Unternehmensgründung finanzieren: 5 Wege zum Geld

Wer ein Unternehmen gründet, braucht eine gute Idee - na klar. Doch genauso wichtig ist eine solide Finanzierung. Die fünf wichtigsten Wege zum Firmenkapital.

1. Bootstrapping: Wenn man es allein stemmen will

Mit möglichst wenig Geld so weit wie möglich zu kommen - das ist die Idee hinter "Bootstrapping". Der Begriff leitet sich ab von der englischen Redewendung "to pull oneself up by the bootstraps", was so viel bedeutet wie: sich aus eigener Kraft hochrappeln. Um herauszufinden, ob eine Geschäftsidee funktioniert, starten viele Gründer zunächst mit ihrem eigenen Geld. Knapp ein Drittel leiht sich laut dem Deutschen Start-up Monitor auch Geld von Freunden und Familie. "Die Kunst ist es dann, diese begrenzten Mittel möglichst effizient einzusetzen", sagt Eva Lutz, Professorin für Entrepreneurship und Finanzierung an der Universität Düsseldorf. Das heißt: Statt teure Werbeplakate zu bezahlen, schaltet man originelle Werbung in sozialen Netzwerken. Und man packt lieber selbst an, als neue Mitarbeiter einzustellen. Der Vorteil dabei: Als Gründerin bleibt man komplett unabhängig. 

Sie müssen sich nicht gegenüber Investoren rechtfertigen oder Kredite zurückzahlen

Wer sein eigenes Geld investiert, ist zudem gezwungen, so schnell wie möglich Gewinne zu schreiben. Und falls man die tatsächlich einfährt, hat man eine deutlich bessere Verhandlungsposition, wenn man sich später doch noch externe Geldgeber ins Unternehmen holt. Der Nachteil beim Bootstrapping: Besonders forschungsintensive Gründungen oder ein neuer Maschinenpark lassen sich so kaum finanzieren. Und wer stets nur das reinvestiert, was er vorher mit seiner Firma erwirtschaftet hat, wird vergleichsweise langsam wachsen. Bei Ideen, die sich leicht kopieren lassen, ist Bootstrapping daher ebenfalls nicht zu empfehlen. Im Zweifel ist dann nämlich ein Konkurrent schneller.

2. Stipendien und Förderprogramme: Wenn man überschaubare Summen braucht

Ina Henkel hat 2017 gemeinsam mit Katrin Kühn und Sabrina Jaap das Unternehmen Tenetrio gegründet, das Hundefutter aus Insekten produziert. Dafür brauchten die drei Frauen Maschinen, die deutlich teurer waren als die 25 000 Euro Startkapital, die sie selbst aufbringen konnten. Also schauten sie sich nach Förderprogrammen um. Davon gibt es inzwischen eine ganze Menge. Neben dem bundesweiten EXIST-Stipendium, das sich besonders für wissenschaftliche Gründungen eignet, etwa auch das EU-geförderte Programm "SME Instrument" für kleine und mittelgroße Unternehmen. Dazu kommen die Förderprogramme der Bundesländer. Hier erhält man meist für einen bestimmten Zeitraum Geld für seinen Lebensunterhalt, teils auch Zuschüsse für Beratungen. Einen Überblick über die Programme bietet die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums (www.foerderdatenbank.de).

Hochschulabsolventen, die gleich nach dem Studium gründen wollen, sollten sich zudem nach Angeboten an ihrer Universität erkundigen: Dort gibt es nicht unbedingt finanzielle Hilfe, aber oft eine gute und kostenlose Gründungsberatung. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann den Gründungszuschuss der Arbeitsagenturen beantragen. Der wird maximal für
 15 Monate gezahlt und an das Arbeitslosengeld angepasst.
Ina Henkel und ihr Team entschieden sich für eine Bewerbung für das EXIST-Stipendium: Ein Jahr bekommt man dort zwischen 1000 und 3000 Euro pro Monat. Acht Wochen mussten sie warten, bis das Bundeswirtschaftsministerium ihren Antrag beurteilt hatte, danach dauerte es einen weiteren Monat, bis das Geld floss.

Um Erfolg zu haben, muss man aus der Masse der Bewerber hervorstechen 

Von den rund 3300 EXIST-Anträgen seit 2007 wurden nur etwa 1800 bewilligt. Doch Tenetrio konnte bei der Bewerbung schon eine erste Version des Hundefutters präsentieren und hatte Gespräche mit Hundebesitzern und Fachhändlern geführt. Ihre Erkenntnisse hatten die Gründerinnen in einem Businessplan notiert. Das überzeugte, sie bekamen den Zuschlag. Und hatten so ein Jahr Zeit, das Futter weiterzuentwickeln und Kontakte zu weiteren Geldgebern aufzubauen. Heute verkauft Tenetrio 500 bis 1000 Packungen Futter pro Monat und hat kürzlich 1,1 Millionen Euro von Investoren eingesammelt, unter anderem von der Brandenburger Förderbank ILB.

3. Business Angels und Wagnis-Kapitalgeber: Wenn es doch etwas mehr sein soll

Braucht man mehr Geld, reichen öffentliche Förderprogramme aber oft nicht aus. Lea-Sophie Cramer, die vor sechs Jahren den Online-Sexshop Amorelie gestartet hat und heute als eine der erfolgreichsten deutschen Gründerinnen gilt, machte sich deshalb auf die Suche nach sogenannten Business Angels. Das sind Privatpersonen, die meist selbst erfolgreiche Unternehmer sind und nun Start-ups fördern. Der Deal: Die Start-ups bekommen Geld und Wissen, der Business Angel Unternehmensanteile. Wie viele Anteile man abgibt, variiert; ab fünf Prozent ist alles möglich. Grundsätzlich aber gilt: Man sollte versuchen, anfangs möglichst viele Anteile zu behalten, weil man sonst die Kontrolle über sein Unternehmen verlieren kann. Einige wichtige strategische Entscheidungen können nämlich nur mit Dreiviertelmehrheit beschlossen werden. Besitzt ein Investor also mehr als 25 Prozent der Anteile, kann er unter Umständen zentrale Beschlüsse blockieren; er hat eine sogenannte Sperrminorität. Wagniskapitalfirmen wie Acton oder der staatlich geförderte Hightech-Gründerfonds geben die größten Summen. Sie steigen aber erst dann in ein Unternehmen ein, wenn klar ist, dass eine Geschäftsidee funktioniert.

Lea-Sophie Cramer schaffte es mit viel Verhandlungsgeschick, von Investoren wie Epic Companies, einer Tochterfirma von ProSiebenSat.1, mehr als eine Million Euro einzusammeln. Bei der Auswahl der Investoren sollte man sorgfältig vorgehen, rät sie. "Wichtiger als das Geld ist die Frage, welches Wissen der Investor mitbringt: Ist er gut vernetzt und kann Kontakte vermitteln? Hat er Expertise beim Aufbau von Unternehmen?" Auch die strategischen Ziele sollten sich ähneln. Denn Start- ups können zwar mithilfe des Fremdkapitals schneller wachsen, müssen dem Investor aber selbst ohne Sperrminorität Mitsprache gewähren. Das lässt sich besser ertragen, wenn man in zentralen Dingen einer Meinung ist.

4. Bankkredite: Wenn man sich nicht reinreden lassen will

Nicht allein entscheiden zu können, kommt für Lilja Bairamova derzeit nicht infrage. Die Gründerin stellt unter dem Label Orbasic nachhaltig produzierte Kinderkleidung her und hat sich gegen einen Investor und für einen Bankkredit entschieden. Genauer: für den „ERP-Gründerkredit Startgeld“ der KfW-Bank. Das ist ein zinsgünstiger Kredit (ab 2,07 Prozent effektivem Jahreszins), den Jungunternehmer über ihre Hausbank beantragen können. Pro Jahr vergibt die KfW etwa 20 000 dieser Kredite. Die Gründerinnen behalten dabei alle Unternehmensanteile, müssen das Geld aber je nach Vertrag nach fünf oder zehn Jahren zurückgezahlt haben.

Diese Art der Finanzierung eigne sich vor allem für Geschäftsmodelle, die nicht auf schnelles Wachstum ausgerichtet und weniger kapitalintensiv sind, sagt Christine Volkmann, Professorin für Unternehmertum an der Universität Wuppertal. Um Banken zu überzeugen, sollte man beim Antrag auf den Kredit genau erklären, welche Expertise man mitbringt und wie man zeitnah schwarze Zahlen schreiben will.

Lilja Bairamova fiel das nicht schwer: Sie betreibt schon seit mehreren Jahren einen Blog über Kindermode. Zudem hatte sie sich die Hilfe eines Unternehmensberaters geholt. Für sein Honorar beantragte sie einen Beratungszuschuss. Dadurch musste sie nur noch die Hälfte selbst zahlen. "Diese Investition hat sich enorm gelohnt", sagt sie. Der Berater rechnete mit ihr das Geschäftsmodell durch und half ihr, sich auf kritische Fragen der Bank vorzubereiten. Denn oft muss man im Bankgespräch den Businessplan genau erklären. Zur Sicherheit bewarb sich Bairamova nicht nur bei einem, sondern bei drei Geldhäusern. Eine weise Entscheidung: Zwei sagten ab, eines ohne Begründung, eines, weil es nicht an das Geschäftsmodell glaubte. Das dritte sagte zu.

5. Crowdfunding/Crowdinvesting: Wenn man viele von seiner Idee begeistern kann

Lilja Bairamova setzte zudem auf die Macht der Masse: Sie stellte ihr Unternehmen kürzlich auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vor und sammelte dort weitere gut 16 000 Euro ein. Beim Crowdfunding investieren viele Privatpersonen jeweils einen kleinen Betrag. Ist die Gründung erfolgreich, bekommen sie entweder die ersten produzierten Produkte oder Anteile, je nach Plattform.

Der Aufwand für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne sei aber nicht zu unterschätzen, warnt Expertin Christine Volkmann. Um eine stimmige Marketingstrategie zu entwickeln, brauche es oft Wochen. Und professionelle Bilder und Videos für die Internetseite kosteten schnell Tausende Euro. Crowdfunding eigne sich zudem eher für gut verständliche Geschäftsmodelle: "Gründungen, die gesellschaftliche Probleme lösen oder Alltagsprodukte anbieten, haben oft die besten Chancen."

Der große Vorteil beim Crowdfunding ist, dass man durch die Plattform bekannt wird und ein direktes Feedback von seinen Kunden bekommt

 Wie viel Geld sind Eltern bereit, für ihre Kinderkleider auszugeben? Kaufen sie eher Pullover oder T-Shirts, blau, grün oder orange? Diese Fragen könne sie nun sehr viel besser beantworten. Die ersten Kleider an ihre Unterstützer hat die Unternehmerin bereits verschickt.

Brigitte 16/2018

Wer hier schreibt:

Katja Scherer

BRIGITTE Academy direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!