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Justizfachangestellte Berufs, Gehalt, Karriere

Justizfachangestellte: Justizfachangestellte
© Jirapong Manustrong / Shutterstock
Justizfachangestellte erledigen organisatorische und verwaltende Büroarbeiten bei Gerichten und Staatsanwaltschaften. Hier erfährst du alles, was du über den Beruf einer Justizfachangestellten wissen musst — von der Ausbildung bis zur Bewerbung.

Steckbrief: Justizfachangestellte (m/w/d)

Art der Ausbildung

Duale Ausbildung in Berufsschule und am Gericht

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Einstiegsgehalt

2400 Euro

Durchschnittsgehalt

2700 – 2900 Euro

    Das interessiert mich:
  • Berufsprofil
  • Ausbildung
  • Fähigkeiten
  • Arbeitgeber
  • Gehalt
  • Einstiegschancen
  • Bewerbung
  • Karriere
  • Arbeitsmarkt
  • Chancen für Frauen
  • Das Berufsprofil: Justizfachangestellte

    Wer kann heute sagen, einen sicheren Job zu haben? Wer kann zu Beginn der Ausbildung im Freundeskreis erzählen, dass man im Normalfall übernommen wird? Mit guten Aussichten auf Verbeamtung? Kündigungsschutz und sicheres Einkommen beinahe garantiert. Auf Lebenszeit.

    Für wen das attraktiv klingt, der sollte sich mit den Tätigkeiten von Justizfachangestellten auseinandersetzen. Justizfachangestellte sind dafür zuständig, dass Gerichte funktionsfähig sind. Sie sind Ansprechpartner für Richter, Anwälte und Bürger, die Auskunft ersuchen oder ein Anliegen bei Gericht haben.

    Die Hauptaufgabe der Justizfachangestellten ist es, Akten zu bearbeiten und Kläger und Angeklagte zu informieren. Das geschieht auch in persönlichen Gesprächen.

    Kläger rufen an oder kommen vorbei, weil sie zum Beispiel Verständnisfragen klären möchten. Anwältinnen und Anwälte geben Stellungnahmen ab. Sie alle erkundigen sich nach Verfahrensständen oder werden von Justizfachangestellten über die Möglichkeit der Rechtsmittel informiert.

    Justizfachangestellte eröffnen neue Vorgänge, geben dem Fall ein Aktenzeichen und begleiten diesen dann, bis er zu den Akten gelegt werden kann. Sie kümmern sich darum, dass alles sorgfältig gesammelt, sortiert, protokolliert und archiviert wird.

    Doch dieser Teil des Berufs wird sich in den 2020er-Jahren radikal verändern. Bis 2026 soll die elektronische Akte in ganz Deutschland eingeführt werden. Die E-Akte, wie sie kurz genannt wird, soll das Gericht in die digitale Gegenwart heben. Das ausgesprochene Ziel ist: Briefe, Klagesätze, Urteile, Erwiderungen und Gutachten sollen nur noch digital gespeichert werden. Weg von den staubigen Akten, hin zu einem ganz neuen System, das den Beruf der Justizfachangestellten ins 21. Jahrhundert verhelfen soll. Das große Versprechen lautet, Akten wesentlich schneller und effizienter bearbeiten zu können.

    Wer jetzt beginnt, den Beruf des Justizfachangestellten zu erlernen, wird direkt in die neuen Systeme eingearbeitet und kann dann im Gericht helfen, den Umstieg zu meistern. Gleichzeitig wandelt sich durch die neuen Arbeitsabläufe auch der Berufsalltag. Weniger Arbeit mit staubigen Akten, dafür mehr Zeit am und vor dem Computer.

    Eine Tätigkeit, die ohnehin schon am PC durchgeführt wird, ist das Protokollieren. Denn einmal in der Woche sind Justizfachangestellte im Gerichtssaal damit beauftragt, alles mitzuschreiben, was gesagt wird. Für viele ist das besonders interessant, weil Personen, deren Namen sie nur aus den Akten kennen, Gesichter bekommen.

    Vorteile als Justizfachangestellte:

    • finanzielle und berufliche Sicherheit
    • flexible Arbeitszeiten
    • verantwortungsvolle Aufgaben

    Nachteile als Justizfachangestellte:

    • viel Arbeit am PC
    • wenig abwechslungsreich

    Wie wird man Justizfachangestellte?

    Die Ausbildung der Justizfachangestellten ist eine duale. Sie findet zur Hälfte in der Berufsschule und zur anderen praktisch in einem Ausbildungsgericht oder einer Staatsanwaltschaft statt. Vor Ort lernen die angehenden Justizfachangestellten die Abläufe im Gericht kennen. Sie arbeiten sich in alle Fachabteilungen ein:

    • Erbsachen
    • Familiensachen
    • Strafverfahren
    • Zwangsvollstreckung
    • Register- und Verwaltungssachen

    In der Staatsanwaltschaft sind die angehenden Justizfachangestellten in zwei unterschiedlichen Hauptbereichen tätig – in den Ermittlungsverfahren und den Strafvollstreckungsverfahren, die nach der Verurteilung anstehen.

    In der Berufsschule lernen die zukünftigen Justizfachangestellten:

    • Arbeits- und Büroorganisation
    • Textverarbeitung und -gestaltung am Computer
    • angewandtes Recht
    • Datenschutz

    Nach anderthalb Jahren Ausbildung wartet auf die Azubis eine Zwischenprüfung. Mit ihr können sie den eigenen Ausbildungsstand feststellen. Nach drei Lehrjahren steht dann die Abschlussprüfung an. Sie ist in einen praktischen und einen schriftlichen Teil gegliedert und umfasst die Inhalte beider Ausbildungsschwerpunkte.

    Soft Skills: Welche Fähigkeiten sollte ein Justizfachangestellter mitbringen?

    Die Arbeit der Justizfachangestellten ist verantwortungsvoll und kann frei eingeteilt werden. Wichtig ist aber, dass die Arbeit fristgerecht und sorgfältig erledigt ist. Das sind auch die wichtigsten Eigenschaften, die Justizfachangestellte mitbringen sollten: Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit.

    Justizfachangestellte sind im Gericht unentbehrlich – ohne sie funktioniert nichts. Sie kümmern sich darum, dass alle Beteiligten Zugang zu den richtigen Informationen haben und diese natürlich ordnungsgemäß gesammelt werden. Der Beruf der Justizfachangestellten erfordert ein kommunikatives Talent, um die Schnittstelle zwischen Richterinnen und Richtern, Anklagenden und Anwältinnen und Anwälten zu sein.

     

    Arbeitgeber: Wer sucht Justizfachangestellte?

    Justizfachangestellte arbeiten, wie der Name schon sagt, in allen Institutionen der Justiz.

    Namentlich:

    • Amtsgerichten
    • Landgerichten
    • Oberlandesgerichten
    • Staatsanwaltschaften
    • Gerichten der Spezialgerichtsbarkeiten (Arbeits-, Verwaltungs-, Sozial- und Finanzgerichten)
    • Bundesgerichten (wie Bundesgerichtshof, Bundesverwaltungsgericht, Bundespatentgericht)

    Aber auch außerhalb des Gerichts sind sie, dank ihrer guten Ausbildung, gerne in Büros von Notaren sowie Anwälten gesehen.

    Gehalt: Was verdienen Justizfachangestellte?

    Justizfachangestellte werden nach dem TV-L, dem Tarifvertrag der Länder, bezahlt. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt werden Justizfachangestellte in verschiedene Gruppen eingeteilt. Alle beginnen in der Gruppe E5. Sie ermöglicht ein Einstiegsgehalt von ca. 2400 Euro brutto im Monat. Bleiben Justizfachangestellte in dieser Gehaltsgruppe, landen sie im Verlauf ihrer Karriere bei 3000 Euro brutto am Ende des Monats. Als Justizfachangestellte ist es jedoch möglich, durch andere Schwerpunkte, in andere Gehaltsgruppen aufzusteigen. Die höchste ist die Gruppe E8, die ein Maximalgehalt von 3400 Euro brutto im Monat ermöglicht.

    Einstiegschancen: Aussichten von Justizfachangestellten

    Das System hinter der Ausbildung der Justizfachangestellten nennt sich bedarfsgerecht. Das bedeutet, dass nur so viele Kräfte ausgebildet werden, wie benötigt werden. Justizfachangestellte werden nach der Ausbildung daher in der Regel übernommen. Sie können sogar angeben, in welchem Fachbereich des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft sie arbeiten möchten.

    Auch die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, sind ziemlich gut. Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten gibt es häufig weniger, als Stellen frei sind. Ausbildende prognostizieren dazu auch, dass in naher Zukunft viele Justizfachangestellte in Rente gehen werden und deren Stellen neu besetzt werden müssen. Die Situation wird sich, trotz aktueller Werbekampagnen, vermutlich nicht verändern. Bewerberinnen und Bewerber haben also gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz mit beinah garantierter Übernahme in einem sicheren Beruf.

    Bewerbung: Womit punkten Justizfachangestellte?

    In der Bewerbung auf den Ausbildungsplatz sind besonders gute Deutschnoten wichtig. Fehlerfrei sollte jede Bewerbung sein, doch in der zur Justizfachangestellten, ist das sogar noch wichtiger. Denn gute Rechtschreibung wird täglich gefordert. Sei es in der Kommunikation mit Richtern und Richterinnen oder beim Protokollieren im Gerichtssaal.

    Im Bewerbungsgespräch sollte dann gezeigt werden, dass man sich angemessen ausdrücken kann. Zusätzlich müssen Sorgfalt, Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein gezeigt werden. Tätigkeiten während der Schulzeit, die das belegen können, sind dafür besonders hilfreich.

    Karriere: Entwicklungs-/ Aufstiegschancen als Justizfachangestellte

    Nach der Ausbildung stehen den Justizfachangestellten einige Karrierewege im Gericht offen. Haben sie zum Beispiel das 28. Lebensjahr noch nicht überschritten, können sie die Verbeamtung anstreben. Diese führt durch eine sechsmonatige Ausbildung in den mittleren Justizdienst und den Beamtenstatus.

    Anderthalbjahre nach Berufsantritt können Justizfachangestellte auch die Weiterbildung zum Justizfachwirt bzw. zur Justizfachwirtin machen. Diese sechsmonatige Fortbildung qualifiziert zu mehr Eigenverantwortung und führt auch zur Aufnahme in den mittleren Justizdienst also der Verbeamtung.

    Justizfachangestellte können auch Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollvollzieher werden. Das bedeutet im Auftrag des Gerichts Schuldnerinnen und Schuldner ihre Schulden begleichen zu lassen, im Notfall sogar zu pfänden. Nach zwei Jahren Berufserfahrung kann eine 20-monatige Ausbildung angetreten werden. Sie qualifiziert für den Gerichtsvollzieherdienst und endet auch in der Verbeamtung.

    Justizfachangestellte: Chancen für Frauen in der Justiz

    Der Beruf der Justizfachangestellten ist eine Frauendomäne. 2018 waren zum Beispiel 70 Prozent der Auszubildenden in Berlin Frauen. Die Arbeit im öffentlichen Dienst bietet allen, die eine Familie gründen möchten, viel Unterstützung. Neben finanziellen Zuschlägen können sich Eltern darauf verlassen, nach der Elternzeit einen passenden Job zu bekommen.

    Auch Anträgen auf Umgestaltung der Arbeitszeiten, zum Beispiel in Teilzeit, muss der öffentliche Dienst nachkommen. Justizfachangestellte haben mit ihren Kernarbeitszeiten von 9.00 bis 13.00 Uhr ohnehin ein großes Maß an Flexibilität, das familienfreundlich ausgelegt werden kann.

    Arbeitsmarkt: Wie hat sich das Berufsfeld von Justizfachangestellten entwickelt?

    Dem Beruf der Justizfachangestellten steht die größte Veränderung der eigenen Berufsgeschichte in Deutschland bevor: die E-Akte. Die digitale Umstellung eines Berufs, dessen Haupttätigkeit das Sammeln von Akten ist, ist enorm. Die Konsequenzen werden aber besonders etablierte Kräfte mitbekommen. Diese müssen von jahrzehntelanger Arbeit mit Papier auf die Arbeit am Computer umsteigen.

    Einige werden das jedoch nicht mehr mitbekommen. Denn es wird erwartet, dass viele Justizfachangestellte in den kommenden Jahren in Rente gehen.

    Auf den Arbeitsmarkt wirken sich beide Trends nicht aus. Auf diesem ist aktuell schon zu beobachten, dass oft nicht alle offenen Ausbildungsplätze mit qualifiziertem Personal besetzt werden können. Das wird sich auch in näherer Zukunft nicht ändern.

    Ähnliche Berufe wie Justizfachangestellte:

    • Notarfachangestellte
    • Steuerfachangestellte
    • Rechtsanwaltsfachangestellte
    • Verwaltungsfachangestellte
    • Patentfachanwaltsangestellte
    • Büroassistent oder Büroassistentin
    • Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement

    Quellen: 

    morgenpost.de, focus.de, in-ihrem-namen.de, youtube.com, berlin.de, entgeltatlas.arbeitsagentur.de, berufenet.arbeitsagentur.de, oeffentlicher-dienst.info


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