La Donna Brave Bull Allard stellt sich dem Öl in den Weg

Um eine umstrittene Pipeline in North Dakota zu verhindern, setzt La Donna Brave Bull Allard auch deutsche Banken unter Druck

"Wasser ist Leben", sagt La Donna Brave Bull Allard. "Ohne Wasser könnten wir unser Land nicht bebauen, müssen hungern. Wasser ist kostbar." Ihre Hände formen einen Kreis, während sie spricht, die Augen sind geschlossen, ihre Armbänder klirren leise. Allard ist Angehörige der Standing Rock Sioux im amerikanischen North Dakota; zusammen mit anderen Frauen indigener Abstammung ist sie im September durch Europa gereist, um Banken und Versicherungen davon abzubringen, die Dakota Access Pipeline, eines der derzeit umstrittensten Bauprojekte der USA, finanziell weiter zu unterstützen. Die Pipeline soll Öl aus Tausenden von Frackingbohrstellen in North Dakota nach Illinois transportieren. Dabei kreuzt sie nicht nur ein Wasserreservoir, sondern auch indigene Gräber. Und sie streift das Reservat, in dem La Donna Brave Bull Allard lebt. In München trifft die 62-jährige Historikerin deshalb Vertreter der Bayerischen Landesbank, in Frankfurt besucht die Delegation die Deutsche Bank. Beide Unternehmen sind über Kredite am Bau der Pipeline beteiligt, die BayernLB hat eine Anschlussfinanzierung wegen der massiven Proteste jedoch inzwischen ausgeschlossen.

Die Auflehnung der Sioux gegen ihre Unterdrückung ist Allards Lebensthema - die wertvollste Waffe ist der Druck auf die Banken

Der Druck auf die Banken ist die vierte - und vielleicht wirkungsvollste - politische Waffe im erbitterten Kampf, den das Reservat seit drei Jahren gegen die Pipeline führt. Als deren Pläne Anfang 2015 bekannt wurden, hatten mehrere Stämme sofort ihr Veto eingelegt. Vergeblich, im Sommer 2015 begannen die Bauarbeiten. Da kamen auf Allards Grundstück, ganz in der Nähe der Baustelle, die Frauen des Reservats zusammen und gründeten das Sacred Stone Protest Camp, das bald weltweit berühmt wurde. Denn die Frauen übertrugen ihren Protest per Livestream ins Internet, sie twitterten und posteten. Auf dem Höhepunkt des Protests lebten im Camp mehrere Tausend Menschen. Im Herbst 2016 eskalierte die Situation: Bulldozer rissen einige Gräber auf, die Armee griff die Protestierenden an, viele wurden verletzt und zeitweise inhaftiert - auch La Donnas Tochter. Die trotzdem später zu ihrer Mutter sagte: "Mom, es ist unfassbar, was für großartige Frauen in unseren Reihen kämpfen." Die Auflehnung der Sioux gegen ihre Unterdrückung ist Allards Lebensthema. Sie leitet seit einigen Jahren eine kleine Tourismus Agentur und führt Besucher zu historischen Stätten des indigenen Widerstands in North Dakota. Doch die Wucht des Protests überraschte auch sie. "Ich hätte niemals gedacht, dass ich eine Aktivistin werden würde", sagt sie. "Aber es kommt ein Punkt im Leben, an dem du dich entscheiden musst."

Allard hat es geschafft Menschenrechtsverletzungen, illegitime Landnahme und massive Umweltverstöße nachzuweisen

Im Dezember 2016 stoppte der damalige Präsident Barack Obama tatsächlich den Bau der Pipeline - doch sein Nachfolger Donald Trump hob das Dekret sofort wieder auf. Anfang 2017 wurde das Camp geräumt. Allard und ihre Mitstreiter haben es aber geschafft, dem Pipeline Betreiber Energy Transfer Partners Menschenrechtsverletzungen, illegitime Landnahme und massive Umweltverstöße nachzuweisen. Die Sache liegt nun vor Gericht; bis sie entschieden ist, darf kein Öl durch die fertige Pipeline fließen. In der Zwischenzeit hoffen die Frauen, möglichst viele Kreditgeber davon überzeugen zu können, sich aus dem Projekt zu verabschieden. "Aufgeben werden wir nicht", sagt Allard selbstbewusst. Im Gegenteil: Nach Vorbild des Sacred Stone Camps möchte sie weltweit Öko-Dörfer aufbauen, die für Gleichberechtigung und erneuerbare Energien stehen.

Zur Person

La Donna Brave Bull Allard, 62, ist eine Standing Rock Sioux. Die Großmutter von 19 Enkelkindern studierte Geschichte an der North Dakota University und ist Expertin für indianische Genealogie. Auf ihrem Grundstück startete die weltweite Protestbewegung gegen die Dakota Access Öl-Pipeline.

BRIGITTE 02/2018

Wer hier schreibt:

Katja Nele Bode
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