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Work-Life-Balance Darauf kommt es wirklich an

Work-Life-Balance: Frau sitzt auf der Couch vorm Laptop
© simona pilolla 2 / Shutterstock
Privatleben und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht. Worauf es ankommt und was du tun kannst. 

Definition der Work-Life-Balance

Die Übersetzung der englischen Begriffe lautet Arbeit (work), Leben (life) und Gleichgewicht (Balance). Aus der Kombination der Begriffe lässt sich die Bedeutung schnell ableiten: Die Work-Life-Balance zielt darauf ab, die Lebensbereiche Arbeit und (Privat-)Leben in ein Gleichgewicht zu bringen. Warum gibt es die überhaupt?

Darum ist die Work-Life-Balance wichtig

Stress, Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeit und fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen dazu, dass wir uns mit dem richtigen Gleichgewicht der beiden Lebensbereiche auseinandersetzen sollten. Der Begriff kann zwar so interpretiert werden, dass Arbeit und Leben getrennt voneinander gehören und dass Arbeit kein richtiges "Leben" sei ... Doch nicht jeder findet im Job die große Erfüllung – und das muss auch nicht sein. Nichtsdestotrotz gehört für die meisten Arbeit, ob nun selbstständig oder angestellt, zum Leben dazu. Mehr und mehr verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben ...

  • .... sei es durch Entgrenzung der Arbeit (z. B. wegen Homeoffice oder ständiger Erreichbarkeit mit Smartphones) und/oder ...
  • ... durch (tatsächlichen oder selbst gemachten) Druck, im Job alles geben zu wollen oder alles machen und können zu müssen.  

Das trifft sicherlich nicht auf alle Arbeitnehmer zu. Doch in einigen Berufen bzw. Branchen, in denen Unternehmen z. B. den Fachkräftemangel zu spüren bekommen, arbeiten die Mitarbeiter oftmals bis zur Belastungsgrenze – ein Gleichgewicht der beiden Lebensbereiche ist so schwer möglich. Denn nicht immer liegt alles in unserer Hand: So erschweren unzureichende Bezahlung (dadurch z. B. nicht möglich weniger zu arbeiten), Schichtdienste und eine schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein ausgewogenes Verhältnis.

Wenn der Job zu viel Raum einnimmt, kann das gesundheitsgefährdend werden: Burnout ist ein Syndrom, bei dem sich der Betroffene sowohl körperlich als auch psychisch ausgebrannt fühlt. Bei einem Burnout liegt die Ursache nicht immer im beruflichen Kontext, sondern kann auch Ursachen im Privatleben haben. Mehr über Burnout erfährst du an dieser Stelle.

Arbeit und Leben gerecht aufteilen?

Die Work-Life-Balance impliziert keine 50:50-Aufteilung, sondern ist eine individuelle Entscheidung. Einigen ist berufliches Vorankommen wichtig, dafür stecken sie unter Umständen im Privatleben zurück und räumen der Arbeitswelt mehr Platz ein. Andere wiederum setzen ihren Fokus auf Familie, Hobbys und/oder Ehrenamt und stecken im Job zurück. Die Priorisierung kann sich außerdem im Laufe des Lebens ändern. Sind berufliche oder familiäre Wünsche erfüllt, gewinnt vielleicht mit der Zeit ein anderer Bereich an Gewicht. 

Work-Life-Balance und Unternehmen

Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass den Menschen die eigene Work-Life-Balance wichtig ist und bieten verschiedene Möglichkeiten für Mitarbeiter an, wie bspw.:

  • Flexible Arbeitszeiten (Gleitzeit, Arbeitszeitkonten)
  • Teilzeitarbeit/andere Arbeitszeitmodelle
  • Homeoffice und mobiles Arbeiten
  • Job-Sharing
  • Betriebliche Gesundheitsvorsorge (Gesundheitsangebote wie Sportkurse oder Massage)
  • Selbstmanagementangebote (z. B. Zeitmanagement)
  • Kinderbetreuung

Angebote wie diese sollen eine ausgewogene Work-Life-Balance unterstützen – von der auch die Arbeitgeber profitieren wollen, z. B. durch motivierte und gesunde Mitarbeiter.

Wie viele Dinge im Leben, haben auch einige dieser Angebote Vor- und Nachteile. Das zeigt eine DAK-Studie, die Arbeitnehmer befragt hat, die während der Corona-Krise im Homeoffice gearbeitet haben. Bei den Teilnehmenden stellten sich folgende Vorteile heraus:

59 Prozent gaben an, im Homeoffice produktiver zu sein
  • 68 Prozent empfanden es als positiv, dass der Arbeitsweg wegfällt und so mehr Zeit bleibt
  • 77 Prozent hatten durchs Homeoffice mehr Zeit mit der Familie
  • Eine flexiblere Einteilung des Tages schätzten 65 Prozent der Befragten
  • Der Anteil derer, die sich täglich gestresst fühlten, gingen um 29 Prozent zurück

Das Homeoffice scheint einen großen Beitrag zu einem ausgewogenen Verhältnis zu leisten, in einigen Fällen führte es allerdings zum Gegenteil: So gab jeder Zweite unter 30 an, Beruf und Privatleben nicht mehr richtig trennen zu können.

Was tun?

Wie gelingt nun der Ausgleich zwischen den beiden Welten? Wer in seiner beruflichen Tätigkeit aufgeht und viel Zeit investiert, sollte dem weiter nachgehen – es gibt keinen Grund das zu ändern. Genauso wie bei Menschen, die sich mehr Zeit mit der Familie wünschen und die Arbeitszeit reduzieren wollen.

Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist nicht sinnvoll, zu verschieden sind berufliche Tätigkeiten und deren Anforderungen sowie Familienkonstellationen, eigene Bedürfnisse und Wünsche und generell die Lebensentwürfe. Wichtig ist es, zuerst herauszufinden, wo es hakt, wenn es denn hakt. Hier findest du ein paar Fragen als Orientierung;

  • Nimmt der Job zu viel Raum ein? Warum ist das so (zu viele Überstunden, zu viele Aufgaben, ...)? Lässt sich das durch ein anderes Arbeitszeitmodell ändern oder durch das richtige Stress- oder Zeitmanagement?
  • Nutze ich meine Freizeit so, wie ich es mir wünsche? Wenn nicht, woran liegt das und wie kann ich es ändern?
  • Was raubt mir unnötig Energie?
  • Was trage ich dazu bei, dass die beiden Lebensbereiche nicht ausgewogen sind? Haben berufliche und private Termine für mich die gleiche Priorität – sollten sie das haben?

Wenn du weißt, wo die Stolpersteine liegen, folgt im zweiten Schritt die Umsetzung – step by step. 

Tipps für die ausgewogene Work-Life-Balance

  • Fallen bei dir häufig Überstunden an, hinterfrage woran das liegt. Ist das Pensum in deiner Arbeitszeit einfach nicht zu schaffen, kannst du mit deiner Vorgesetzten sprechen. Oder für dich Zeitmanagement-Methoden ausprobieren. 
  • Du würdest dich gerne mehr um deine Familie kümmern? Vielleicht ist es möglich die Arbeitszeit zu reduzieren oder flexibler zu gestalten.
  • Länger zu arbeiten, heißt nicht zwingend auch produktiver zu sein! Mittlerweile versuchen sich vereinzelt Unternehmen an 5-Stunden-Tagen oder an der 4-Tage-Woche und stellen fest, dass die Produktivität darunter nicht leidet, sondern in einigen Fällen sogar steigt!
  • Erholungsphasen sind wichtig für die Regeneration. Wie die aussehen, ist vom Menschen abhängig. Das kann entspannen bei einem Buch sein, das kann aber auch Sport, Musik machen oder sonst etwas sein. 

Säulen-Modelle für ein zufriedenes Leben

Zufriedenheit im Leben entsteht nicht zwingend dadurch, dass es in einem Lebensbereich besonders gut läuft – und im restlichen gar nicht. Vielleicht ist der Blick auf das große Ganze eine Hilfe, die eigene Work-Life-Balance nicht nur ausgewogen zu leben, sondern das gesamte Leben in Einklang zu bringen.

Es existieren bereits etliche Balance-Modelle , die die wichtigen Lebensbereiche für ein glückliches oder zufriedenes Leben identifiziert haben wollen. So sieht die Journalistin und Speakerin Emily Smith vier Säulen für ein gelungenes Leben, welche sich aus Forschungsergebnissen, Literatur und Philosophie ergeben:

  1. Zugehörigkeit: Gemeinschaft mit anderen erfahren
  2. Bestimmung: Einen Lebenszweck für sich finden
  3. Geschichten: Wir entwickeln eine eigene Identität durch Erzählen
  4. Erfahrung eines großen Ganzen: das Ich in Verbindung mit dem großen Ganzen

(aus: "Glück allein macht keinen Sinn, Die vier Säulen eines erfüllten Lebens", Goldmann Verlag, 2020)

Das Balance Modell nach Nossrat Peseschkian enthält ebenfalls vier wichtige Bereiche:

  1. Soziale Kontakte 
  2. Gesundheit und Körper
  3. Sinn und Kultur
  4. Beruf und Leistung

Einige Säulen-Modelle haben vier, andere fünf oder gar sieben Säulen. Sie gehen aber immer über die Einteilung von Arbeitswelt und Privatleben hinaus. Das kann helfen, um zu identifizieren, was einem wichtig ist, worauf man einen Fokus setzen möchte oder was einem vielleicht im Leben noch fehlt. Dazu kannst du dir zu jedem Bereich Fragen stellen, wie bspw.:

  • Habe ich Menschen um mich, denen ich vertrauen kann?
  • Sehe ich Freunde und Familie oft genug?
  • Was kann ich für meine körperliche und geistige Gesundheit tun?
  • Habe ich genug Zeit für mich selbst?
  • Gibt es für mich Sinnvolles im Leben?
  • Was ist mir wichtig?
  • Welche Ziele habe ich?
  • Bin ich zufrieden in meinem Job?

Mit Hilfe der Selbstreflektion kannst du herausfinden, wie du deine Work-Life-Balance oder deine Lebensbalance in den für dich passenden Einklang bringst.

Tipp: In der BRIGITTE-Community kannst du dich mit anderen rund um Job-Themen austauschen. 


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