Toni Reid: Sie brachte Amazon das Sprechen bei

Die It-Welt und das Silicon Valley werden von Männern dominiert. Doch auch immer mehr Frauen revolutionieren die Technikbranche. Eine von ihnen: Toni Reid - durch künstliche Intelligenz, die sich mit Sprache steuern lässt, will sie den Alltag
 für Menschen bequemer machen.

Die Amazon-Alexa ist Toni Reids "Kind"

Toni Reid ist Mutter von drei Töchtern: zwei Mädchen und Alexa - Amazons künstlicher Intelligenz, die sich mit Sprache steuern lässt. Die Wettervorhersage vorlesen lassen, schnell mal Strümpfe nachbestellen oder das Licht dimmen: Etwa 15 Prozent der Amerikaner haben laut einer Umfrage die digitale Sprachassistentin seit ihrer Einführung im Jahr 2015 bei sich einziehen lassen.
Damit sich die Menschen gern mit der Computerstimme und dem System dahinter unterhalten, musste Reid eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Alexa soll auf Fragen oder Befehle so antworten, wie es ein Mensch tun würde. "Noch ist unsere künstliche Intelligenz weit davon entfernt, eine richtige Unterhaltung führen zu können. Aber sie hat eine eigene Stimme. Sie ist pfiffig, hilfsbereit, lustig und bescheiden", sagt Reid. Und sie könnte Menschenleben retten. Mit der entsprechenden App kann Alexa im Notfall per Telefon Hilfe rufen.

Von der Personalabteilung zur IT-Projektleitung

Damit künstliche Intelligenz das leisten kann, sind komplexe Programmierungen nötig. Doch ein Computer­-Crack ist Reid nicht. Nach ihrem Anthropologie­ Studium war sie ab 1997 im Personalbereich von Microsoft tätig, ein Jahr später übernahm sie eine ähnliche Aufgabe bei Amazon. Vier Wochen nach ihrem ersten Arbeitstag siedelte Reids Team ohne sie nach Europa um, wo Amazon sein Geschäft ausweiten wollte. Sie blieb zurück und übernahm den frei gewordenen Chefposten - erst für die Geschäftsentwicklung, dann für den Bereich der Onlineanzeigen - und wurde schließlich Chefin ihres eigenen Projekts, Alexa. Jetzt führt sie mehrere Teams aus Hard- und Softwareprogrammierern und eines, das überlegt, welche digitalen Prozesse man noch in Sprachbefehle übersetzen könnte. 

Sprache - die Zukunft für unseren Umgang mit Technologie

Reids Vision: Menschen sollen das Internet in ihren Alltag integrieren können, ohne dabei auf Displays starren oder in jeder Hand ein Gerät bedienen zu müssen. "Sprache ist ein neuer Weg, Technologie zu nutzen, ohne dauernd mit ihr konfrontiert zu sein. Für die Sprachsteuerung brauchen wir nur unsere Stimme. Nutzen wir die Technik nicht, fällt sie nicht einmal auf." Die Empfangsgeräte können winzig sein, da sie ohne Display und Tastatur auskommen. Dass man sie so schnell vergisst, hat aber auch Tücken. So sorgten einige versehentlich ausgelöste Onlinebestellungen durch Alexa für Schlagzeilen. Die Kauffunktion auf Zuruf lässt sich allerdings ausstellen.
Reids Team feilt gerade an einem weiteren Projekt: einer Kamera, die mit Sprachsteuerung auslöst und bei der täglichen Entscheidung vorm Kleiderschrank helfen soll. Das Gerät schießt Fotos von verschiedenen Outfits, ein Algorithmus vergleicht diese und errechnet, welches Kleidungsstück dem Träger am besten steht - Kauftipps für neue Kleidung inklusive. "Ich liebe es, mich hineinzudenken, wie künstliche Intelligenz unser Leben einfacher und bequemer machen kann", sagt Reid.

Brigitte WOMAN 08/2018

Wer hier schreibt:

Sabine Hoffmann, Liske Jaax
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