Mütterfrust: "Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt"

Immer noch bekommen Frauen nur die Hälfte der Rente, immer noch gibt es den Gender Pay Gap und immer noch konkurrieren Mütter darum, wer die besten Dinkelkekse bäckt. Schluss damit!, sagt Katrin Wilkens.

Die Hamburger Journalistin Katrin Wilkens (47) und Mutter von drei Kindern hat unter dem Titel „Mutter schafft! Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt“ ein provozierendes Buch geschrieben, das Frauen Mut machen will, ganz neue Wege zu gehen. Denn aus ihrer Erfahrung als Wiedereinstiegs-Coach für Frauen weiß sie: Der gelungene und passgenaue Wiedereinstieg in den Beruf gerät für junge Frauen zur größten Herausforderung ihres ohnehin schon dichten Lebens zwischen 35 und 50.

BRIGITTE.de: Warum ist ein Jahr nach #MeToo immer noch ein Buch über den Gender-Gap notwendig?   

Katrin Wilkens: Weil es eine der letzten Bastionen ist, für die es sich lohnt, als Frau auf die Straße zu gehen. Vor 100 Jahren haben wir für Wahlrecht und Recht auf Bildung demonstriert, in den Sechzigern haben wir für ein Recht auf Sexualität gekämpft. Heute wollen wir für ein Recht auf Familie und Beruf. Und ja: Dieser Beruf darf auch gern Spaß machen und Geld bringen.   

Sie haben in Ihrem Buch “Mutter schafft” über Ihre rund 1000 Beratungen für Frauen geschrieben, die nach der Babypause einen neuen Job suchen. Was ist das Besondere an dieser Zielgruppe?    

Dass Mütter extrem organisiert, extrem gut ausgebildet und manchmal auch - durch die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen - extrem bescheiden sind. Manchen Kundinnen  müssen wir erst die Erlaubnis geben, träumen zu dürfen, bevor wir uns dranmachen und etwas suchen, was auch realistisch und tragfähig bis in die Rente ist.    

Was müssen gerade Mütter in Sachen Rente bedenken?    

Oft gibt es einen Hauptverdiener, der kümmert sich um das Familienbudget - aber leider nicht um die Rentenabsicherung der Frau, die jeden Tag für einen vollen Kühlschrank sorgt und für das Üben von Vokabeln. Dabei ist Care-Arbeit auch Arbeit und muss als solche vergütet werden.     

Was sind die gängigsten Traumberufe von Frauen, die zu Ihnen kommen? 

Das Café steht leider noch ganz oben auf der Wunschliste. Leider, weil es hohe Anfangsinvestitionen, einen enormen Zeitaufwand und auch echte Personalherausforderungen mit sich bringt - bei einem sehr überschaubaren Lohn, den man hinterher dafür bekommt. Inneneinrichtung ist auf Platz zwei, würde ich sagen. “Irgendwas mit Sinn” kommt auf Platz drei.

Wer sollte Ihr Buch unbedingt lesen?   

Jede, die wissen möchte, wie man etwas sucht, für das man brennt. Jede, die wissen möchte, ob Brennen für den Job überhaupt wichtig ist. Jede, die etwas Neues sucht. Jede, die das Alte aufpimpen möchte. Jede, die findet, dass Arbeit zur Identität von Müttern dazugehört.


Mutter schafft! Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt“ von Katrin Wilkens ist im Westend Verlag erschienen (18 Euro).

Weitere Infos zu den Job-Beratungen von Katrin Wilkens unter www.i-do-hamburg.de

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