Notarzt schreibt wütenden Post: "Langsam habe ich wegen euch die Schnauze voll!"

Ob in der Silvesternacht, an Karneval, auf dem Oktoberfest oder der Partymeile: Oft kommt es zu Noteinsätzen wegen Gewalttaten. Ein Notarzt postete einen Tweet, der jetzt für Aufsehen sorgt: Er beschwert sich über Verletzte – aus das gutem Grund...

Wir haben es alle schon einmal beobachtet: Betrunkene randallieren, werden gewalttätig und verletzen Menschen. Der Notarzt kommt und will sie verarzten, seinen Job ordentlich machen. Er tut es gerne, weil sein Job ihm sinnvoll erscheint. Er rettet Menschenleben.

Doch nicht alle Verletzten lassen sich helfen. Gerade an Festtagen, an denen viel getrunken und gefeiert wird, wie etwa Silvester, Karneval oder auf dem Oktoberfest, sind auch die Verletzten betrunken. Und einige von ihnen verhalten sich den Notärzten gegenüber respektlos, beleidigen sie, greifen sie sogar an.

Notarzt reißt der Geduldsfaden

Einem Notarzt, Mitte 30, der sich bei Twitter Flow nennt, ist der Geduldsfaden gerissen. An Neujahr postete er mehrere Tweets, nachdem er von gewalttätigen Vorfällen auf Notarztfahrzeuge in der Silvesternacht las. Seine Kritik richtet sich an all jene, die sich nicht helfen lassen wollen.

Weiter heißt es:

"Wir sind die, denen ihr das Leben verdankt, wenn ihr am eigenen Erbrochenen erstickt oder euch versehentlich oder absichtlich eine falsche Menge der falschen Drogen eingeschmissen habt. Wir sind die, die euch versorgen wenn ihr euch in Rausch oder Selbstüberschätzung verletzt habt. Wir sind das Personal, das wegen euch gebunden ist und bei der Versorgung von anderen Patienten fehlt.

Dass man dafür keine Dankbarkeit bekommt, das sind wir schon gewohnt. Dass wir rumdiskutieren müssen, wenn ihr trotz massiver Ausfallserscheinungen nicht ins Krankenhaus wollt. Dass ihr gegen medizinischen Rat aus Notaufnahmen und Krankenhäusern verschwindet, nur um wenig später wieder aufzuschlagen. Dass ihr uns beleidigt, ist eigentlich schon an der Tagesordnung.

Wenn ihr aber anfangt Einsatzkräfte anzugreifen reißt mir endgültig der Geduldsfaden. Wenn man als Arzt, Pfleger, Sanitäter oder Feuerwehrmann Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man versucht euch zu helfen, dann läuft irgendetwas gewaltig schief.

Ob die Gründe an der Verrohung der Gesellschaft oder anderswo liegen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wird das Klima von Jahr zu Jahr unmenschlicher und gewalttätiger und zwar von allen Seiten. Manchmal frage ich mich, warum wir diesen Job überhaupt machen.

Glücklicherweise gibt es im Rettungsdienst noch genug positive Erlebnisse um die negativen zu verdrängen. Dennoch ist es eine Entwicklung, die wir als Gesellschaft nicht hinnehmen dürfen. Jeder kann sich engagieren: Durch Zivilcourage, Deeskalation oder einfach dadurch, dass er sich nicht aufführt wie ein Vollidiot. Helft euch gegenseitig und lasst die Helfer ihre Arbeit machen!

Jetzt raucht mir der Kopf aber das musste raus. Persönlich auch nochmal vielen Dank an die Kollegen und Kolleginnen der Polizei, die mir schon das eine oder andere Mal im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch gerettet haben.

Vielen Dank für eure vielen positiven Reaktionen! Noch als Anmerkung: Die meisten Patienten sind natürlich friedlich und kooperativ. Wie überall im Leben sind es wenige Idioten, die für alle den Spaß verderben. Trotzdem liebe ich den Job und würde nichts anderes machen wollen."

"Der Ärger hat sich angestaut"

Stern.de gegenüber sagte Flow: "Ich muss zugeben, der Ärger hat sich schon länger angestaut." Flow arbeitet seit 2015 als Notarzt beim Rettungsdienst in Bayern.

Die Reaktionen seiner Follower waren meist positiv. Dass Flow mit dem Tweet einen so großen Hit im Internet landet, hat er nicht erwartet. Am 2. Januar schrieb er:

Außerdem freue er sich, dass er "hiermit eine wichtige Diskussion angestoßen" habe. Das hat er durchaus – und hoffentlich kommt es auch bei denen an, die mal zu tief ins Glas schauen, und dann Notärzten gegenüber aggressiv werden...

Videotipp: Eingerissene Mundwinkel? Das hat diesen guten Grund!

Mundwinkel eingerissen
kao

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