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Meetingitis Das steckt hinter dem Meeting-Frust

Meetingitis: Frustrierte Frau im Meeting
© fizkes / Shutterstock
Eine neuartige Büro-Krankheit macht sich breit, die sich Meetingitis nennt. Was hinter dem Phänomen steckt und ob du betroffen bist, erfährst du hier.

Wie viele Meetings hast du für diese Woche im Kalender stehen? Wenn du beim Gedanken daran die Augen verdrehen musst, bist du eventuell betroffen – die Meetingitis hat dich gepackt! Immer mehr Menschen sind genervt vom Übermaß an Meetings, die den eigenen Tagesablauf unterbrechen. Wie du damit umgehen kannst, wenn dich der Meeting-Frust runterzieht, erfährst du jetzt. Und wenn du selbst Chef:in oder Teamlead bist, findest du außerdem hier heraus, wie du die Meetingitis deiner Kollegen in Motivation umwandeln kannst.

Meetingitis: Das sind die Symptome

"Lasst uns das in einem Meeting besprechen!" Ein Satz, der eine Welle von Frust auslösen kann, wenn sich die Meetingitis eingeschlichen hat. Wie Forscher ermitteln konnten, verbringen Führungskräfte durchschnittlich 23 Stunden pro Woche mit Meetings. Davon halten sie durchschnittlich 8 Meeting-Stunden für völlig überflüssig. Umgerechnet entspräche das zwei Monaten (!), die im Jahr mit unproduktiven Meetings verschwendet werden. Da kann man schon mal genervt sein – und das geht wahrscheinlich nicht nur den Führungskräften so. 

Der Fantasie-Begriff Meetingitis (bestehend aus "Meeting" und "-itis", Anspielung auf eine entzündliche Erkrankung) umschreibt ein Phänomen, das viele von uns kennen: Die Abneigung gegenüber Meetings im Beruf. Sie lässt uns mit einer negativen Erwartungshaltung ins Gespräch gehen. Das ist kontraproduktiv für dich und fürs Team: Du bist genervt und kannst dich nicht richtig auf den Termin einlassen. Das bekommen eventuell auch Kollegen und die Gesprächsleitung mit.

Diese Meetingitis-Symptome sind typisch:

  • Du verbringst sehr viel von deiner Arbeitszeit in Meetings.

  • Oft zweifelst du den Sinn dieser Meetings an.

  • Du kannst die Meeting-Anzahl nicht beeinflussen und musst dich fügen.

  • Oft bleibt die Arbeit wegen der ständigen Zusammenkünfte an anderer Stelle liegen.

  • Die Ankündigung eines Meetings löst in dir negative Gefühle aus – obwohl du noch nicht weißt, wie die Gespräche laufen werden.

  • Nach einem Meeting ärgerst du dich öfters.

  • Eventuell zweifelst du sogar deinen Job an.

Woher kommt die Job-Krankheit?

Durch Meetings können wir Entwicklungen besprechen, Probleme besprechen und Neuerungen diskutieren. Also eigentlich eine gute Sache. Aber wie heißt es so schön: Die Dosis macht das Gift!

Meetingitis hat etwas mit der Anzahl und der subjektiv wahrgenommen Qualität von Meetings zu tun. Wer viele Meetings abhält, sie aber oft für wenig wertvoll hält, entwickelt früher oder später Meeting-Frust. Wie effektiv ein Meeting ist, hängt natürlich vor allem von der Führungskraft ab, die das Treffen leitet. Hält sie keine Rücksprache mit den Anwesenden und holt kein Feedback ein, leiden am Ende alle Teilnehmer unter einem wenig produktiven Gespräch. Meetingitis kann aber auch durch eine soziale Komponente bedingt sein. Ist das Arbeitsklima schlecht, hat keiner Lust auf ein Zusammenkommen – ob digital oder vor Ort.

Meetingitis besiegen: Das kannst du tun

Du bist selbst voll im Meeting-Frust gefangen? Wenn du keine Führungskraft bist, kannst du die Meeting-Anzahl nicht von heute auf morgen einfach so reduzieren. Aber du kannst trotzdem etwas unternehmen, um dich selbst besser zu fühlen und deine Meetingitis einzudämmen.

Hier kommen ein paar Lösungsvorschläge, um besser mit deiner Meeting-Abneigung umzugehen:

  • Bitte darum, Meetings zusammenzulegen. Bevor du den Chef oder die Chefin konfrontierst, kannst du zuerst bei den Kollegen nachfragen, ob sie gleicher Meinung sind – so fühlst du dich sicherer.

  • Sei ehrlich. Solltest du Feedback zu einem Meeting geben können, gib Bescheid, wenn du den Sinn anzweifelst. Wählst du höfliche Worte, ist dir keiner böse. Dies kann auch ein Thema bei den Mitarbeitergesprächen sein.

  • Finde einen Sinn für dich. Wer Negatives erwartet, wird Negatives bekommen! Nimm dir bei jedem Meeting vor, eine lehrreiche Sache für dich mitzunehmen.

  • Bereite dich vor. Je besser alle Teilnehmer auf ein Meeting vorbereitet sind, desto schneller kann es abgehandelt werden! Das spart Zeit und Nerven.

So gehst du als Chef:in mit der Mitarbeiter-Meetingitis um

Du bist selbst in einer Führungsposition und merkst, dass deine Kollegen keine große Lust auf Meetings haben? Das Gute daran: Du bist in einer leitenden Position und hast damit großen Einfluss auf die Selbstmotivation der Mitarbeiter! Oft reichen schon ein paar kleine Veränderungen, um das Ruder herumzureißen.

Probiere doch mal folgende Tipps aus, um den Meeting-Frust deiner Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen auszulöschen:

  • Hinterfrage den Sinn eines jeden Meetings und erkenne an, dass die meisten nicht scharf auf etliche Zusammenkünfte sind – schon aus Zeitgründen.

  • Versuche mehrere Termine zu einem großen verschmelzen zu lassen. 

  • Plane feste Meetings ein, zum Beispiel wöchentlich oder monatlich. Spontane Besprechungen bringen den Arbeitsfluss durcheinander und können daher für Unmut bei den Kollegen sorgen

  • Erfrage nach jedem Meeting Feedback – und zwar ehrliches! Ermutige die Mitarbeiter, aufrichtig zu sein. Nur so kannst du wissen, wie sinnvoll ein Meeting wirklich war.

  • Verringere die Meetingfrequenz, wenn es Sinn macht – nicht bei alten Strukturen bleiben, wenn sie nicht wirklich sinnvoll sind!

  • Erkundige dich nach den Terminkalendern der anderen. Nicht immer kannst du als Führungskraft wissen, in wie vielen wöchentlichen Meetings die Mitarbeiter bereits stecken. Hole diese Info ein und passe die Meeting-Anzahl gegebenenfalls an.

Wenn du diesen Bereich spannend findest, könnte dich auch das Thema intrinsische Motivation bzw. extrinsische Motivation interessieren. Oder erfahre mehr über aktives Zuhören, was dir bei Gesprächen jeder Art helfen kann. 

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Verwendete Quellen: ideas.ted.com, Rogelberg, Steven G. “Why Your Meetings Stink—and What to Do About It”, Harvard Business Review, January-February 2019, Meyer, Maren. “So werden Meetings nicht zur Qual”, Blianz Management, October, 2018


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