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Duales Studium Ist ein praxisnahes Studium das richtige für dich?

Duales Studium, klassische Uni oder Ausbildung?: Junge Frau vor Bücherregal
© NDAB Creativity / Shutterstock
Ob duales Studium, klassische Uni oder Ausbildung: Jede dieser Möglichkeiten bietet Chancen und führt zu spannenden Berufen. Ragnhild Struss von Toni Knows zeigt, wie du dich richtig entscheidest.

Zu wem passt ein duales Studium?

Das Konzept des dualen Studiums ist in Deutschland entstanden. Ausschlaggebend dafür war die Kritik vieler Arbeitgeber, es mangele Hochschulabsolventen häufig an praktischen Kenntnissen. Beim dualen Studium wird die reine Theorie mit wertvoller Praxiserfahrung ergänzt. Lernen vor Ort bei Unternehmen macht nämlich einen wichtigen Teil der Ausbildung aus. Die Studierenden sind abwechselnd an der Hochschule sowie im Partnerunternehmen – und können so ihr Wissen gleich in der Anwendung erproben.

Folgende Gründe könnten für ein duales Studium sprechen:

  • Du lernst gerne am konkreten Beispiel und brauchst die eigene Erfahrung: Das Arbeiten im Partnerunternehmen, was ein duales Studium besonders macht, ist dann ideal für dich. So motiviert kann dir auch das theoretische Lernen leichter fallen.
  • Du möchtest schnell und effizient ans Ziel kommen: Ein weiteres Merkmal eines dualen Studiums ist das prall gefüllte Programm. Während andere Studenten Semesterferien haben, verbringen die dual Studierenden ihre Zeit im Unternehmen. Wer sich dafür entscheidet, sollte daher eine ordentliche Portion Ehrgeiz und Zielstrebigkeit mitbringen. Dafür hast du die Chance, in nur 3,5 Jahren einen Bachelor UND eine Berufsausbildung abzuschließen.
  • Du willst möglichst bald in den Beruf einsteigen: Dank der intensiven theoretischen und praktischen Lernerfahrung erwarten dual Studierende hohe Übernahmechancen in den Partnerunternehmen sowie allgemein gute Jobaussichten. So können die meisten Absolventen unmittelbar in den Job einsteigen, ohne noch einen Master zu absolvieren.
  • Du würdest gerne zum Arbeiten in Deutschland bleiben: Das System des dualen Studiums ist im Ausland kaum bekannt. Daher passt es insbesondere zu Absolventen, die gerne in Deutschland arbeiten würden – und hierzulande vom Renommee eines dualen Studiums profitieren möchten. Selbstverständlich ist es jedoch nicht ausgeschlossen, damit im Ausland einen Job zu finden.
  • Dich reizt die Option einer Führungsposition: Wer leiten will und eine Laufbahn im mittleren bis gehobenen Management anstrebt, für den ist ein duales Studium optimal. Denn es gibt viele attraktive Partnerunternehmen, bei denen man sich von Anfang an beweisen und dann oft schnell aufsteigen kann. Allerdings solltest du früh dran sein und dich etwa anderthalb Jahre vor deinem Abi bei deinem gewünschten Praxispartner bewerben. Das macht es wahrscheinlicher, einen der begehrten Plätze zu ergattern  – noch ein Grund, warum vor allem fokussierte Absolventen den Weg des dualen Studiums einschlagen.

Welche Fächer gibt es als duales Studium?

Duale Studiengänge existieren vor allem zu den Bereichen Sozialwesen, Wirtschaft und Technik. Soziale Arbeit, Tourismusmanagement oder Maschinenbau sind dabei typische Fächer, die sich hervorragend als duales Studium umsetzen lassen.

Welche Zulasssungsvoraussetzungen bestehen für ein duales Studium?

Wer sein Studium dual absolvieren möchte, braucht entweder das klassische Abitur, die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Zudem benötigst du einen Ausbildungsvertrag mit dem Partnerunternehmen deiner Wahl. Du findest ein kooperierendes Unternehmen über Listen, die Berufsakademien und duale Hochschulen anbieten. Oder du kontaktierst dein Wunschunternehmen direkt und schlägst die Möglichkeit einer Ausbildung im Rahmen eines dualen Studiums vor.

Duales Studium, klassische Uni oder Ausbildung?: Ragnhild Struss
Ragnhild Struss ist Gründerin von Toni Knows, einem Online-Studien- und Berufswahltest, der individuelle Empfehlungen auf Basis der Persönlichkeit ableitet. Zudem ist sie Autorin und Speakerin sowie Inhaberin der Karriereberatung Struss & Claussen Personal Development. Bereits seit 2003 unterstützt sie mit ihrer Firma Menschen und Firmen dabei, Potenziale zu erkennen, weiterzuentwickeln und strategisch klug einzusetzen.
© Florian Janssen

Duales Studium oder "normal" studieren: Wer ist an einer klassischen Uni besser aufgehoben?

Hier findet sich die größte Vielfalt, was Fächerauswahl und auch Spektrum von Hochschulen angeht: Von großen staatlichen Unis über kleine, eher spezialisierte Fachhochschulen bis hin zu privaten Instituten ist alles dabei. Viele Studiengänge werden an mehreren Hochschulen angeboten. Deshalb hast du bei einem klassischen Studium die Freiheit, auch weitere Aspekte in deine Entscheidung einfließen zu lassen – zum Beispiel  Standort, Atmosphäre auf dem Campus oder Renommee der Uni.

Folgende Gründe könnten für ein klassisches Studium sprechen:

  • Du liebst es, viele Freiheiten zu haben: Nicht nur bei der Wahl der Hochschule, sondern auch während des Studiums bleiben viele Entscheidungen dir überlassen. So kannst du eigene thematische Schwerpunkte setzen und dir deine Zeit für manches frei einteilen, beispielsweise für Auslands oder Urlaubssemester.
  • Du bist selbstständig und kannst dich gut organisieren: Je mehr Freiheiten ein Studium bietet, desto mehr Eigenverantwortung ist nötig. Je nach Hochschultyp und Grad der Betreuung wird dir wenig Struktur vorgegeben – ganz im Gegensatz zur Schule. Du musst selbst Deadlines für Seminaranmeldungen im Auge behalten und dir deinen "Stundenplan" zusammenstellen.
  • Du bist bereit, nebenbei Praxiserfahrung zu sammeln: Es gilt, den potentiellen Nachteil auf dem Arbeitsmarkt, dem Absolventen eines klassischen Studiums mitunter begegnen, schon vorab auszugleichen. Bei dual Studierenden und Azubis sind praktische Erfahrungen Teil des Programms. Als klassischer Student solltest du dich im Studium selbst um Praktika bemühen, in denen du dein Erlerntes anwenden kannst.
  • Dich reizt die Vorstellung, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten: Das Bachelor und Mastersystem ist mit seinem modularen Aufbau international gleich. So ist es beim klassischen Studium kein Problem, während des Studiums an eine Hochschule im europäischen Ausland zu wechseln oder von Anfang an dort zu studieren. Das European Credit Transfer System (ECTS) macht es einfach, sich erbrachte Studienleistungen überall anrechnen zu lassen. So wird außerdem der Weg zu einem späteren Job in einem anderen europäischen Land geebnet.
  • Du möchtest gerne wissenschaftlich arbeiten: Ein klassisches Studium legt den Schwerpunkt auf Theorie und empirische Forschung – und ist somit DER Standardweg für alle, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Engagierte Studenten können zunächst ein Tutorium für jüngere Studierende übernehmen und als wissenschaftliche Hilfskraft (HiWi) in ihrem Fachbereich arbeiten. So hat man schon mal einen Fuß in der Tür für eine weitere akademische Laufbahn.

Duales Studium oder noch mehr Praxis: Für wen empfiehlt sich eine Ausbildung? 

Mit einer Ausbildung gelangen Schulabsolventen sofort ins Berufsleben. Es wird nicht lange theoretisiert, sondern man erlebt gleich den Arbeitsalltag mit seinen konkreten Tätigkeiten und Aufgaben. Strukturell ändert sich erst mal nur wenig: Das Unterrichtssystem an beruflichen Schulen ähnelt mit Klausuren und Ferien dem der Schule. Das macht den Übergang von der Schulzeit in die Ausbildung für viele Jugendliche einfacher. Nach der Ausbildung ist es möglich, sich weiter zu qualifizieren oder zusätzlich zu studieren.

Folgende Gründe könnten für eine Ausbildung sprechen:

  • Du entfaltest dich im Tun: Hast du eine Vorliebe für praktisches Arbeiten – und konntest in der Schule vielleicht gar nicht zeigen, was in dir steckt? Dann kann die Entscheidung für eine Ausbildung dir einen richtigen Push für dein Selbstbewusstsein geben und dich zum Aufblühen bringen.
  • Du magst eine individuelle Betreuung: Während einer Ausbildung arbeiten Lehrer und Arbeitgeber in der Regel eng mit dir zusammen. Du bekommst viele direkte Rückmeldungen, aus denen du sofort lernen kannst. Auch die von außen vorgegebene Struktur vermittelt Sicherheit und sorgt dafür, dass man sich nicht alleingelassen oder orientierungslos fühlt.
  • Du würdest gerne studieren, doch der Schritt an eine Uni erscheint dir noch zu groß: Dann ist eine Ausbildung ein super Startpunkt. Du kannst dich dabei auf "sicherem Terrain" erst mal ausprobieren, selbstständiger werden und dich fachlich orientieren. Außerdem bilden viele Ausbildungsberufe eine ideale Basis für ein anschließendes Studium: Wer beispielsweise ein Architekturstudium in Betracht zieht, kann als ausgebildeter Bootsbauer oder Tischler starten. Und ein OsteopathieInteressent legt mit der Ausbildung zum Physiotherapeuten einen passenden Grundstein.

Tipp: Argumente aufschreiben und die Entscheidung wohlüberlegt treffen

Vielleicht hast du jetzt schon ein Gefühl, welcher der drei Wege am besten mit deiner Persönlichkeit harmonieren würde. Bevor du dich jedoch endgültig festlegst, solltest du gründlich abwägen und in Form einer Pro-und-Contra-Liste eine schriftliche Entscheidungsgrundlage anlegen. Nimm drei Zettel für Duales Studium, klassische Uni und Ausbildung zur Hand. Sammle dort jeweils persönliche Gründe, die für die jeweilige Option sprechen – und welche dagegen. Sei dabei ehrlich zu dir selbst und nimm nicht als Grundlage, wie du gerne wärest. Vielen passiert es nämlich, dass all die Freiheiten eines klassischen Studiums sehr verlockend klingen – es aber bei genauerem Betrachten nicht wirklich zu ihnen passt.

Stell dir dazu die folgenden Fragen:

  • Unter welchen Bedingungen kann ich am besten lernen?
  • Was muss gegeben sein, damit ich in die Gänge komme?
  • Welche Umgebung motiviert mich?
  • Kann ich mich gut selbst organisieren?
  • Oder ist es mir lieber, wenn andere die Struktur vorgeben bzw. die Entscheidungen für mich treffen?

Wirf bei deiner Reflexion auch einen Blick zurück in deine Schulzeit, Nebenjobs oder Praktika. Wenn du dir klarmachst, welche Faktoren dich bisher beflügelt haben, wirst du deiner Entscheidung näherkommen.

Du bist dir noch unsicher, was du eigentlich studieren möchtest? Finde es mit dem Test von Toni Knows heraus!


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