Formulierungen im Arbeitszeugnis: Die Geheimcodes entschlüsseln!

Arbeitszeugnisse sind oft schwerer zu deuten als Schatzkarten. Bis man den Weg zur Wahrheit gefunden hat, vergeht Zeit. Wir stellen dir Formulierungen im Arbeitszeugnis und deren Bedeutung vor.

Formulierungen im Arbeitszeugnis: Einführung

Ein Jobwechsel ist oft kompliziert, insbesondere dann, wenn das Arbeitszeugnis fehlt oder dich in kein gutes Licht rückt. Grundsätzlich hat ein Arbeitszeugnis zwei Bedingungen zu erfüllen:

  • Es muss der Wahrheit entsprechen
  • Es muss positiv formuliert sein

Kein Arbeitgeber kann also schreiben, dass du unzuverlässig warst und schlechte Arbeit verrichtet hast. Daher benutzen die Vorgesetzten in solchen Fällen Formulierungen bzw. eine Zeugnissprache, mit der durch die Blume dein Zeugnis abgewertet wird.

Unterschätze in keinem Fall die Wichtigkeit eines Arbeitszeugnisses. Jedoch kannst du dich auch mit einem nicht so guten Zeugnis als Mitarbeiter bedenkenlos bewerben. Wenn deine Bewerbung insgesamt stimmig und überzeugend ist, wollen sich die meisten Vorgesetzten ein persönliches Bild von dir machen.

Formulierungen im Arbeitszeugnis: Erwartungen der Personaler

Damit du bei deiner Bewerbung gute Chancen hast, sollten im Zeugnis folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Form: Der banalste aller Punkte. Es ist wichtig, dass im Zeugnis das Datum und die Unterschrift vorhanden sind und auch die Anschrift des Unternehmens und alle Namen richtig geschrieben sind.
  • Zeitliche Übereinstimmung: Passt das Arbeitszeugnis zu den im Lebenslauf der Bewerbung angegebenen Zeiten?
  • Zeugnissprache: Erfüllen die Formulierungen im Zeugnis die Erwartungen der Vorgesetzten?
  • Qualifikation: Entsprechen die angesprochenen Kompetenzen und Tätigkeiten den zu übertragenen Aufgaben vom potenziellen Arbeitgeber?
  • Entwicklung im Arbeitszeugnis: Arbeitgeber schauen auch auf den Verlauf deiner letzten Arbeitszeugnisse. Konntest du dich weiterentwickeln und auch herausfordernde Aufgaben erfüllen?

Formulierungen im Arbeitszeugnis: Was das Zeugnis abwertet

  • Falsche Reihenfolge: Die Einhaltung einer gewissen Reihenfolge ist für ein sauberes Arbeitszeugnis unabdingbar. Dazu gehört, dass zuerst auf deine Arbeitsleistung eingegangen wird und erst danach auf soziale Kompetenzen. Auch wirkt es negativ, wenn in der Aufzählung von Tätigkeiten banale Punkte (z. B. Pünktlichkeit) zuerst oder viel zu ausführlich genannt werden. Dasselbe gilt, wenn wichtige Punkte kurz und knapp abgehandelt werden.
  • Verneinungen: Arbeitszeugnisse sollten wohlwollend formuliert werden. Eine Verneinung kann aufzeigen, dass es mit dem Verhalten trotzdem nicht zum Besten bestellt war. "Sie war nie unpünktlich“ oder "er war nie unfreundlich“ lesen sich daher nicht so gut.
  • Einschränkungen und Passivformulierungen: Formulierungen wie "im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ oder "im Großen und Ganzen“ machen deutlich, dass die Erwartungen der Vorgesetzten nicht wirklich erfüllt wurden. Ähnlich wie Verneinungen wirken auch passive Sätze im Arbeitszeugnis, wie "Frau Schmidt wurde als Sekretärin in unserem Unternehmen eingesetzt.“ Bei vollster Zufriedenheit würde es heißen: "Frau Schmidt war als Sekretärin in unserem Unternehmen tätig."

Formulierungen im Arbeitszeugnis: Beispiele für Noten

Jedes Arbeitszeugnis lässt sich als Note zusammenfassen. Um zu erkennen, ob ein Zeugnis beispielsweise sehr gut oder gut ist, gilt es auf bestimmte Schlüsselwörter und Sätze zu achten.

Sehr gut:

  • ... hat die übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
  • ... hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen
  • ... wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden stets als höflicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt

Gut:

  • ... hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt
  • ... hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen
  • ... das Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei

Es wird deutlich, dass oft ein einziges Wort (vollsten/vollen) im Arbeitszeugnis den Unterschied macht. Während diese Indikatoren offensichtlich sind, können Arbeitgeber über oben genannte Tricks (z. B. die Reihenfolge oder die Länge ändern) etwas versteckter im Arbeitszeugnis die Leistung vom Mitarbeiter bemängeln. Oft handelt es sich auch um Unwissenheit oder Naivität, wenn Arbeitgeber für dich unvorteilhafte Formulierungen ins Arbeitszeugnis integrieren.

Formulierungen im Arbeitszeugnis: Weitere Sätze zum Übersetzen

  • Hat sich bemüht – nur der Wille war da
  • Großer Erfolg im Delegieren – Arbeitnehmer hat sich um die Aufgaben gedrückt
  • Aufgaben ordnungsgemäß erledigt – keine Eigeninitiative
  • Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse erledigt – Engagiertes Verhalten, aber ohne Erfolg
  • Mit Eifer den Aufgaben gewidmet – Engagiertes Verhalten, aber ohne Erfolg
  • Zeigt ein gesundes Selbstvertrauen – Arbeitnehmer hat eine große Klappe
  • Hat sich mit Empathie den Belangen der Kollegen gewidmet – hat mehr geflirtet als gearbeitet
  • Verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen – Kündigung durch den Arbeitgeber
  • Verlässt uns auf eigenen Wunsch – Kündigung durch Arbeitnehmer

Du fragst dich: Wie finde ich den richtigen Job? Wir zeigen dir auch, wie du richtig kündigen kannst. Zudem verraten wir dir, wo sich bestbezahlte Berufe finden.

Videotipp: Absage Bewerbungsgespräch

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