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"Tatort: Das Verhör" Lohnt sich der Saison-Auftakt aus Ludwigshafen?

"Tatort: Das Verhör": Entspannt und entgegenkommend gibt sich Hauptmann Kessler (Götz Otto) zu Beginn seiner Vernehmung durch
"Tatort: Das Verhör": Entspannt und entgegenkommend gibt sich Hauptmann Kessler (Götz Otto) zu Beginn seiner Vernehmung durch Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, r.) und Johanna Stern (Lisa Bitter, l.).
© SWR/Benoît Linder
Die neue Sonntagskrimi-Saison startet mit dem "Tatort: Das Verhör" aus Ludwigshafen. Lohnt sich der Auftaktfilm mit Odenthal und Stern?

Mit dem "Tatort: Das Verhör" (4.9., 20:15 Uhr, das Erste) steigt das Erste in die neue Sonntagskrimi-Saison nach der Sommerpause ein. Den Auftakt machen die dienstälteste "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, 61) und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter, 38) im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen. Sie bekommen es diesmal vor allem mit einem gewieften Soldaten zu tun, der die Lösung des brutalen Rätsels zu kennen scheint, aber lieber Katz und Maus mit der Polizei spielt.

Darum geht's im "Tatort: Das Verhör"

Investmentbankerin Ann-Kathrin Werfel wird grausam getötet. Der erste Verdacht fällt auf ihren Ex-Ehemann, dem sie häusliche Gewalt vorgeworfen hatte. Patrick Werfel (Jonathan Müller, 37) allerdings präsentiert den Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern ein gut bezeugtes Alibi.

Indizien vom Fundort der Leiche führen die Kommissarinnen zu Hajo Kessler (Götz Otto, 54), der Soldat bei der Bundeswehr ist. Hauptmann Kessler gibt an, Ann-Kathrin Werfel nicht gekannt zu haben, sein Wagen wurde jedoch in der Nähe des Fundorts gesehen.

In der Befragung gibt er sich korrekt, geradezu charmant. Aber er neigt zu Ausrastern - und die scheinen damit zu tun zu haben, dass es Frauen sind, die ihn befragen. Die Indizienlage ist dünn. Doch Lena Odenthal ist überzeugt, dass in dem Verdächtigen genau der tiefsitzende Frauenhass brodelt, der zu dem Mord an Werfel geführt hat...

Lohnt sich das Einschalten?

Ja. Der Krimi ist eher klassisch statt experimentell angelegt und auf jeden Fall spannend. Sehenswert ist der Film auch wegen der Darstellerinnen und Darsteller - auch in den Nebenrollen. Die Assistenten der Kommissarinnen fallen dabei ebenso auf wie einzelne Figuren auf dem Kasernengelände oder der unerfahrene, aber motivierte Junganwalt. Und natürlich Episodenhauptdarsteller Götz Otto. Einmal mehr glänzt der großgewachsene Schauspieler in einer vielschichtigen Rolle. International bekannt wurde er als Stamper, Assistent des Bond-Gegenspielers Elliot Carver (Jonathan Pryce, 75), in "James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie" (1997) mit Pierce Brosnan (69) in der Titelrolle.

Einen kleinen Einblick bekommt man im "Tatort: Das Verhör" in das Innenleben des Soldatenkosmos. Von Aufnahmeritualen ist die Rede, von gnadenlosen Hierarchien - und das alles im typischen Militärjargon. Thematisiert wird dabei auch, wie schwer es für manche Männer sein muss, die Gleichberechtigung und Integration von Frauen in einstige Männerdomänen, akzeptieren zu müssen. Wobei es jüngeren, die vielleicht schon von emanzipierteren Müttern großgezogen wurden, leichter zu fallen scheint als älteren - "Meine Chefin ist menschlich ein super Kerl", freut sich beispielsweise ein Soldat, als er zu seiner Vorgesetzten Oberstleutnant Angelika Limbach (Katrin Röver, 41) befragt wird. Dagegen stellt Odenthal an anderer Stelle fest: "Männer jenseits ihres Bedeutungszenits sind brandgefährlich."

Routinierten Sonntagskrimi-Zuschauern könnte sich schon allein angesichts des Titels ein Vergleich zum Münchner "Polizeiruf 110: Bis Mitternacht" (Herbst 20219) von Dominik Graf (69) aufdrängen. Auch damals stand ein Verhör und die mögliche Überführung eines möglichen Täters im Mittelpunkt des Krimis. Im Gegensatz zu diesem extrem dichten Krimi wirkt der Ludwigshafener Fall allerdings etwas weniger fokussiert. Dabei hätte man dem Schlagabtausch Odenthal und Stern vs. Offizier durchaus noch länger zusehen und zuhören können.

Eberhoferkrimifans dürfte die Auflösung des Falls übrigens ein klein wenig bekannt vorkommen, denn sie erinnert an einen der inzwischen acht Verfilmungen der Rita-Falk-Krimis. Und auch Thriller-Ikone Alfred Hitchcock (1899-1980) hat das Grundmotiv schon in einem seiner stärksten Filme verarbeitet. Welche Filme gemeint sind, soll hier noch nicht verraten werden...

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