Netzwerk aufbauen: So geht es richtig

Es gibt Menschen, die kommen mit jedem ins Gespräch. Hat man mal ein Anliegen, dann "kennen sie dafür wen". Netzwerken nennt man das heute. Wie das geht, weiß Tijen Onaran von Global Digital Women, einer Initiative, die Frauen in der Digitalwirtschaft zusammenbringt.

Es gibt diese Ideen, die sich in einer unerreichbaren Hirnecke festsetzen und immer wieder mal sachte an einem nagen: Eigentlich wollte man doch schon ewig mal Töpfern ausprobieren, das könnte ein schönes neues Hobby werden. Und in Gibraltar die Berberaffen füttern, ein Lebenstraum! Wenn man nur jemanden kennen würde, der so etwas schon mal gemacht hat und einem ein paar gute Tipps geben könnte ...

Ein großes Netzwerk eröffnet neue Möglichkeiten

Wer ein eigenes Netzwerk pflegt, hat für viele solcher Fälle einen direkten Ansprechpartner parat. Man könnte eine solche Sammlung von Kontakten als persönliches Menschenarchiv bezeichnen, klänge dieser Begriff nicht viel zu verwaltungsmäßig - und würde außerdem den lebendigen Beziehungen nicht gerecht werden. Ein Netzwerk ist eine Gruppe von Menschen, die man gezielt kennenlernt, um von ihrem Wissen zu profitieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich inspirieren zu lassen. Anders als Freund- oder Bekanntschaften, die meist eher zufällig entstehen, lädt man sich in sein Netzwerk strategisch Menschen ein, die etwas besonders gut können oder erlebt haben, das einen selbst auch interessiert. Wenn man selbst gern malt, kann man sich natürlich mit Menschen umgeben, die genau diese Leidenschaft teilen. Das bringt neue Impulse und unerwartete Querverbindungen. Je bunter ein Netzwerk, desto nützlicher ist es bei unerwarteten Anliegen oder neuen Projekten, etwa wenn man plötzlich ganz schnell einen guten Facharzt für ein bestimmtes medizinisches Problem sucht und sich nicht erst umständlich durch Internetforen lesen oder in Fachzeitschriften blättern möchte.

Strategisches Vorgehen

Wichtig ist dabei, langfristig zu denken. Und nicht zu erwarten, dass man heute jemanden kennenlernt und morgen direkt einen konkreten Nutzen davon hat. Aber wo findet man nun all diese spannenden, nützlichen Menschen? Am Anfang muss man etwas strategisch denken, auch wenn man das von zwischenmenschlichen Kontakten noch nicht kennt. Inspirierende Menschen kann man etwa auf Veranstaltungen treffen, die einen interessieren, und dafür das Angebot von Stiftungen und Vereinen studiert.

Ehrliches Interesse zeigen

Wer Kunst liebt und neue Menschen aus diesem Bereich kennenlernen möchte, kann Ausstellungseröffnungen besuchen, bei denen die Künstlerin oder der Künstler ihr oder sein Werk selbst vorstellt. Nach dem offiziellen Teil ist dann meist noch Gelegenheit für persönliche Gespräche. Idealerweise stellt man dabei eine konkrete Frage zur Ausstellung oder dem Lebenslauf - ehrliches Interesse am anderen ist eine gute Basis für einen Kontakt über dieses kurze Treffen hinaus.

Nutzen bieten

Bei jedem neuen Kontakt sollte man sich fragen: Welchen Nutzen kann ich diesem Menschen bieten? Ein Netzwerk funktioniert am besten, wenn beide Seiten etwas davon haben. Vielleicht freut sich die Malerin über den Kontakt zu einem Cafébesitzer, der in seinem Lokal regelmäßig Ausstellungen veranstaltet.

Andere verbinden

Am stabilsten wird das eigene Netzwerk, wenn man die Menschen darin auch untereinander verbindet. Eine gute Möglichkeit dafür ist ein regelmäßiger Stammtisch, etwa ein gemeinsames Frühstück einmal im Monat, das man selbst organisiert und zu dem man Menschen einlädt, für die es interessant sein könnte, sich miteinander an einen Tisch zu setzen und sich auszutauschen. Dabei macht es nichts, wenn man die Teilnehmer nicht besonders gut kennt, denn wenn alle miteinander reden, kann man sich selbst erst mal entspannt zurücklehnen und zuhören. Am lebhaftesten sind diese Runden oft, wenn die Interessen der Gäste auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben. Wenn man jeden Teilnehmer bittet, noch einen Gast mitzubringen, nehmen nicht nur die Eingeladenen neue Kontakte mit nach Hause, auch das eigene Netzwerk wächst ganz von selbst.

Entspannt bleiben

Wichtig ist bei alldem: Netzwerkkontakte sind keine Freundschaften - sie können durchaus daraus entstehen, aber es ist auch völlig in Ordnung, Menschen in seinem Netzwerk zu haben, mit denen man nicht unbedingt jede Woche einen Wein trinken gehen möchte. Es genügt, wenn sie einem prinzipiell wohlgesonnen sind, damit man ihren Tipps auch vertrauen kann. Und zwar mit einem deutlich besseren Gefühl, als würde man von völlig Fremden im Netz Ratschläge annehmen.

Brigitte WIR 03/2018

Wer hier schreibt:

Tijen Onaran
Themen in diesem Artikel

BRIGITTE Academy direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!