Vom Chef zum Praktikant: So aufregend können neue Abenteuer sein

Neue Horizonte? Gern. Aber Auswandern war für Chef-Produktdesignerin Eva (53) keine Option. Sie tat es trotzdem, auf Zeit. Und fand als Praktikantin im tiefsten Asien zu sich.

Weder ausgebrannt noch überarbeitet war ich damals vor drei Jahren, es war etwas anderes, was mich trieb. Vor 25 Jahren hatte ich mit zwei Partnern meine Firma gegründet; über 30 Mitarbeiter waren wir jetzt, die meisten davon halb so alt wie ich. Und weil die Welt der Produktdesigner schnelllebig ist, rückten gefühlt täglich neue Generationen nach.

Ich ging als Praktikantin für eine Wohltätigkeitsorganisation nach Kambodscha

Abgeklärt kam ich mir vor, wenn mir Ideen präsentiert wurden, besserwisserisch fast. Vielleicht frustriert? Ich nehme den jungen Kollegen eine Chance, dachte ich. Und auch mir nahm ich etwas. Denn irgendetwas fehlte, das spürte ich. Noch mal raus? Umsatteln? Mich auszahlen lassen? Wollte ich das? Mein eigenes Geschäft aufgeben? Zu radikal? Und dann noch mein Umfeld verlassen? Das Haus, den Mann, die Kinder? Viele Fragen, und dennoch war klar: So wie jetzt wollte ich nicht mehr. Also ließ ich mir meine Anteile als festes Gehalt auf Zeit auszahlen und ging als Praktikantin für eine Wohltätigkeitsorganisation nach Kambodscha. Ganz bewusst habe ich nur für die ersten Nächte ein Hotel gebucht. In einem TukTuk, einer Art motorisierten Rikscha, ließ ich mich durch die Stadt fahren, hielt Ausschau nach einer Bleibe. In der Frühstückspension, die ich fand, lebte ich wie in dem Land üblich: ohne Garantie für Strom, fließendes Wasser oder WLAN.

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Ich war wieder bereit für die kleineren Aufgaben - anders als ich sie vor 25 Jahren angegangen wäre

Das Projekt, für das ich tätig war, unterstützte junge Kambodschaner dabei, eine Ausbildung zu finden. Und ich? War plötzlich in einem engen, heißen Büro Mädchen für alles – und übte mich bewusst im Perspektivwechsel. Mein Chef, ein junger Typ, wirkte sichtlich gehemmt, mir einfache Aufgaben zu übertragen. Hey, du bist der Boss, sagte ich ihm. Es war mir wichtig, als das behandelt zu werden, was ich hier offiziell war. Sonst hätte ich schließlich zu Hause bleiben können. Mit der Zeit klappte es, ich konnte endlich wieder eine Lernende sein. Meine Augen für neue Aufgaben öffnen, neue Herausforderungen, das Verständnis für ganz neue Probleme, die vor 25 Jahren einfach anders angegangen wurden als jetzt. Die Sprachbarriere sorgte dafür, dass ich mich ständig neu zurechtfinden musste: beim Einkaufen, Essengehen, Mopedtanken. Mit Letzterem fuhr ich überallhin. Zu Hochzeiten, auf die Kolleginnen mich einluden, zu Karaoke-Abenden, zu Ausflügen aufs Geratewohl, bis der Sprit alle war.

Seit ich zurück bin, bin ich eine andere. Du kannst es, sag ich mir jetzt oft – neue Wege bestreiten nämlich. Jederzeit könnte ich das Netz, das mich vermeintlich trägt, wieder verlassen. Das lässt mich fürs Erste gern in der Routine weitermachen.

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