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Benjamin Piwko: Das bedeutet die Schutzmasken-Pflicht für Gehörlose

Benjamin Piwko bei einem Auftritt in Berlin.
Benjamin Piwko bei einem Auftritt in Berlin.
© imago images/Future Image
Die Maskenpflicht beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn ist da. Was das für gehörlose Menschen bedeutet, erklärt Benjamin Piwko.

Ab dieser Woche gilt in Deutschland wegen der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr und fast überall auch beim Einkaufen. Für gehörlose Menschen bedeutet das allerdings: "Wir verlieren die Mimik und die gehört zur Sprache ja dazu - für uns ist die besonders wichtig, weil wir daran viel ablesen können", erklärt der Kampfsportler und Schauspieler Benjamin Piwko (40, "Man hört nur mit dem Herzen gut"), der seit einem ärztlichen Behandlungsfehler in seiner Kindheit gehörlos ist.

"Es ist wichtig, die Emotionen weiterhin zu sehen"

Über seine persönliche Situation sagt der 40-Jährige im Interview mit spot on news: "Für mich ist es nicht so schlimm. Ich muss beim Einkaufen nicht zwangsläufig kommunizieren und sehe ja noch die Augen und die Augenbrauen. Das hilft. Bei anderen wichtigen Sachen, wie zum Beispiel beim Arzt, kann ich es aufschreiben." Und was hält er von Mundschutzmasken mit Sichtfeld? "Im Krankenhaus würde ich mir wünschen, dass alle transparente Masken tragen. So kann man die Menschen lachen sehen - es ist wichtig, die Emotionen weiterhin zu sehen."

Auch werden in der Corona-Krise nicht genug Gebärdensprach-Dolmetscher bei wichtigen Bekanntmachungen eingesetzt, findet Piwko: "Deutschland hat einen Mangel an Dolmetschern. Und dann passiert manchmal so etwas, wie dass die Kamera den Dolmetscher zwar filmt, aber einen Arm abschneidet und man nicht alles sehen kann oder er so klein eingeblendet wird, dass man nichts erkennt." Um Barrieren für Gehörlose in der Corona-Krise besser abbauen zu können, bräuchte es "mehr Dolmetscher und Schriftliches in verständlicher Sprache, zum Beispiel mit Untertiteln".

"Ich komme gerade sehr zur Ruhe"

Über seine Corona-Isolation erzählt der ehemalige "Let's Dance"-Teilnehmer: "Ich komme gerade sehr zur Ruhe, weil ich keinen Besuch empfangen kann. Ich kann Stress abbauen und mich um neue Projekte kümmern, wie zum Beispiel mein neues Buch." Er gehe viel im Wald spazieren, so Piwko, plane Projekte und schreibe Ideen auf. Und auf was freut er sich nach der Krise am meisten? "Meine Arbeit fertig zu machen und endlich meine lieben Freunde wieder treffen zu können."

SpotOnNews

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