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Aphasie Was löst die Krankheit aus, wie kann sie behandelt werden?

Bruce Willis (67) leidet unter Aphasie.
Bruce Willis (67) leidet unter Aphasie.
© AdMedia/ImageCollect.com
Bruce Willis hat sein Karriereende mit Aphasie begründet. Doch wie macht sich die Sprachstörung bemerkbar - und welche Therapien gibt es?

Bis vor wenigen Tagen war die Krankheit wohl den wenigsten Menschen ein Begriff: Aphasie. Dann begründete Hollywood-Star Bruce Willis (67) sein Karriereende damit. Doch was ist Aphasie genau, wie macht sie sich bemerkbar und wie kann man sie behandeln? Der Bayerische Landesverband für die Rehabilitation der Aphasiker (BLRA) geht von über 100.000 Betroffenen allein in Deutschland aus - und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was genau ist eine Aphasie?

BLRA: Aphasie ist eine erworbene, zentrale Sprachstörung, die normalerweise alle sprachlichen Bereiche - also Verstehen gesprochener Sprache, Sprachproduktion, Lesen und Schreiben - betrifft. Aber auch die Sprachebenen wie Lautbildung, Wortschatz und seine Bedeutung sowie Grammatik können betroffen sein.

Wodurch wird eine Aphasie ausgelöst?

BLRA: Dieses Störungsbild wird durch eine Schädigung des Gehirns ausgelöst. Verletzungen, Tumore, Entzündungen oder degenerative Erkrankungen des Gehirns können zu einer Aphasie führen. Die mit 65 bis 80 Prozent wohl am häufigste vorkommende Ursache ist aber der Schlaganfall. Gerade bei diesem ist der Faktor Zeit entscheidend. Innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach den ersten Symptomen ist die medizinische Versorgung in speziellen Abteilungen, sogenannten "Stroke Units", besonders wichtig. Dort erfolgt nach genauer Untersuchung möglichst schnell die entsprechende Therapie. Ziel dabei ist es, Leben zu retten und Schädigungen zu minimieren.

Kann jeder Mensch unter einer Aphasie leiden? Welche Gruppen sind am häufigsten betroffen?

BLRA: Grundsätzlich kann eine Aphasie jeden treffen. Experten differenzieren dabei zwischen den verschiedenen Grunderkrankungen: So erleiden beispielsweise Männer dreimal häufiger einen Schlaganfall als Frauen, 30 Prozent davon treten schon vor dem 65. Lebensjahr auf. Neurodegenerative Erkrankungen sind mit steigendem Alter häufiger anzutreffen, Unfälle mit schwerwiegenden Verletzungen des Gehirns kommen im jungen Erwachsenenalter eher vor. Kindliche Aphasien sind insgesamt selten, da sich das junge Gehirn häufig noch reorganisieren kann.

Was sind die Symptome und Folgen einer Aphasie?

BLRA: Eine Aphasie kann im Normalfall alle sprachlichen Bereiche treffen. Daher zeigen sich meist Einschränkungen mit unterschiedlicher Gewichtung im Sprachverständnis, der Sprachproduktion sowie dem Lesen und Schreiben. Weiterhin sind Probleme in der Wortfindung, dem Satzbau und der Grammatik wie auch in der lautlichen Bildung von Wörtern häufig zu beobachten. Hochautomatisierte Bereiche der Sprache, wie Wochentage, Zahlen o.ä. können ebenfalls Schwierigkeiten bereiten. Parallel können auch zusätzliche Probleme in der Artikulation oder der Stimmgebung auftreten, die die Grunderkrankung mit sich bringt. Je nach körperlichen Einschränkungen, durch die zugrunde liegende Erkrankung, und die sprachlichen Defizite ergeben sich individuelle psycho-soziale Folgen für den oder die Betroffene: sozialer Rückzug und Einschränkungen in Alltagsaktivitäten, Rollenwechsel innerhalb des familiären Gefüges, reduziertes Selbstwertgefühl, Berufsunfähigkeit.

Wie sieht die Behandlung/Therapie bei einer Aphasie aus?

BLRA: Grundlage ist eine umfangreiche medizinische Betreuung, sodass die Grunderkrankung zielführend behandelt und Folgeerkrankungen vermieden werden können. Hierbei ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den medizinischen, therapeutischen und gegebenenfalls pflegerischen Fachdisziplinen, eine fundierte Diagnostik in allen Bereichen und eine gemeinsame, abgestimmte Behandlungsplanung besonders wichtig. Wünschenswert und von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) auch gefordert wäre eine hochfrequente Sprachtherapie. Diese variiert zwischen 5 und 10 Therapien pro Woche über einen Zeitraum von 3 bis 8 Wochen. Anschließend wäre ein Intervall mit niedrigfrequenter Therapie zwei- bis dreimal pro Woche angeraten. Diese sprachtherapeutische Behandlung basiert auf einer fundierten Diagnostik als Basis für die individuelle, symptom- und alltagsorientierte Therapieplanung mit gezielten sprachsystematischen Übungen. Glücklicherweise stehen die Verbesserungen von Alltagskompetenzen und damit die persönliche, aktive Teilhabe der von Aphasie Betroffenen, zunehmend mehr im medizinisch-therapeutischen Interesse, sodass im Rahmen der Therapie nicht nur Defizite minimiert, sondern erhaltene Fähigkeiten auch stabilisiert und erweitert werden.

Kann eine Aphasie vollständig geheilt werden?

BLRA: Geht man von einem Akutereignis wie einem Schlaganfall oder einem Schädelhirn-Trauma aus, ist vor allem das erste Jahr nach dessen Auftreten von besonderer Bedeutung. Bei schneller Behandlung eines Schlaganfalls auf der "Stroke Unite" stehen die Chancen deutlich besser, dass sich die aphasischen Symptome minimieren oder auch vollständig aufheben lassen. Medizinische und individuelle Voraussetzungen, Therapiefrequenz, Therapiemotivation, oder das persönliche Umfeld sind weitere Faktoren, die die Effektivität der Behandlung und die Chancen auf eine vollständige Rehabilitation beeinflussen. Dennoch wird davon berichtet, dass in etwa der Hälfte der von Schlaganfall Betroffenen keine vollständige Rückbildung der Symptome beobachtet werden können. Bei neurodegenerativen Grunderkrankungen steht meist ein Aufhalten des Krankheitsfortschrittes sowie der Erhalt der sprachlichen Funktionen im Therapiemittelpunkt.

Wie geht man als Angehöriger mit Aphasikern um?

BLRA: Ein Akutereignis oder die Diagnose eines Angehörigen ist auch für Angehörige häufig ein Schock. Der gewohnte Alltag kann meist nicht aufrechterhalten werden. Daher sollten sich auch Angehörige zeitnah Informationen, Hilfe und Unterstützung, egal ob im medizinischen, therapeutischen oder privaten Kontext - zum Beispiel auch in Selbsthilfegruppen - suchen. Das Wissen um die (Grund-)Erkrankung und die aphasischen Symptome helfen auch in der Kommunikation mit dem Angehörigen und schützen ggf. davor, den von Aphasie Betroffenen zu unter- oder überschätzen. Es vermeidet Frustration und Aggressionen bei Betroffenen und Angehörigen. In erster Linie ist ein respektvoller, altersentsprechender Umgang wichtig. Jeder sollte sich Zeit für die Kommunikation nehmen, dem Betroffenen nicht ins Wort fallen, sondern schöner: Gesagtes oder Verstandenes in kurzen Sätzen nochmals zusammenfassen; Rückfragen oder Alternativfragen stellen. Von Aphasie Betroffene ermüden häufig schneller in Gesprächen, bei Umgebungsgeräuschen oder im Alltag. Sie brauchen häufiger Erholungspausen. Auch das gilt es zu berücksichtigen.

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