Überstunden auszahlen: Was steht mir zu?

Ein offenes Projekt, ein wartender Kunde – und schon rückt der Feierabend in weite Ferne. Ob Arbeitgeber Überstunden auszahlen müssen, erfährst du hier.

Überstunden auszahlen: 3 wichtige Fakten

  • Grundsätzlich sind Arbeitnehmer nicht zur Mehrarbeit verpflichtet. In Ausnahmesituationen oder Regelungen im Tarif-/Arbeitsvertrag können sie jedoch vorgesehen sein.
  • Überstunden dürfen nicht pauschal mit dem Gehalt oder Lohn abgegolten werden.
  • Bei einem Jahresgehalt von über 78.000 Euro pro Jahr (Osten: 69.600 Euro) ist eine Vergütung von Überstunden nicht vorgesehen (Leitende Angestellte).

Überstunden auszahlen: Was steht im Gesetz?

Grundsätzlich gibt es keine konkrete gesetzliche Basis, nach der Überstunden bezahlt werden müssen. Zunächst gilt die Regelung im Arbeits- oder Tarifvertrag. Steht dort nichts zur Vergütung der Überstunden, haben Arbeitgeber Mehrarbeit auch zu entlohnen.

Eine pauschale Abgeltung über das Gehalt ist nicht zulässig.Der Anspruch auf Vergütung ergibt sich aus § 612 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Dort heißt es:

Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.

Dabei bekommen Arbeitnehmer, die nach Stunden bezahlt werden, einfach die Vergütung pro mehrgeleistete Stunde. Bei Arbeitnehmern mit Fixgehalt orientiert sich die Auszahlung am zu errechnenden Stundenlohn.

Überstunden auszahlen: Vergütung oder Freizeitausgleich?

  • Manche Unternehmen vereinbaren mit ihren Arbeitnehmern im Arbeitsvertrag auch einen Freizeitausgleich für geleistete Mehrarbeit. Gerade Unternehmen mit elektronischer Arbeitszeitkontrolle nutzen gerne den Freizeitausgleich bei Mehrarbeit. Dieser ist dann oft innerhalb einer bestimmten Frist in Anspruch zu nehmen, um nicht zu viele Überstunden aufzubauen.
  • Da vergütete Mehrarbeit dein zu versteuerndes Einkommen erhöht, kann es im Zweifelsfall attraktiver sein, einen Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen.

Überstunden auszahlen: Wie weise ich die Mehrarbeit nach?

  • Am einfachsten lassen sich die geleisteten Überstunden mit einer elektronischen Datenerfassung protokollieren. Wenn Arbeitgeber folglich die Arbeitszeiten der Arbeitnehmer kontinuierlich erfassen, gibt es auch keine zwei Meinungen bezüglich der Mehrarbeit.
  • Wenn jedoch nach Vertrauensarbeitszeit gearbeitet wird, ist eine präzise Dokumentation von Seiten des Arbeitnehmers wichtig. Der Chef bekommt im Zweifel gar nicht mit, dass ein Mitarbeiter länger gearbeitet hat. Als Arbeitnehmer lässt du dir deine Notizen daher auch am besten regelmäßig vom Vorgesetzten unterzeichnen.
  • Allgemein gilt, dass Mehrarbeit nur abgegolten werden kann, wenn sie vom Arbeitgeber verordnet ist oder dieser zumindest davon weiß. Wichtig ist, dass Überstunden nach drei Jahren, sofern im Arbeits- oder Tarifvertrag nicht anders geregelt, verjähren. Bei Streitereien bezüglich Überstunden kann ein Anwalt hilfreich sein.

Überstunden auszahlen: Arbeitszeit und Kündigung

  • Arbeitszeit: Die tägliche Arbeitszeit soll nicht mehr als acht Stunden betragen, kann allerdings auf zehn Stunden verlängert werden, sofern der Arbeitgeber in den kommenden sechs Monaten einen Freizeitausgleich genehmigt.
  • Kündigung: Im Falle einer Kündigung nutzen Arbeitnehmer gerne die Möglichkeit, die verbleibende Arbeitszeit über einen Abbau von Überstunden zu reduzieren. Wenn der Arbeitnehmer jedoch eine vom Arbeitgeber vorgelegte Ausgleichsquittung annimmt, wird auf jeglichen Anspruch auf Abbau der Überstunden verzichtet.

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