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"Tatort: Flash" Überraschungen und 80er-Jahre-Vibes im Münchner Krimi

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec, 2.v.l.) arbeiten im "Tatort: Flash" mit Dr. Laura Lechner (
Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec, 2.v.l.) arbeiten im "Tatort: Flash" mit Dr. Laura Lechner (Anna Grisebach) und Prof. Ralph Vonderheiden (André Jung) zusammen.
© BR/Tellux Film GmbH/Hendrik Heiden
Im "Tatort: Flash" begeben sich Batic und Leitmayr in die Vergangenheit. Die beiden müssen einen Mord an einer jungen Frau aufklären.

Erst zum zweiten Mal in diesem Jahr gehen die Münchner "Tatort"-Urgesteine am Sonntag (19. Juni, 20:15 Uhr, das Erste) auf Verbrecherjagd. Im neuen Fall "Flash" benötigen die Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec, 67) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 63) die Hilfe eines Demenzkranken. Um einen Mord aufzuklären, müssen die Kommissare tief in der Vergangenheit graben. Was dabei ans Tageslicht kommt, hätte zu Beginn wohl niemand vermutet.

Darum geht's im "Tatort: Flash"

Der verurteilte Mörder Alois Meininger (Martin Leutgeb, 55) wird nach über 30 Jahren Sicherheitsverwahrung entlassen. Doch kurz darauf scheint er erneut einen Mord begangen zu haben und ist untergetaucht. Niemand weiß, wo er sich aufhalten könnte - die letzte Hoffnung ist sein ehemaliger Therapeut Dr. Norbert Prinz (Peter Franke, 80). Doch leider ist dieser an Demenz erkrankt. Wie kann man so jemanden vernehmen?

Gemeinsam mit dem Neuropsychologen Prof. Ralph Vonderheiden (André Jung, 68) und seiner Kollegin Dr. Laura Lechner (Anna Grisebach, 48) starten Batic und Leitmayr ein kriminologisches Pilotprojekt. Sie bauen den damaligen Praxisraum von Prinz als Kulisse auf und führen den Demenzkranken hinein. Die Ermittler hoffen so, die Erinnerung des ehemaligen Therapeuten wachzurufen und ihm so wertvolle Hinweise entlocken zu können. Doch im Laufe des Projekts offenbaren sich Batic und Leitmayr tiefere Abgründe, als sie zunächst angenommen haben.

Lohnt sich das Einschalten?

Definitiv. Wie gewohnt liefert das Münchner Duo einen sehenswerten Sonntagskrimi ab. Die Zuschauenden begeben sich zusammen mit Ivo Batic und Franz Leitmayr in die bayerische Hauptstadt der 80er Jahre. Damals sorgte ein Mord an einer jungen Frau für Aufsehen. Alois Meininger wurde als Täter verurteilt, jetzt ist er wieder auf freiem Fuß. Kurz darauf wird erneut eine junge Frau gefunden, die nach demselben Muster getötet wurde. Schon in diesem Punkt unterscheidet sich der Fall vom Standard-Krimi: Die beiden Ermittler wissen bereits, wer der Mörder ist - sie müssen den Täter nur noch dingfest machen.

Dafür haben sich die Macher einen besonderen Kniff überlegt. Im "Tatort: Flash" spielt die sogenannte Reminiszenztherapie eine zentrale Rolle. Dabei werden Räumlichkeiten aufgebaut, die dem Demenzkranken aus früheren Jahren vertraut sind. "Sobald der demente Patient sich in diesen altvertrauten Settings bewegt, kann dies dazu führen, dass Langzeiterinnerungen reaktiviert werden", erklären die Produzenten Martin Choroba und Ferdinand Freising.

Um den Fall zu lösen, müssen Batic und Leitmayr einen Abstecher in die Vergangenheit machen. Die Rückblenden sind gut eingebaut, sowohl farb- als auch bildtechnisch hat sich das Kamerateam etwas Besonderes einfallen lassen. Die 80er-Jahre-Vibes kommen definitiv an. Auch die Kommissare schwelgen dabei in Erinnerungen - vor allem Leitmayr träumt sich in vergangene, wilde Partynächte zurück.

Dass ausgerechnet ein an Demenz leidender Mann als Schlüsselfigur dient, bringt eine emotionale Komponente ins Spiel. Zudem erfährt man sehr viel Wissenswertes über eine Krankheit, an der laut dem Bundesministerium für Gesundheit rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden. Ein ehemaliger, renommierter Therapeut, der zeitweise sein Kind nicht mehr erkennt - das löst nicht nur bei den beiden Kommissaren Mitgefühl aus. Wie es ist, mit einem Demenzkranken zusammenzuleben und sich um diesen zu kümmern, davon hat man nach diesem "Tatort" zumindest eine grobe Vorstellung.

Prinz' Tochter Nele schwangt im Laufe des Krimis zwischen Verzweiflung, Überforderung und Wut, was man Darstellerin Jenny Schily (55) hundertprozentig abkauft. Auch Peter Franke als demenzkranker Zeuge sowie André Jung in seiner Rolle als Neuropsychologe müssen an dieser Stelle gelobt werden. Generell sind die Nebendarsteller in diesem "Tatort" sehr gut ausgewählt, zusammen ergeben sie ein harmonisches Ensemble.

Bis zum Schluss kann der Fall die Spannung hochhalten. Vor allem das Ende hält eine große Überraschung bereit. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es für alle Fans von Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, 29): Der junge Kommissar kommt in diesem Krimi nicht vor. Doch im nächsten Fall des Münchner Teams wird er garantiert wieder neben Leitmayr und Batic zu sehen sein.

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