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Richter Berufsbild, Gehalt, Ausbildung

Richter: Richterin fällt ein Urteil
© wavebreakmedia / Shutterstock
Richter fällen das Urteil über Schuld oder Unschuld und tragen damit eine große Verantwortung. Hier erfährst du alles, was du über den Beruf eines Richters wissen musst — von der Ausbildung bis zur Bewerbung.

Steckbrief: Richter

Art der Ausbildung.

Studium

Ausbildungsdauer.

8 Jahre

Durchschnittsgehalt.

7.500 Euro

Einstiegsgehalt.

3.500 Euro

    Das interessiert mich:
  • Berufsprofil
  • Ausbildung
  • Fähigkeiten
  • Arbeitgeber
  • Gehalt
  • Einstiegschancen
  • Bewerbung
  • Karriere
  • Arbeitsmarkt
  • Chancen für Frauen

  •  

    Das Berufsprofil:

    Konflikte sind im täglichen Zusammenleben auch in einer zivilisierten Gesellschaft wie unserer unvermeidlich. Wer sich bei einem Streit nicht zum Gefallen aller Parteien einig werden kann, braucht deswegen einen Außenstehenden, der die Situation objektiv und gerecht beurteilen kann. In unserem Rechtsstaat kommt diese Aufgabe dem Richter zu.

    Richter urteilen schon seit Jahrhunderten über Streitfälle und Verbrechen, um eine gerechte Gesellschaft zu gewährleisten. Die Sicherheit der Bevölkerung steht besonders bei der Beurteilung eines Gewaltverbrechens im Vordergrund. Der Beruf des Richters ist hoch angesehen und verlangt nach einem Juristen, der bestens ausgebildet und bereits berufserfahren ist.

    Die oberste Aufgabe eines Richters ist es, objektiv zu urteilen. In einem Gerichtsverfahren werden dafür alle Fakten und Beweise eines Sachverhalts zusammengetragen, damit der Richter nach ausgiebiger Betrachtung ein rechtskonformes Urteil sprechen kann, das bindend für alle beteiligten Parteien ist.

    Da der Beruf des Richters komplexe Kenntnisse der Rechtslage, Menschenkenntnis und viel Expertise im Allgemeinen erfordert, spezialisieren sich Richter im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn auf ein Fachgebiet, zu denen zählen:

    • Privatrecht
    • Familienrecht
    • Strafrecht

    Richter leiten als Vorsitzende eine Gerichtsverhandlung und sind verantwortlich für die rechtlich würdige Durchführung eines Verfahrens. Zu ihren Aufgaben gehört neben dem Urteilsspruch auch die anschließende schriftliche Begründung des Urteils.

    Mithilfe eines ausgiebigen Aktenstudiums muss ein Richter auf dem neusten Stand zur aktuellen Rechtsprechung durch die höchsten Instanzen der deutschen Rechtsprechung bleiben. Das Aktenpensum für einen Richter ist nicht zu unterschätzen. Ungefähr 600 Akten pro Jahr hat ein Richter zu bearbeiten. Bei diesem hohen Arbeitsaufwand bedarf es Richter mit einem Talent für Organisation. Mit viel Empathie und Berufserfahrung ist es die Aufgabe des Richters, ein gerechtes und menschliches Urteil im Rahmen des geltenden Gesetzes zu fällen.

    Neben einem ausgedehnten juristischen Wissen ist es für Richter auch wichtig, mit Leidenschaft den eigenen Beruf auszuüben, denn mit normalen Arbeitszeiten ist es leider nicht getan. Sogenannte Eildienste verpflichten Richter dazu, auch außerhalb der üblichen Bürozeiten verfügbar zu sein, um beispielsweise Durchsuchungsbeschlüsse oder Eilanordnungen zu unterzeichnen und damit zu autorisieren.

    Die tägliche Zusammenarbeit eines Richters mit Rechtspflegern, Rechtsanwälten, Schöffen, Angeklagten, Zeugen und Staatsanwälten ist ein ebenfalls wichtiger Teil der Arbeit eines Richters und verlangt im Berufsalltag eine hohe Sozialkompetenz und psychische Belastbarkeit.

    Vorteile   Nachteile

    Arbeit als Richter genießt hohes Ansehen

    Großer Arbeitsaufwand, oft mehr als 40 Stunden pro Woche Arbeitszeit

    Abwechslungsreiche Tätigkeit als Richter

    Psychisch belastende Tätigkeit als Richter

    Finanziell sind Richter durch das Bundesbesoldungsgesetz abgesichert

    Sehr lange Ausbildung zum Richter

    Wie wird man Richter?

    Um eine Karriere als Richter zu beginnen, muss als Erstes ein Jurastudium absolviert werden. Das Studium ist in der Regel 12 Semester lang und endet mit dem Abschluss durch das erste Staatsexamen. Im Grundstudium geht es für angehende Juristen vor allem um die unterschiedlichen Arten der Rechtsgrundlagen:

    • Grundlagen des Rechts
    • Strafrecht
    • Grundgesetz/ Grundrechte
    • Bürgerliches bzw. Zivilrecht (BGB)
    • öffentliches Recht
    • Staatsrecht
    • Arbeits- und Sozialrecht

    Den Abschluss des Grundstudiums bildet dann eine Zwischenprüfung, die sich aus mehreren Teilgebieten zusammensetzt. Das Hauptstudium spezifiziert dann die Kenntnisse der Studierenden um ein hohes Maß und bereitet sie auf das Staatsexamen vor. Gegenstand des Studiums können hier folgende Disziplinen sein:

    • Medienrecht
    • Wettbewerbsrecht
    • Europäisches Recht
    • Kirchen- und Kulturrecht
    • Erbrecht
    • Schuldrecht
    • Handelsrecht
    • Familienrecht

    Wer das Hauptstudium in Jura erfolgreich abschließen will, muss die erste juristische Prüfung (Staatsexamen) bestehen, die behandelten Bereiche des Studiums abfragt und einen selbst gewählten Schwerpunkt in den Fokus stellt.

    Nach dem Abschluss des theoretischen Studiums mit dem Staatsexamen folgt dann ein zweijähriges Rechtsreferendariat, das den Berufsanwärtern praktische Erfahrungen in den unterschiedlichen juristischen Bereichen nach dem Staatsexamen näherbringen soll. Während der Arbeit als Referendar müssen Juristen nebenher weiterhin begleitende Lehrveranstaltungen besuchen. Das Rechtsreferendariat gliedert sich in unterschiedliche Stationen, um angehenden Juristen einen Überblick in das breite Arbeitsfeld des Justizsystems zu geben:

    • Amts- oder Landgericht
    • Staatsanwaltschaft oder Strafgericht
    • Verwaltungsgericht oder Behörde
    • Anwaltskanzlei
    • eine Station eigener Wahl

    Das Rechtsreferendariat endet dann mit dem zweiten Staatsexamen. Danach sind alle Absolventen berechtigt, sich Volljuristen zu nennen und ihre Tätigkeit zu wählen. Wer nach dem Staatsexamen Richter werden will, muss nun bis zu fünf Jahre weiterhin lernen und an den genannten Stationen als Richter auf Probe arbeiten, um genügend praktische Berufserfahrung zu sammeln. Danach wird er dann offiziell zum Richter ernannt und kann seinen Staatsdienst antreten.

    Welche Fähigkeiten sollten Richter mitbringen?

    Richter sprechen Recht und bekleiden damit eine sehr wichtige Position im Rechtsstaat. Diese verantwortungsvolle Aufgabe findet allerdings nicht in einem Vakuum statt und deswegen benötigen Richter eine Reihe an Eigenschaften, die sie für die Ausübung ihres Jobs befähigen.

    Besonders wichtig ist, dass ein Richter dazu fähig ist, objektiv und besonnen zu urteilen, dazu braucht er, neben einem großen Maß an Menschenkenntnis und Berufspraxis, auch eine kommunikative Begabung, um allen Beteiligten an einem Gerichtsverfahren gerecht zu werden. Empathie spielt ebenfalls bei der Einschätzung eines Problems eine große Rolle. Für die Urteilsverkündung und den Umgang mit Laien und Kollegen muss ein Richter über ausgeprägte rhetorische Fähigkeiten verfügen und auch ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag legen. Eine schnelle Auffassungsgabe und viel Disziplin sind für den Beruf des Richters ebenfalls von großer Bedeutung, da auch das Aktenstudium einen großen Teil des Berufsalltags ausmacht.

    Arbeitgeber: Wer sucht Richter?

    Ein Richter ist Angestellter des Staates und damit Beamter. Sein Einsatzgebiet findet ein Richter, nach dem erfolgreichen Studium und dem Staatsexamen, in sämtlichen Gerichten des Landes. Die Ausübung des Richteramtes kann in allen Zweigen des Gerichtswesens stattfinden:

    • Richter am Arbeitsgericht
    • Richter am Verwaltungsgericht
    • Richter am Disziplinargericht
    • Richter am Finanzgericht
    • Richter am Sozialgericht

    Gehalt: Was verdient ein Richter?

    Da Richter direkt durch Staat angestellt sind, sind sie Beamte. Ihr Gehalt ist deshalb gesetzlich im sogenannten Bundesbesoldungsgesetz festgehalten und lässt sich dort nachschlagen. Das Gehalt eines Richters ist von Faktoren, wie der Größe und der Art des Gerichts abhängig und so kann ein Berufseinsteiger im Beruf des Richters mit einem monatlichen Gehalt von 3.700 Euro brutto rechnen.

    Das verhältnismäßig hohe Gehalt eines Richters spiegelt die hohe Verantwortung wider, die der Beruf mit sich bringt. Im Laufe der Karriere eines Richters wird er durchgängig und regelmäßig überprüft und bewertet.

    Der Gehaltstarifvertrag für Richter unterscheidet sich allerdings von Bundesland zu Bundesland. Richter im Süden Deutschlands verdienen beispielsweise mehr als Richter im Norden Deutschlands.

    Mit zunehmender Berufserfahrung kann sich ein Richter bei guten Bewertungen nach ungefähr drei Jahren auf eine Planstelle bewerben, diese werden in der Regel besser vergütet. Mit zunehmendem Alter ändern sich dann auch die tariflich festgelegten Alterszulagen und der Lohn eines Richters wird erhöht. Insgesamt zehn Dienstaltersstufen gibt es für Richter und deren Besoldung.

    Spitzenverdiener sind die Richter am Oberlandesgericht. Hier ist ein Gehalt von bis zu 8.000 Euro brutto monatlich möglich.

    Einstieg: Aussichten von Richtern 

    Im deutschen Justizsystem wird händeringend nach Nachwuchs gesucht. Auch hier macht der Fachkräftemangel nicht halt. Viele gut ausgebildete, junge Volljuristen entscheiden sich lieber für eine Karriere in der Wirtschaft als für eine Beamtenlaufbahn.

    Die Aussichten für Juristen Richter zu werden sind also bestens. Viele Gerichte haben sogar bereits ihre Anforderungen heruntergesetzt, um mehr Bewerber für die Position des Richters zu gewinnen. Wer also eine Leidenschaft für den Rechtsstaat hat, sollte sich nicht scheuen eine Karriere als Richter anzustreben. Alle Türen stehen hier dafür offen.

    Bewerbung: Womit punkten Richter?

    Nach der langwierigen Ausbildung und den zwei abgeschlossenen Staatsexamina zum Richter ist die Bewerbung auf eine neue Stelle nicht nur eine Frage der fachlichen Kompetenz. Auch und gerade die sozialen Fertigkeiten eines Richters können bei der Besetzung einer Richterstelle von großer Bedeutung sein. Zu den üblichen Bewerbungsunterlagen sollten neben einem Lebenslauf, ein Anschreiben und die entsprechenden Zeugnisse aus Studium und Referendariat gehören.

    Weitere praktische Erfahrungen im speziellen Bereich der Bewerbung können sogar den entscheidenden Unterschied zu den anderen Bewerbern machen und die eigene Bewerbung als Richter zum Erfolg führen. Die nebenberufliche Arbeit während des Studiums oder Praktika, die freiwillig absolviert wurden, können das Interesse und eine besondere Eignung für das eigene Arbeitsfeld zeigen.

    Punkten können Richter auch mit ihren Bewertungen aus ihrer Tätigkeit als Richter auf Probe und den Kenntnissen, die sie sich währenddessen und bereits vor dem Staatsexamen angeeignet haben. Wer dazu noch Disziplin, Genauigkeit, Empathie und einen langen Atem mitbringt, kann sich schon auf eine Karriere als Richter freuen.

    Karriere: Aufstiegschance für Richter?

    Da die Ausbildung zum Richter bereits sehr breit gefächert und langwierig ist, gibt es für Richter nach der Ernennung wenig Weiterbildungsmöglichkeiten. Wenn das juristische Fachwissen und die praktische Erfahrung bereits vorhanden sind, gibt es trotzdem die Möglichkeit des Aufstiegs innerhalb der Gerichtshierarchie.

    Der Weg eines Richters mit Karriereambitionen beginnt meistens im Amtsgericht, wo man nach Jahren der Berufserfahrung bis zum Direktor aufsteigen kann. Es geht im Amtsgericht häufig um geringere Delikte, wie Mahnverfahren und Geldforderungen.

    Der nächste Schritt in der Karriere eines Richters kann dann die Arbeit am Landesgericht sein. Hier befassen sich die Richter mit schwerwiegenderen Vergehen, die beispielsweise Freiheitsstrafen nach sich ziehen können.

    Die nächst höhere Instanz bei der Richter beschäftigt sein können, ist das Oberlandesgericht. Hier entscheiden Richter über Zivil- und Strafprozesse in zweiter Instanz. Es werden Urteile und Berufungen vom Landesgericht widerrufen und die Arbeit am Oberlandesgericht ist eine besonders verantwortungsvolle. Wer es bin zum Präsidenten des Oberlandesgerichts bringt, kann auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken.

    Arbeitsmarkt: Wie hat sich das Berufsfeld des Richters entwickelt?

    Der Beruf des Richters ist traditionsreich und von jeher sehr angesehen. Die Zugangsbedingungen waren immer schon sehr anspruchsvoll, weil die Ausübung des Berufs ausgesprochen viel fachliche Kompetenz und gleichzeitig auch Empathie und Menschenkenntnis erfordert. Im Laufe der Zeit verlagerte sich das Interesse der gut ausgebildeten Juristen jedoch von einem sicheren Einkommen als Beamter des Staates hin zu einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft.

    Wegen des generellen Fachkräftemangels, der zurzeit im deutschen Justizsystem vorherrscht, bleiben viele Planstellen für Richter schon seit einiger Zeit unbesetzt. Dabei bleibt der Bedarf an Richtern konstant hoch und die Arbeitsbelastung steigt sogar.

    Das Ausbleiben von jungen Richtern hat auch zur Folge, dass Nachwuchs händeringend gesucht wird. Gerichte in Deutschland gehen deswegen schon dazu über die Zugangsbedingungen zum Beruf des Richters zu lockern, um eine Ernennung zum Richter auch für junge Juristen einladender zu gestalten.

    Nicht vergessen werden sollte, dass eine Beamtenlaufbahn für Anwärter auf einen Richterposten finanzielle Sicherheit gewährleistet und das Beamtenverhältnis einen verlässlichen Kündigungsschutz für Angestellte im Staatsdienst bietet. Wer nach dem Studium also Richter werden will, hat sehr gute Aussichten in dem verantwortungsvollen und angesehenen Beruf eine Karriere zu beginnen.

    Richterinnen: Welche Chancen haben Frauen im Gericht?

    Die Chancen für Frauen in der Justiz stehen bestens und das nicht erst seit gestern. Wenn man bedenkt, dass die offiziellen Statistiken erst seit dem Jahr 2002 zwischen Richtern und Richterinnen unterscheidet, sprechen die Zahlen jedoch für sich. Der Beruf der Richterin ist für viele Juristinnen immer attraktiver geworden. Das hat zur Folge, dass inzwischen mit 51 Prozent Frauenanteil mehr als die Hälfte der Richter weiblich sind. Die Neuernennungen zum Richter sprechen sogar noch eine deutlichere Sprache, denn hier sind sogar 68 Prozent der Richter auf Probe weiblich.

    Dass immer mehr Frauen sich dazu entscheiden als Richterin im deutschen Justizsystem tätig zu sein, hat auch zur Folge, dass die Arbeitszeitmodelle sich zugunsten von weiblichen Arbeitnehmerinnen ändern. So können Frauen auch als Richterinnen in Teilzeit arbeiten und damit gewährleisten, dass sie Familie und Karriere so gut wie möglich miteinander vereinbaren können.

    Auch auf der Führungsebene sind Frauen als Richterinnen im Vormarsch. Der Frauenanteil stieg auch hier von knapp 28 Prozent im Jahr 2014 auf 35 Prozent im Jahr 2018. Die Tendenz bleibt auch weiterhin steigend.

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    Staatsanwalt, Rechtsanwalt

    Quellen:

    Legal Tribune Online, Azur-online.de, Statista, Berufenet


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