Gender Pay Gap: Wir brauchen endlich starke Gesetze!

Wir müssen Unternehmen dazu zwingen, Frauen fairer zu bezahlen - denn von allein werden sie es nicht tun. Andere Länder machen vor, wie’s geht.

Wir sollten das Entgelttransparenzgesetz verschärfen und erweitern, findet BRIGITTE-Redakteurin Kristina Maroldt. Die Idee dahinter ist nämlich gut: Seit etwas mehr als einem Jahr haben Frauen und Männer das Recht, von ihren Arbeitgebern zu erfahren, wie viel ihre Kollegen beziehungsweise Kolleginnen verdienen. Und das ist erst mal richtig gut. Weil das Grundrezept stimmt: Wenn wir wollen, dass die Unternehmen ihre Gender Pay Gaps schließen, müssen wir sie dazu zwingen - durch Transparenz.

Das Entgelttransparenzgesetz spannt die Falschen ein 

Doch das Entgelttransparenzgesetz (ETG), das 2017 in Kraft trat, spannt dafür die Falschen ein - die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen selbst. Und legt ihnen viele Steine in den Weg: Nur in Firmen mit mehr als 200 Beschäftigen kann man Auskunft verlangen. Es muss sechs Kollegen beziehungsweise Kolleginnen mit vergleichbaren Jobs geben. Man muss sich an den Betriebsrat, teils gar an die Geschäftsführung wenden. Und zeigt sich tatsächlich eine Lohnschere, müsste man den Arbeitgeber verklagen, um daran etwas zu ändern: Eine Verpflichtung, die Lücke zu schließen, gibt es nicht.

Mal ehrlich, wer tut sich so was an? Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zeigte: fast niemand. In nicht einmal jedem zehnten Betrieb haben Beschäftigte eine Auskunft angefordert.

Andere Länder gehen geschickter vor. In Großbritannien und Dänemark drohen Unternehmen Strafen, wenn sie nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, einmal pro Jahr die Lücke zwischen dem Durchschnittsgehalt aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber der Regierung (Großbritannien) oder der Belegschaft (Dänemark) offenlegen.

Schon klar, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in vergleichbaren Jobs, den das ETG ermitteln will, kann man aus solchen Zahlen nicht herauslesen. Doch sie entlarven, wie es um die Chancengleichheit in den Firmen steht - etwa wie leicht es für Frauen ist, auf gut bezahlte Positionen zu gelangen. Für die Beseitigung des Gender Pay Gap ist das ebenso wichtig wie die individuelle Lohnlücke.

Andere Länder machen vor, wie es geht - wir sollten die Chance nutzen!

Spannend auch der Weg der Isländer: Dort müssen seit einem Jahr alle Firmen mit mehr als 25 Mitarbeitern einen eigens entwickelten externen Prüfungsprozess durchlaufen, der feststellt, ob Frauen und Männer in gleicher Position dasselbe Gehalt verdienen. Ist das der Fall, gibt es ein Zertifikat und einen Platz auf einer öffentlichen Liste. Wer sich nicht prüfen lässt, zahlt Strafe. Schon bevor sich Frauen bei einer Firma bewerben, können sie somit herausfinden, ob sie dort fair bezahlt werden.

Das ETG wird gerade evaluiert, im Sommer soll der Bericht dazu erscheinen, das Ergebnis wird vermutlich ernüchternd. Ich finde, wir sollten das als Chance nutzen. Machen wir dieses Gesetz schärfer, raffinierter, stärker. Die passenden Gewürze dafür liefern Briten, Dänen und Isländer sicher gern.

Austausch in der BRIGITTE-Community: Und wie läuft's bei euch?

Austausch und Transparenz sehen wir also als wichtigen Schritt in Richtung Veränderung. Wie sind eure Erfahrungen mit dem Gender Pay Gap? Bekommt ihr, was ihr verdient? Auch im Vergleich zu den männlichen Kollegen? Oder ist das Gehalt zwar gleich, aber bei Zulagen oder Boni werden eher die Männer bedacht? Welche Erfahrungen macht ihr mit Vorgesetzten, bei Gehaltsgesprächen und mit alltäglicher Frauenfeindlichkeit im Job? Tauscht euch aus in der BRIGITTE-Community - wir freuen uns auf spannende Diskussionen!

BRIGITTE 07/2019

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
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