Wieso brauchen wir Frauen-Clubs, Frau Rados?

Antonia Rados hat Jahrzehnte lang als Kriegsreporterin gearbeitet und ist für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet worden. Im Team hat sie jetzt in ihrem Wohnort Wien einen Women's Hub "A+FRIENDS | THE SOCIAL HUB" eröffnet: ein stylish und modern eingerichtet Ort, mit Raum zum Arbeiten, Netzwerken, Lesen, für Yoga und gesunde Ernährung. Aber wieso müssen Männer draußen bleiben?

Frau Rados, wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Projekt?
Ich trage die Idee mit mir, seit ich bei einem Vortrag, eine reine Frauen-Zuhörerschaft hatte. Die Gruppe war aufmerksam, neugierig und stellte danach intelligente Fragen. Ich blieb mit einigen der Frauen in Kontakt und daraus ergab sich die Idee eines Frauenclubs – nach dem Vorbild der männlichen Herrenclubs. Wir wollen jedoch nicht nur nur imitieren, sondern selbst was Neues versuchen. Das ist nie so leicht wie man sich das vorstellt, aber jetzt steht der Club plötzlich vor uns. Unser Ziel ist ein doppeltes: Eine Plattform für junge Frauen zu sein, die was brauchen und Plattform für Frauen zu sein, die was zu geben haben. Bei uns treffen Unternehmerinnen, Künstlerinnen und Studentinnen aufeinander. Wir coachen die Jungen nicht im Konferenzsaal, sondern in einer schönen Atmosphäre, bei Kaffee und veganer Küche.

Wieso brauchen wir Frauen einen Rückzugsort nur für uns, in dem wir sowohl Coachings bekommen als auch Netzwerken, Lesen, Cocktaits trinken und Yoga machen können, wie in Ihrem Women's Hub?
Frauen von heute haben keine Zeit – weil sie viele Rollen haben, Ehefrau, Mutter,  Kindermädchen, Putzfrau, alles in einem. Sie bleiben dabei selbst auf der Strecke. Wir wollen der Frau einen Ort geben, wo sie, "SIE“ sein kann, wo sie sich fortbilden, entspannen, inspirieren lassen kann. Und wo die Wege kurz sind: neben der Kaffeemaschine und ist der Buchclub und 50 Meter weiter liegt der Yogaraum. Alles für sie, die Frau, die keine Zeit hat.

Warum stören Männer in so einem Rahmen ? 
Sie stören uns nicht, sie sind sogar als Vortragende willkommen. Samstags kann auch die ganze Familie unserer Mitglieder zu einem Family Brunch kommen. Doch die restliche Zeit sind unsere Mitglieder unter sich.

In welcher Phase Ihres Lebens hätten Sie sich einen Ort wie den Women's Hub gewünscht?
Ich hätte mir immer gewünscht, mehr Vorbilder zu haben, die ich bei Bedarf vor Ort treffen kann. Man braucht glaubhafte Vorbilder. Im Club können junge Frauen Andere treffen, die sie fördern und auch fordern.

Wenn Sie ein Jahr in die Zukunft denken, welcher Ort ist aus dem Women's Hub geworden?
Das kann ich nicht beantworten. Warum? Ich denke, man muss Risiken eingehen, ohne zu wissen, ob das jetzt in einem Jahr ein Erfolg ist oder nicht. Ich meine, wir alle, die wir in dem Club nun arbeiten, sind uns bewusst, dass Ideen am Beginn stehen und dann die harte Alltags-Arbeit folgt.

Welche Geschichten oder Ideen hoffen Sie, entstehen zwischen den Frauen im Club?
Unser Club besteht aus Essen und Trinken und in unserem Fall auch aus Yoga. Er hat seine angenehmen Seiten, aber nicht nur. Man muss sich als Frau mit anderen Frauen messen können – wenn hier als gemeinsam Ideen entstehen, müssen sie gut, interessant sein. Ich habe keine Zweifel daran, dass es heute genug Frauen gibt, die diese guten Ideen ausdrücken bzw. weitergeben können.

Wie können wir Frauen uns gegenseitig im Alltag am besten supporten?
Nicht anders als die Männer – indem wir in unserer Zeit leben. Unser Zeit verlangt, dass wir gut ausgebildet sind. Eine gute Ausbildung, egal welcher Art, ist die halbe Miete.

Werden Sie selbst auch Zeit im Women's Hub verbringen?
Wenn ich was mache, mache ich es 200-Prozentig. Daher werde ich  mehr im Club sein als daheim. Und ich freue mich sogar darauf! 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Rados. 

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