Nach der Elternzeit gekündigt: Kind da, Job weg

Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist oft kein Zuckerschlecken. Und manchmal eine einzige Unverschämtheit: Kind da, Job weg. Wie bei Katja, 28.

Mit meiner Arbeit war ich so richtig glücklich, ich hatte meinen Traumjob: Assistentin der Geschäftsführung bei einem Bekleidungsunternehmen. Kein kleiner Laden, sondern 220 Leute allein in der Zentrale, und zählt man die Verkäuferinnen in den Filialen mit, dann gibt es dort sogar an die 3500 Angestellte. Fast alle sind Frauen. Davor war ich im Maschinenbau, und plötzlich ging es an meinem neuen Arbeitsplatz um Mode, Trends, und um mich herum waren fast nur nette Mädels – das war richtig schön.

14 Monate, dann sollte Katja wieder kommen

Nach zweieinhalb Jahren wurde ich schwanger. Alle haben sich für mich gefreut, auch mein Chef. Ich wurde mit einer Babyparty verabschiedet und mit dem Versprechen, dass sich alle auf meine Rückkehr freuen. "Ich bleibe ein Jahr zu Hause", habe ich gesagt. "Dann habe ich hoffentlich einen Kita-Platz, mache noch die Eingewöhnung. In spätestens 14 Monaten bin ich wieder hier." So hatte ich mir das gedacht, als ich in Mutterschutz ging. Vorher habe ich noch meine Nachfolgerin eingearbeitet, bis zum letzten Tag bin ich gekommen, damit sie einen guten Start hat und alles auch ohne mich reibungslos weiterläuft. Dabei gab es da schon die erste Warnflagge: Meine Nachfolgerin sollte unbefristet eingestellt werden. "Das fühlt sich für mich komisch an", sagte ich noch zur Personalerin und auch zu meinem Chef. "Wie stellt ihr euch das denn vor: In einem Jahr komme ich wieder, und dann ist sie noch da. Das gibt doch einen Clash." Aber die beiden haben mich beruhigt: Sie hätten die Stelle nur unbefristet ausgeschrieben, damit sie die bestmöglichen Bewerberinnen bekommen. "Mach dir keine Sorgen. Für gute Leute findet sich immer ein Platz. Es gibt genug Arbeit für alle."

Als meine Tochter dann da war, habe ich schön Kontakt gehalten, wie einem das immer geraten wird. Ich bin mit dem Baby zu Besuch gekommen, habe Mails geschrieben. Und in einer dieser Mails auch noch mal genau mitgeteilt, wie ich mir meinen Wiedereinstieg vorstelle: Ich habe zwei Jahre Elternzeit eingereicht, nach ca. einem Jahr wollte ich Teilzeit in Elternzeit zurückkommen und 25 Stunden die Woche arbeiten. Und dann nach dem zweiten Geburtstag meiner Kleinen zurück in meine alte Vollzeitstelle. Mündlich hatte ich das meinem Chef, der Personalerin und meinen Kollegen schon längst mitgeteilt. Ich wollte ja, dass alle gut planen können. Und bei der schriftlichen Ankündigung in der Mail habe ich noch geschrieben: Reicht das so oder braucht ihr noch irgendwas von mir? Muss ich ein Formular ausfüllen?

Dann kam doch alles ganz anders

Naiv dachte ich, das läuft jetzt wie geplant, nachdem da nichts mehr kam. Und dann bin ich aus allen Wolken gefallen, als ich mich mit der Personalerin zum Mittagessen verabredet habe. Eigentlich habe ich mich immer gut mit ihr verstanden, ich dachte sogar, wir seien so was wie befreundet. Ich wollte bei diesem Essen meinen Antrag für einen Kita-Platz unterschreiben lassen. Ohne Unterschrift des Arbeitgebers hat man an meinem Wohnort keinen Anspruch auf einen 10-Stunden-Platz, und den hätte ich gebraucht, um wieder wie geplant im Unternehmen loszulegen. Ich hatte deswegen vorher meinen Chef angerufen, aber der hat gesagt: "Mach das mal lieber mit der Personalerin."

Ich hatte in den Monaten davor ganz schön um den Kita-Platz gekämpft. Ich dachte, die Unterschrift sei nur eine Formsache, dann hätte ich alles unter Dach und Fach. Nach einem Jahr daheim mit Baby freute ich mich total auf meinen Wiedereinstieg. Ich hatte richtig Lust, wieder zu arbeiten. Doch dann sagte die Personalerin: "Nee, das kann ich dir jetzt nicht unterschreiben." Unser Mittagessen hatte schon schräg begonnen. Ihre erste Frage war gewesen: "Na, wie läuft es so? Hast du zufällig die Elternzeit dazu genutzt, dich anderweitig umzuschauen?" Warum hätte ich das tun sollen? Ich hatte doch meinen Job. Sie hat mir dann was von der "wirtschaftlichen Situation" erzählt. Der Sommer sei zu heiß gewesen, man habe zu wenig verkauft.

Ich habe gesagt: "Ich bin jetzt völlig perplex. Ich bin mit einer ganz anderen Intention in dieses Gespräch gegangen, ich wollte eigentlich nur noch mal besprechen, mit wie vielen Stunden ich zurückkomme, und wie wir die am besten verteilen." Und sie: "Das wird schwierig mit der Rückkehr zu deinem Wunschzeitpunkt. Mehr kann ich dir im Moment nicht sagen. Wir bleiben in Kontakt. Vielleicht sieht’s in ein paar Monaten wieder anders aus." Ich fühlte mich, als würde mir der Boden unter den Füßen wegbrechen. "Ist das mit meinem Chef abgesprochen?", fragte ich noch. Und sie: "Klar, der weiß das." Was für eine Wurst! Der Mann ist selbst Vater, zum Abschied sagte er mir noch: "Sie werden sehen, das wird so toll!" Tags darauf bin ich gleich zur Kita und habe gesagt: "Ich habe gerade ein ganz blödes Gefühl, ich glaube, ich muss den Kita-Platz absagen." Die Leiterin beruhigte mich und sagte: "Wir nehmen Ihr Kind auch erst für fünf Stunden, für die haben Sie in jedem Fall einen Betreuungsanspruch. Dann schauen wir mal, wie wir’s in Zukunft machen."

Der Chef und die Personalerin wollten sich rausreden 

Das hat mich etwas beruhigt, aber ich war immer noch total enttäuscht. Wie sollte es denn jetzt weitergehen mit meinem Job? "Wir bleiben in Kontakt." Was sollte das denn heißen? Dass ich alle zwei Wochen frage, ob es vielleicht Arbeit für mich gibt? Ich war in einer totalen Bittstellerposition. Nicht mehr eine geschätzte Kollegin, eher eine bedürftige Verwandte, die an der Tür kratzt. Ich habe mir einen Termin beim Chef geben lassen, und dann saß ich vor ihm und habe ihn ganz schön überrumpelt. Ich habe mir gedacht, so einfach kommst du mir nicht davon, das will ich jetzt von dir selbst hören. Ich hatte da noch keine Rechtsschutzversicherung, die hätte ich zu dem Zeitpunkt vielleicht abschließen sollen, aber ich dachte immer noch: Ich kann das im Gespräch klären. Und ich wollte die Kommunikation nicht vergiften. In den Termin mit meinem Chef bin ich noch in der Annahme gegangen, wir finden doch irgendwie eine Lösung.

Aber dann kam die zweite Warnflagge, als mein Chef meinte, sie hätten ja gar nicht gewusst, dass ich Teilzeit in Elternzeit machen wollte. Ich hätte doch einen Elternzeit-Antrag für zwei Jahre eingereicht. Und alles, was ich ihm hier erzähle, sei ja nur ein Wunsch und kein Anspruch. Und ich hab gedacht: Was erzählt der da? Die wollen doch jetzt nicht auf einen Formfehler raus? Ich bin dann gleich nach dem Gespräch auf Nummer sicher gegangen und habe noch mal einen juristisch sauberen, formal korrekten Antrag nachgereicht. Das nächste Gespräch hab ich dann gemeinsam mit dem Betriebsrat geführt, da hab ich gesagt: "Okay, Teilzeit in Elternzeit, da hab ich euch jetzt wohl überrumpelt, das hattet ihr nicht auf dem Schirm, warum auch immer, aber was ist mit meinem Vollzeitanspruch nach zwei Jahren?" Da kam wieder: die wirtschaftliche Situation! Das wollten sie jetzt eh mal mit mir besprechen: Was mich glücklich machen würde, damit ich in die Zukunft schauen könne? So sagte es die Personalerin. Sie meinte natürlich: woanders.

Die Personalerin wollte später, als wir allein waren, noch mit mir Small Talk machen: "Mensch, wie geht’s denn deiner Kleinen? Meine Schwester hat auch gerade ein Kind gekriegt. Läuft sie schon?" Und ich hab gesagt: "Ich hab gerade echt nicht den Nerv, mit dir zu plaudern. Sag mir einfach, was du an meiner Stelle jetzt machen würdest." Da meinte sie nur noch: "Ich glaube, du brauchst juristische Hilfe."

Es ist alles besser als das!

Meine Anwältin hat mir dann in den Hintern getreten: Die verarschen dich. Das wird nichts mehr. Nimm mit, was du kriegen kannst. Schließ das Ganze ab und such dir einen neuen Job. Jetzt geht es vor Gericht um die Höhe der Abfindung. Als mein Chef mir was von der wirtschaftlichen Situation erzählte, sagte ich zu ihm: "Ich hätte nie gedacht, dass mein Teilzeitgehalt diese Firma mal in den Ruin treiben würde." Und dass meine wirtschaftliche Situation auch nicht gerade super ist, wenn mein Elterngeld ausläuft und ich nicht wieder anfangen kann zu arbeiten: "Ich sitz da und warte, und in der Zwischenzeit hab ich nur Kosten: die Kita, in der ich noch Stunden dazugekauft habe, meine Krankenkasse, ganz abgesehen von meinen Rentenansprüchen ..."

Das Ganze zieht sich jetzt fast ein Dreivierteljahr. Allein die entgangene Teilzeittätigkeit in Elternzeit sind 30 000 Euro Gehalt, die mir einfach nicht gezahlt wurden. Die will ich haben. Plus eine Abfindung, wenn ich am Ende meiner Elternzeit gehe. Ich bin immer noch tief enttäuscht. Menschlich, weil ich so eng mit meinem Chef zusammengearbeitet habe. Und von diesem Unternehmen, das viele Produkte für Kinder anbietet, sich immer familienfreundlich gibt – und sich nun von einer ganz miesen Seite gezeigt hat. Ich hab verstanden, dass die mich nicht mehr haben wollen. Zuerst hatte ich Panik und dachte: Was für einen anderen Job soll ich denn finden, Teilzeit mit kleinem Kind. Jetzt denke ich: Es ist alles besser als das!

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BRIGITTE 01/2020

Wer hier schreibt:

Angela Wittmann
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