Aldi bietet einen "Winterstern" an und die besorgten Bürger hassen ihn

Wird an dieser Pflanze die christliche Kultur zerbrechen? Wir können alle beruhigen, die beim Anblick des "Wintersterns" Puls bekommen – das Bäumchen tut nichts! Und wir können es nennen, wie wir wollen. Sogar Horst.

Was, wie, "Winterstern"?

Ja, genau, das ist ein "Winterstern": Der Discounter Aldi Süd bietet das Pflänzchen zum Preis von 1,79 Euro an. Und ja, es sieht fast aus wie ein Weihnachtsstern – aber eben nur fast.

Diese Verwechslungsgefahr hat in den "sozialen" Netzwerken auch gleich einige "besorgte Bürger" auf den Plan gerufen, die hinter der Weniger-als-zwei-Euro-Pflanze die Unterwerfung vor dem Islam vermuten. So schreibt ein Kunde auf der Facebookseite von Aldi Süd: "Der Weihnachtsstern hat in Deutschland als Zimmerpflanze längst seit mehreren Generationen Tradition. Er gehört zu unserer gewachsenen christlich-abendländischen Kultur."

Der Kunde vermutet hinter dem Namen der Pflanze "vorauseilende[n] Gehorsam, der sich nahtlos in die Umbenennungen von Weihnachtsmärkten in 'Wintermärkte' anschließt".

Ja, genau, das Ding heißt gefälligst Weihnachtsstern!

Glücklicherweise kann dem besorgten Bürger geholfen werden und sein Puls kann wieder auf 88 sinken. Ein netter Mitarbeiter des Social-Media-Teams von Aldi klärt auf: "Bei dem Winterstern handelt es sich nicht um den klassischen roten Weihnachtsstern (den wir übrigens auch noch als Busch anbieten werden), sondern um eine Abwandlung. Um die Verwechslung damit zu vermeiden, haben wir uns für den Namen 'Winterstern' entschieden. Du darfst ihn aber auch gerne Horst nennen, wenn du dich damit besser fühlst." Das nennen wir mal eine souveräne Antwort!

Und auch für die rassistischen Untertönen des Kunden findet der Mitarbeiter passende Worte: "Seit jeher begrüßen wir und unsere Gründer alle Menschen, gleich welcher Religion, sozialer, ethischer oder nationaler Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Deine seltsamen Mutmaßungen darfst du gerne anderswo verbreiten, aber bitte nicht hier." Dazu gab's dann noch das Hashtag #keinplatzfürrassismus.

Alle Jahre wieder …

Gerade in der Vorweihnachtszeit vermuten manche … nennen wir sie "verunsicherte" Bürger hinter einigen Namen regelmäßig eine Verleugnung des Christentums und eine Unterwerfung vor dem Islam. So sorgen immer wieder "Wintermärkte" für Empörung ("Das heißt Weihnachtsmarkt!"), wobei es sich in der Regel um Märkte handelt, die vor Totensonntag eröffnen oder bis über den Jahreswechsel hinaus geöffnet sind und allein deswegen nicht Weihnachtsmärkte heißen dürfen.

Erst kürzlich hat in AfD-Kreisen ein Foto eines Kinder-Produkts mit 24 Türchen für Aufsehen gesorgt, weil es mit "Geschenkelager" beschriftet war ("Früher hieß das mal Adventskalender, oder?"). Auflösung: "Geschenkelager" ist nur die Aufschrift auf der Rückseite des Kalenders im Hütten-Design, auf der Vorderseite steht deutlich "Adventskalender" drauf. Mittlerweile hat der AfD-Politiker, der den Tweet gepostet hatte, eingeräumt, dass er provozieren wollte.

Und auch der Schokoladen-"Zipfelmann", der seit vielen Jahren bei Penny verkauft wird, sorgt immer wieder für (vollkommen unnötige) Aufregung, genau wie ein Lindt-Adventskalender im Design von 1001 Nacht ("Ist das eine Moschee?"). Letztlich entpuppen sich all diese Shitstorms als kleine Böen mit heißer Luft – und auch das: alle Jahre wieder …

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