Marleen Stikker: Die Befreierin des Internets

Die It-Welt und das Silicon Valley werden von Männern dominiert. Doch auch immer mehr Frauen revolutionieren die Technikbranche. Eine von ihnen: Marleen Stikker - sie erklärt den Menschen, wie sie im Netz
 ihre Daten schützen können.

Marleen Stikker möchte Technologie offener gestalten

Technologie verständlicher und gerechter zu machen - das hat sich Marleen Stikker vorgenommen. Die 55-jährige Niederländerin hat damit bereits Erfahrung: Sie entwickelte 2013 mir einem Team das Fairphone, das erste weitgehend ökologisch und sozial verträglich produzierte Handy. Das Besondere daran: Einzelteile wie Display und Akku sind so verbaut, dass sie sich nahezu ohne Werkzeug austauschen lassen. Fairphone-Nutzer können ihr Gerät reparieren, statt es zu entsorgen, was den Elektros-Schrott reduziert, und verstehen gleichzeitig, wie die Technik dahinter funktioniert. Das Telefon verkaufte sich laut Stikker 100.000-mal und wurde 2016 mit dem europäischen Umweltpreis für Unternehmen ausgezeichnet. 

Stikker wollte den großen Firmen zeigen, dass es auch anders geht. "Meine Mission ist es, Technologie offener zu gestalten und dabei jeden zu integrieren." Dazu hat sie eine Menge Ideen: Mit ein paar technikaffinen Amsterdamern baute sie Feinstaub- und Stickoxid- Messgeräte, die jetzt an Häuserwänden viel befahrener Straßen hängen und per WLAN die Abgaswerte an die Anwohner funken. So wollen die Bürger Druck auf die Stadt ausüben, besonders frequentierte Strecken zu entlasten. Entscheidend ist laut Stikker auch, wie transparent ein Projekt ist: Jeder kann in die Programmierung der Software einsehen.

Sie fordert: Mehr Transparenz und Aufklärung

Genau diese fehlende Transparenz wirft Marleen Stikker den großen Unternehmen des Silicon Valley vor. Regelmäßig trommelt sie Amsterdams Bürger zusammen, um sie darüber aufzuklären, wie etwa Facebook ihre Daten für Werbezwecke missbrauche. "Die Leute sehen die Probleme. Aber man kann ihnen nicht nur sagen, wem sie nicht trauen dürfen, man muss auch mit einer Lösung kommen", sagt sie. Deshalb arbeitet sie an einer Alternative: einer internationalen Social-Media-Plattform, die sich nicht an den Daten ihrer Nutzer bereichern soll.
Ein anderes neues Projekt, an dem sie mit Künstlern, Hackern und Wissenschaftlern sitzt, soll Nutzern mehr Kontrolle darüber verleihen, welche Daten sie preisgeben, wenn sie sich auf Webseiten registrieren. In 20 Jahren, so hofft Stikker, werden Menschen die Kontrolle über ihre Daten und Entscheidungen zurückgewonnen haben. "Menschen erzählen im Büro nicht alles über sich, und auch im Freundeskreis halten sie Dinge geheim - nur im Internet werden sie gezwungen, alles offenzulegen. Das wollen wir ändern."

Brigitte WOMAN 08/2018

Wer hier schreibt:

Sabine Hoffmann, Liske Jaax
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