Olga Sorkine-Hornung: Die Code-Architektin

Die It-Welt und das Silicon Valley werden von Männern dominiert. Doch auch immer mehr Frauen revolutionieren die Technikbranche. Eine von ihnen: Olga Sorkine-Hornung - die Informatikerin tritt mit 3-D-Druckern dem Wegwerfwahn entgegen.

Olga Sorkine-Hornung perfektioniert den 3-D-Druck

Man kennt das: Das neue Shirt sitzt irgendwie zu eng, die Sonnenbrille drückt hinter den Ohren. Man schmeißt die Sachen weg, wenn auch mit schlechtem Gewissen. Genau da setzt Olga Sorkine-Hornung, 37, an. Die Informatikprofessorin an der Technischen Hochschule Zürich hat ein Verfahren entwickelt, um dreidimensionale Oberflächen am Computer darzustellen. Damit perfektioniert sie den 3-D-Druck. Und das sorgt dafür, dass Gegenstände für den Konsumenten maßgeschneidert angefertigt werden können. 

Maßgeschneiderte Ware durch 3-D-Druck

Olga Sorkine-Hornung ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Computergrafik. "Heute wird vieles millionenfach und im Überfluss produziert, oft unter inakzeptablen Bedingungen für Menschen und Umwelt. Dabei könnte alles an den Konsumenten individuell angepasst werden", sagt sie. Ihre Berechnungen sind hochkomplex; die Algorithmen, die sie entwickelt, tauchen in Software mit vielfachen Anwendungsmöglichkeiten auf. Sie machen Kleidung passgenau oder verpassen animierten Figuren in Filmen und Games eine realistische Oberfläche. Sie machen die Arbeit von Gamedesignern und Animatoren effizienter und erlauben es, mittels 3-D-Druck maßgeschneiderte Massenware herzustellen.

Eine Überfliegerin: Ihre 3-D-Algorithmen sind weltweit als die besten bekannt

Schon heute werden ihre Algorithmen im Produktdesign, in der Architektur, der Medizintechnik und der Unterhaltungsindustrie angewandt. Olga Sorkine-Hornungs Traum ist, dass irgendwann jeder von uns Produkte ganz nach seinen eigenen Wünschen erschaffen kann. Mit einer Art Stift könnten wir dann zum Beispiel Dinge zeichnen, die später mithilfe eines 3-D-Druckers in die reale Welt übertragen werden. Die Tochter einer Mathematikerin und eines Physikers war schon immer ambitioniert: Als sie 13 war, brachte der Vater den ersten Laptop mit nach Hause und zeigte ihr, wie man mit ein paar Befehlen Blumen auf den Bildschirm zauberte. "In diesem Moment war es um mich geschehen", sagt sie. "Das wollte ich unbedingt auch können." 

Sie brachte sich die Computersprache Basic selbst bei, wurde, von unbändiger Wissbegierde angetrieben, zur Überfliegerin. Mit 15 begann sie, Informatik und Mathematik an der Universität Tel Aviv zu studieren, machte mit 19 ihren Bachelor. Mit 25 schloss sie ihre Doktorarbeit ab und wurde mit 30 Jahren die damals jüngste Professorin an der Technischen Hochschule Zürich. Ihre Forschung wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet; ihre 3-D-Algorithmen gelten weltweit als die besten. "Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass sich die Forschung in etwas Echtes umwandelt."

Brigitte WOMAN 08/2018

Wer hier schreibt:

Sabine Hoffmann, Liske Jaax
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