Kündigung während Krankheit – das musst du wissen

Kündigung während Krankheit? Ist unter 5 Bedingungen möglich. Deshalb solltest du prüfen, ob deine Kündigung zulässig ist oder ob dir eine Abfindung zusteht.

Mit einer Krankschreibung kannst du nicht gekündigt werden? Irrtum! Es gelten aber strenge Regeln. Sie helfen dir dabei, herauszufinden, ob deine Kündigung während Krankheit zulässig ist.

Kündigung – nur mit triftigem Grund möglich

Krank wird jeder einmal. Nur weil du mal mehrere Tage wegen einer Erkrankung außer Gefecht gesetzt bist, brauchst du dir aber keine Sorgen um deinen Job machen. Wegen einer Krankschreibung wird dein Arbeitgeber dich nicht so schnell entlassen – das dürfte er auch gar nicht.

Denn die meisten Angestellten in Deutschland sind durch das Kündigungsschutzgesetz vor ungerechten oder willkürlichen Kündigungen geschützt.

Du hast Kündigungsschutz, wenn

  • du länger als 6 Monate in deinem Unternehmen angestellt bist.
  • dein Arbeitgeber mehr als 10 Vollzeitangestellte beschäftigt.

Besteht Kündigungsschutz, braucht dein Chef einen triftigen Grund, um dich zu entlassen – das gilt erst recht für eine Kündigung während Krankheit.

In diesem Artikel erfährst du,

  • welche 5 Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Kündigung während Krankheit zulässig ist.
  • wie du dich gegen eine unzulässige Kündigung wehrst und eine Abfindung herausholst.

Wichtig! Willst du juristisch gegen eine Kündigung vorgehen, musst du schnell handeln: Du hast dafür nur 3 Wochen Zeit. Danach ist die Kündigung wirksam – selbst wenn sie unzulässig war.

Kündigung zulässig? Abfindung möglich? Mach den Test!

Die gesetzlichen Hürden liegen hoch. Viele Kündigungen während Krankheit sind überhaupt nicht zulässig – und scheitern deswegen vor Gericht.

Hat dein Arbeitgeber dich zu Unrecht wegen deiner Erkrankung gekündigt, kannst du auch Kündigungsschutzklage erheben. Ein Gericht überprüft dann die Rechtmäßigkeit deiner Kündigung.

Dass es sich lohnt, zeigt die Statistik: Arbeitnehmer gewinnen einen Großteil aller Kündigungsschutzprozesse.

Gewinnst du vor Gericht, muss dein Arbeitgeber die Kündigung eigentlich zurückziehen und dich wieder einstellen.

Eigentlich: In den meisten Fällen ist das Verhältnis nach einem Rechtsstreit aber so zerrüttet, dass sich Arbeitgeber lieber freikaufen. Du bekommst dann eine angemessene Abfindung, also eine finanzielle Entschädigung dafür, dass du die Kündigung trotzdem akzeptierst.

Überprüfe mit dem Online-Schnelltest von advocado in Kooperation mit BRIGITTE, ob deine Kündigung während Krankheit gerechtfertigt ist oder ob auch du gute Chancen auf eine Abfindung hast.

5 Bedingungen: Wann ist eine Kündigung während Krankheit möglich?

Trifft auch nur eine der folgenden 5 Bedingungen nicht zu, hast du gute Chancen, dich erfolgreich mit einer Kündigungsschutzklage gegen ein Kündigung zu wehren.

1. Die Krankheit schadet dem Betrieb

Das Fehlen des kranken Mitarbeiters muss dem Unternehmen nachweislich schaden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn es durch deine Krankschreibung zu Umsatzeinbußen kommt oder wenn zusätzliche Kosten entstehen, weil Ersatzpersonal eingestellt werden muss.

2. Keine Besserung in Sicht

Lange Fehlzeiten alleine reichen noch nicht aus. Zudem muss deine Gesundheitsprognose schlecht sein: Es muss absehbar sein, dass sich die Situation in Zukunft nicht verbessert und du auch in Zukunft lange oder häufig krank sein wirst.

3. Interessen abgewogen

Bei einer Kündigung während Krankheit prallen die Interessen von Arbeitgeber (Kündigung) und Arbeitnehmer (Weiterbeschäftigung) aufeinander. Der Chef muss nachweisen, dass das Interesse des Unternehmens überwiegt.

4. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) angeboten

Ist ein Mitarbeiter innerhalb eines Jahres länger als 6 Wochen krank, muss der Arbeitgeber ihm ein sogenanntes betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten, um seine Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Ohne BEM-Angebot ist eine Kündigung in den allermeisten Fällen nicht zulässig.

5. Richtig gekündigt

Wie jede Kündigung muss auch eine Kündigung während Krankheit formale Anforderungen erfüllen, damit sie wirksam ist.

Die Kündigung muss

  • dir schriftlich zugehen – persönlich oder per Post.
  • die richtige Kündigungsfrist enthalten.
  • von einem unterschriftsberechtigten Vertreter des Unternehmens unterzeichnet sein.

Gibt es einen Betriebsrat, muss der Arbeitgeber ihn vor der Kündigung informieren und anhören.

Kündigung während Krankheit: 4 Sofortmaßnahmen

Dein Arbeitgeber hat dich krankheitsbedingt gekündigt? So gehst du jetzt am besten vor:

1. Melde dich arbeitssuchend

Auch wenn deine Kündigung unzulässig ist und du juristisch dagegen vorgehst, solltest du dich vorsorglich arbeitssuchend melden. Ansonsten kann es zu einer Sperre oder Kürzung des Arbeitslosengeldes kommen.

2. Unterschreibe nichts

Egal was dein Arbeitgeber dir vorlegt, lass dich nicht zu einer schnellen Unterschrift drängen. Nimm dir Zeit, das Schreiben in Ruhe durchzulesen und dich über mögliche Folgen zu informieren.

3. Informiere den Betriebsrat

Gibt es einen Betriebsrat in deiner Firma? Informiere ihn über die krankheitsbedingte Kündigung und mache deutlich, dass du sie nicht akzeptierst.

So verbesserst du deine Verhandlungsposition vor Gericht. Oder es kommt gar nicht zur Verhandlung, weil du dich schon vorher außergerichtlich mit deinem Arbeitgeber einigst.

4. Hol’ dir ein kostenfreies Erstgespräch mit einem Anwalt für Arbeitsrecht

Arbeitsrecht ist sehr komplex. Nur ein Profi durchblickt den Gesetzes-Jungle und kann zuverlässig einschätzen, wie deine Chancen vor Gericht stehen.

Viel Zeit zum Überlegen hast du nicht: Gegen eine Kündigung kannst du nur 3 Wochen juristisch vorgehen. Danach ist auch eine eigentlich unzulässige Kündigung wirksam.

Bei unserem Kooperationspartner steht dir ein erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht in einem unverbindlichen und kostenfreien Erstgespräch zur Seite. Und schnell geht es auch: Wenn du hier deine Anfrage stellst, meldet sich der Anwalt kurzfristig telefonisch bei dir zurück.


Hinweis: Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit der advocado GmbH entstanden. Advocado bietet Rechtsberatung von erfahrenen und spezialisierten Anwälten. Einfache und komplexe Fälle zu allen rechtlichen Angelegenheiten werden über die Plattform www.advocado.de vollständig digital und sicher abgewickelt – zeit- & ortsunabhängig. Über 80.000 Mandanten vertrauen bereits auf advocado und werden durch ca. 350 Partner-Kanzleien vollumfänglich betreut.

Themen in diesem Artikel

BRIGITTE Academy direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!