussionen!


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