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Wirtschaftsprüfer Berufsbild, Gehalt, Ausbildung

Wirtschaftsprüfer: Wirtschaftsprüferin
© create jobs 51 / Shutterstock
Wirtschaftsprüfer kontrollieren die ordnungsgemäße Buchführung von Unternehmen. Hier erfährst du alles, was du über den Beruf eines Wirtschaftsprüfers wissen musst — von der Ausbildung bis zur Bewerbung.

Steckbrief: Wirtschaftsprüfer (m/w/d)

Art der Ausbildung

 Studium + Berufserfahrung + Prüfung

Ausbildungsdauer

 7-8 Jahre

Durchschnittsgehalt

 7.300-10.000 Euro

Einstiegsgehalt

 3.000-3.500 Euro

    Das interessiert mich:
  • Berufsprofil
  • Ausbildung
  • Fähigkeiten
  • Arbeitgeber
  • Gehalt
  • Einstiegschancen
  • Bewerbung
  • Karriere
  • Arbeitsmarkt
  • Chancen für Frauen
  • Das Berufsprofil: Wirtschaftsprüfer 

    Investoren, Banken und der Staat. Jeder wünscht sich, dass es in allen Unternehmen mit rechten Dingen zugeht. Ob im kleinen Handwerksbetrieb, im Fußballverein oder in den internationalen Großunternehmen des DAX, alle sollen fair in der Wirtschaft agieren. Die Garanten dafür sind die Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen. Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen sind quasi die Schiedsrichter in der Wirtschaft.

    Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen sind besonders geschulte, vertrauensvolle Personen, die sich perfekt durch den Zahlendschungel arbeiten können. Denn hier ist ihre Hauptaufgabe: das Prüfen aller Bücher. Also von allen Einnahmen, Ausgaben, Belegen und Akten, die im Rechnungswesen entstehen.

    Doch der Beruf hat sich verändert. Heute nimmt die Arbeit in den Akten ca. ein Viertel des Alltags der Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen ein. Unter anderem

    • als Beratende für Digitalisierung und IT
    • in der Prüfung von Bilanzen
    • als Steuerberatende
    • als Unternehmensberatende
    • als Gutachtende
    • als Treuhänder und -händerinnen
    • bei der Analyse während Unternehmenskäufen

    Auch in vielen internationalen Kontexten sind die Analysefähigkeit und die Sorgfalt von Wirtschaftsprüfern und -prüferinnen gefragt.

    Verantwortungsbewusstsein und Unparteilichkeit schwören Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen bei der Urkundenübergabe, nach dem bestandenen Wirtschaftsprüfungsexamen. Das ist ein Grund zum Feiern. Denn der Weg in den Beruf ist beschwerlich und hart. Nach dem Studium müssen drei bis vier Jahre Arbeitserfahrung gesammelt werden. Zwei davon ausschließlich in der Teilnahme von Abschlussprüfungen und dem Verfassen von Prüfungsberichten.

    Bestehen angehende Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen die komplexe Prüfung, steht ihnen ein hohes Einstiegsgehalt in einen zukunftsfähigen Beruf mit vielen Karrieremöglichkeiten bevor. Das kann selbstständig sein, in einem mittelständigen Betrieb oder bei einem der Big Four der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

    Neben dem herausfordernden Wirtschaftsprüfungsexamen bleibt an der Branche ein Klischee haften: die enormen Arbeitszeiten. Doch so pauschal kann das nicht gesagt werden. Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen arbeiten in vielen verschiedenen Projekten für unterschiedliche Mandantinnen und Mandanten. In besonders intensiven Phasen heißt es dann auch mal, lange und am Wochenende arbeiten zu müssen. Doch das ist nicht die Regel im Beruf der Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen.

    Wirtschaftsprüfer oder -prüferin sein, heißt auch, für Mandantinnen und Mandanten im ganzen Land teilweise sogar international zu arbeiten. Oft besteht die Woche aus vier Arbeitstagen im Projekt und einem Tag Homeoffice. Viel reisen und in ganz Deutschland zuhause sein klingt dann vor dem Beruf häufig reizvoller, als nach mehreren Jahren. Aber auch hier gibt es Trends, zum Beispiel in der Projektverteilung bei den Big Four, den Bedürfnissen der einzelnen Wirtschaftsprüfern und -prüferinnen gerecht zu werden.

    Vorteile   Nachteile

    Viele Karrieremöglichkeiten

     Schwere Prüfung

    Zukunftsfähige Branche

     Viele Reisen

    Von Beginn an viel Verantwortung

     Vermehrt intensive Arbeitszeiten

    Wie wird man Wirtschaftsprüfer?

    Der Weg zum Wirtschaftsprüfer und zur -prüferin ist ein beschwerlicher. Um für die Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer und zur Wirtschaftsprüferin zugelassen zu werden, müssen acht oder mehr Semester Studium erfolgreich absolviert werden. Doch nicht nur das muss in der Tasche sein. Zugelassen wird nur, wer mindestens drei Jahre Berufserfahrung bei einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen hat.

    Die wirtschaftliche Fachrichtung bzw. ein Studium ist hingegen kein Muss, ca. 85 Prozent der praktizierenden Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen haben allerdings ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Der Klassiker heißt dabei BWL mit Schwerpunkten im Rechnungswesen, Controlling, Steuern, Recht und Wirtschaftsprüfung.

    Neben dem klassischen Weg sind aber immer mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gefragt, wie zum Beispiel Ingenieurinnen, Physiker und Informatikerinnen, um in der Digitalisierung technisches Knowhow einzubringen.

    Kommen angehende Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen allerdings aus einer wirtschaftsfremden Fachrichtung, haben sie viele Grundlagen aufzuholen. Im Gegensatz zu ihnen stehen diejenigen, die einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang mit Schwerpunkten Wirtschaftsprüfung, Steuerrecht oder Steuerlehre gewählt haben. An sieben Hochschulen gibt es spezielle Masterstudiengänge mit Prüfungen, die nach §8a der Wirtschaftsprüfungsordnung (WPO) absolviert werden und die einem im Wirtschaftsprüfungsexamen angerechnet werden können. Sie sparen damit eine Menge Stress in der Vorbereitung. Eine Garantie auf Bestehen ist sie hingegen nicht.

    Bevor es an das Examen geht, stehen mindestens drei Jahre Praxis an. Mit einem guten Studium müssen die Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen in spe, sich auf einem großen Bewerbungsfeld durchsetzen. Wurden sie angestellt, heißt es in der WPO mindestens zwei Jahre lang an Abschlussprüfungen teilzunehmen und Prüfungsberichte zu verfassen, um zum Wirtschaftsprüfungsexamen zugelassen zu werden.

    Die Hälfte der Zugelassenen schafft es meistens leider nicht im ersten Versuch der Prüfung. Diese umfasst folgende Bereiche:

    • Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht
    • Angewandte BWL und VWL
    • Wirtschaftsrecht
    • Steuerrecht

    Nur mit einem guten Notenschnitt werden die angehenden Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen zur mündlichen Prüfung zugelassen. In ihr wird entschieden, wer zu den glücklichen 50 Prozent gehört, die bestanden haben.

    Doch nicht nur das Wirtschaftsprüfungsexamen ist entscheidend. In der WPO sind auch eine Reihe persönlicher Voraussetzungen gelistet, die nachzuweisen sind:

    • der Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung 
    • dem Recht, öffentliche Ämter zu bekleiden
    • geordnete Vermögensverhältnisse
    • gesundheitliche Eignung
    • berufspflichtkonformes Verhalten

    Welche Fähigkeiten sollten Wirtschaftsprüfer mitbringen?

    Ohne Zahlen geht es in dem Beruf nicht. Genauigkeit, Sorgfalt und Verlässlichkeit sind so grundlegend, dass Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen diese Eigenschaften in jedem Fall mitbringen müssen. Die Arbeitswirklichkeit erfordert aber noch andere Eigenschaften:

    • Belastbarkeit
    • Teamfähigkeit
    • Gutes (Business) Englisch
    • Ehrlichkeit
    • Verschwiegenheit
    • Führungsstärke

    Arbeitgeber: Wer sucht Wirtschaftsprüfer?

    Der Markt wird oft als Oligopol bezeichnet. Das bedeutet, dass ihn sich die größten Player untereinander quasi aufteilen und andere fast keine Chance haben. Die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werden auch Big Four genannt. Sie versammeln viele der talentiertesten Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen. Oft unterhalten große Akademien, internationale Praktikumsmöglichkeiten und Programme, die gezielt die talentiertesten Bewerberinnen und Bewerber ausmachen.

    Doch auch kleine und mittelständische Unternehmen haben ihre Nischen ausgebaut. Im Gegensatz zu den großen, bieten sie Berufsanfängern schon früh große Gestaltungsmöglichkeiten und die Chance, in vielen verschiedenen Projekten tätig zu sein.

    Alle vereint, dass sie immer auf der Suche nach talentierten Wirtschaftsprüfern und -prüferinnen sind.

    Gehalt: Was verdient ein Wirtschaftsprüfer?

    Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen haben den Ruf exzellent zu verdienen. Und ihr Ruf behält Recht: die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer bzw. zur -prüferin lohnt sich finanziell. Steigen Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen danach doch meist mit einem Gehalt zwischen 3.000 und 3.500 Euro monatlich ein. Von hier geht es ganz schnell nach oben.

    Besonders in den Big Four ist es normal, sein Gehalt innerhalb der ersten sechs Jahre zu verdoppeln. Dann erreichen die meisten schon das Durchschnittsgehalt derjenigen, die neun Jahre oder mehr arbeiten. Das liegt zwischen 7.300 und 10.000 Euro im Monat. Zusätzlich werden zu dem Gehalt noch Bonuszahlungen vereinbart, die bis zu 30.000 Euro jährlich bei erfahrenen Kräften betragen.

    An der Spitze der Karriereleiter werden Partnern sogar Millionengehälter gezahlt.

    Einstieg: Aussichten von Wirtschaftsprüfern  

    Nach der Prüfung finden Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen in der Regel immer Arbeit. Doch der Weg dahin geht durch mehrere Nadelöhre.

    Die erste Hürde scheint die Suche nach einer Stelle als Assistent anderer Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen. Doch hierzu müssen Noten und Erfahrungen während des Studiums stimmen. Praktika und andere berufliche Praxiserfahrungen sind dafür Gold wert. Der Weg beginnt also schon während der Uni.

    Natürlich steht nach der Arbeit als Assistent das Examen zum Wirtschaftsprüfer bzw. zur -prüferin an. Wird das bestanden, ist der Einstieg in den wirklichen Beruf ein leichter.

    Bewerbung: Womit punkten Wirtschaftsprüfer?

    Nach dem ersten Bewerbungsgespräch stehen für angehende Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen Assessment Center an. Hier sind die Wissensabfrage und Teamfähigkeit im Vordergrund. Bewerber werden aber auch gezielt in Stresssituationen versetzt.

    Im Bewerbungsverfahren punkten Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen, neben Leistung, mit den berufseigenen Tugenden: Verlässlichkeit, Sorgfalt, Geduld und Genauigkeit.

    Karriere: Aufstiegschance für Wirtschaftsprüfer?

    Nicht nur das Gehalt der Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen scheint Siebenmeilenstiefel zu tragen. Auch die Karriereleiter wird in Windeseile erklommen. Ganz besonders bei den Big Four. Die Strukturen sind vorgegeben und erlauben es beinahe nicht auf einer Ebene stehen zu bleiben. Auch ein hohes Maß an interner Fluktuation macht es vielen leicht Karriere zu machen. Die nächste Stufe ist meistens auch der nächste, logische Schritt.

    Nach den ersten zwei Jahren als Wirtschaftsprüfassistent oder -assistentin steigen Angestellte zum Senior auf. Sie haben mehr Eigenverantwortung, Kontakt zu Mandantinnen und Mandanten und arbeiten die Neuen ein. Mit dem Absolvieren des Examens zum Wirtschaftsprüfer bzw. zur -prüferin steigen sie zum Manager auf. Von nun heißt es, Prüfungen zu leiten, Assistenten und Seniors zu koordinieren und komplexe Fragestellungen und Gebiete bearbeiten. Der anschließende Aufstieg zum Partner kann dann nach einigen erfolgreichen Jahren erfolgen.

    Wirtschaftsprüferinnen: Welche Chancen haben Frauen in der Wirtschaftsprüfung?

    In den meisten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften steht das Leistungsprinzip über allem. Aufgrund dessen veränderte sich das Berufsbild von einem klassischen Männerberuf zu einem, in dem Frauen die Karriereleiter einfacher hochklettern können. Trotzdem bleibt es ein von Männern dominiertes Feld. Das bedeutet auch, dass zum Beispiel Schwangerschaften mit den vorherrschenden Karrierestrukturen zusammenstoßen können. Aber auch die Gehälter sind unterschiedlich. Männern wird nachgesagt, sich in den Gehaltsverhandlungen geschickter anzustellen, als Frauen. Deshalb ist allen angehenden Wirtschaftsprüfern und -prüferinnen zu raten, sich nicht unter Wert zu verkaufen.

    Für Menschen, die eine Familie gründen möchten, bereiten das viele Reisen und die hohe Belastung einige Hindernisse.

    Arbeitsmarkt: Wie hat sich das Berufsfeld des Wirtschaftsprüfers entwickelt?

    Die Nachfrage nach Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen ist nicht eingebrochen. In ihrer Funktion als vertrauensvolle, neutrale Expertinnen und Experten, sind sie ein wichtiger Teil des aktuellen Wirtschaftssystems. So wichtig, dass sie selbst in der Wirtschaftskrise sehr gefragt waren. Das haben Wirtschaftsprüfer und -prüferinnen auch den veränderten Aufgabenfeldern zu verdanken. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sich die Tätigkeit stark von der Prüfung der Bücher hinein in die Schnittstellen mit der Beratung von Unternehmen und der Mitgestaltung von Geschäftsmodellen.

    Ähnliche Berufe wie Wirtschaftsprüfer:

    Steuerberater oder -beraterin, Unternehmensberater oder -beraterin, Controller oder Controllerin, Buchhalterin oder Buchhalter

    Quellen:

    beruf-wirtschaftspruefer.de, finance-magazin.de, nwb.de, youtube.com, idw.de


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