Trend oder nur Hype – Interview mit Trendforscherin Corinna Mühlhausen

Corinna Mühlhausen ist Trend- und Zukunftsforscherin und Speakerin auf unserem BRIGITTE Academy Balance Day am 30.03.2019 in Hamburg. Sie erforscht Trends im Hinblick auf große gesellschaftliche Werte wie die Urbanisierung, Digitalisierung und Individualisierung und gewährt uns schon vorab einen Blick in ihre Arbeit. 

Wie arbeitet ein Trendcoach? 
Als Trendcoach coache ich Unternehmen und Marken, die wissen möchten, was ihre Kunden wirklich interessiert und warum ihr Marketing gut oder schlecht ankommt. Personalabteilungen berate ich bezüglich ihrer Mitarbeiter: Wie ticken Menschen? Was haben unterschiedliche Generationen für Bedürfnisse am Arbeitsplatz?

Wie ist die Trendforschung entstanden?
Die Trendforschung kommt aus dem englischsprachigen Raum und begann Anfang der neunziger Jahre. Man versucht dabei, Prognosen abzugeben und Visionen zu entwickeln. Denn jeder, der ein neues Produkt auf den Markt bringen möchte oder nur die Kommunikation oder Marke verändern will, muss wissen, ob er den richtigen Weg geht – dafür ist die Trend- und Zukunftsforschung wichtig.

Und was genau ist ein Trend?
Ich habe ein System entwickelt, das die Fülle an Trendbegriffen einfängt, weil es mich gestört hat, dass jede Woche ein neuer „Trend“ ausgerufen wurde. Es ist wichtig, zwischen einem kleinen Hype, Branchentrend und einem wirklichen Mega-Trend zu unterscheiden. Megatrends sind langsam, betreffen die gesamte Gesellschaft und verändern sich nicht wesentlich. Basierend auf menschlichen Bedürfnissen entstehen solche Megatrends. Aktuell ist die Individualisierung ein Megatrend, den wir auch auf dem BRIGITTE Academy Balance Day thematisch aufgreifen. 

Wie kann man Trends thematisch eingrenzen?
Ich habe erkannt, dass es bei den menschlichen Grundbedürfnissen vier Achsen gibt und daraufhin das Trendcoach-Trendraster entwickelt. Wenn man sich diese vier Achsen in einem Kreuz vorstellt, steht das Ich links und das Wir rechts. Auf der Y-Achse stehen oben Kultur und Technik und unten Natur und Nachhaltigkeit. Nimmt man dann als Beispiel den Trend der Digitalisierung, so wird dieser oben links zwischen dem Ich und der Technik eingeordnet. Man sieht aber, dass sich der Trend wieder in die Gegenrichtung bewegt und zum Wir und der Natur übergeht. 

Was sind denn die neuesten Zukunftstrends?
Ganz auffällig ist momentan das Ende der Achtsamkeit, wie wir das Konzept bisher verstanden haben. Das Missverständnis, dass Selbstoptimierung nur etwas für egozentrische „Höher-Schneller-Weiter-Typen“ ist, endet. Es geht nicht mehr nur um mich selbst. Vielmehr geht es darum, sich um sich selbst zu kümmern, um auch mehr Kraft und Zeit für andere Menschen zu haben. So ist man weniger online und es spielt sich nicht mehr alles so stark auf Social Media-Kanälen ab. Wir haben zum Beispiel wieder Spaß daran, ein gedrucktes Buch zu lesen.

Ein weiterer wichtiger Trend ist außerdem die Flucht zurück in die Natur. Im Werteindex, einer Social Media Analyse, mit dem die wichtigsten Werte der Menschen bestimmt werden, ist die Natur von Platz vier auf Platz eins gesprungen. Jahrelang war das Thema Gesundheit auf Platz eins, das ist nun auf Platz zwei gerutscht. Während also alle über die Digitalisierung sprechen, haben wir Sehnsucht nach einem Gegenpol. Auch die Urbanisierung spielt da mit hinein, denn wenn wir alle in urbanen Räumen leben, brauchen wir die Natur als Ausgleich. Kleine Anzeichen dafür sind Naturkosmetik, die eigene Ernte von Kräutern im Supermarkt und viele weitere Aspekte.

Beim BRIGITTE Academy Balance Day möchten sie unter anderem über das Thema Self Coaching sprechen. Was ist der Unterschied zwischen Selbstoptimierung und Self Coaching?
Eigentlich ist Self Coaching nur ein sprachliches Synonym für Selbstoptimierung. Allerdings ist der Begriff der Selbstoptimierung sehr stark davon geprägt, dass es immer um das maximale Optimum geht. Durch den Wandel zum persönlichen Optimum, das auch langsamer, weniger und zu einem passender erreicht werden kann, brauchte es einen neuen Begriff und Self Coaching soll dieses neue Optimum ausdrücken.

Sie haben den Begriff Healthstyle geprägt – was verstehen sie darunter?
Der Begriff Healthstyle soll das neue Verständnis von und für Gesundheit auf einen Nenner bringen und ist das Synonym für einen sportlichen, gesundheits- und genussorientierten Lifestyle. Darin spiegeln sich verschiedenste Facetten von Gesundheit wieder, wie beispielsweise die persönliche Fitness und Leistungsfähigkeit im Job und auch im sportlichen Bereich, aber auch die Schönheit beziehungsweise das gesunde Aussehen. 

Danke für das Gespräch, Corinna. 

Wer hier schreibt:

Rabea Sobolewski

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