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Aufgeklärt Corona aktuell: 5 Impf-Mythen im Check

Corona aktuell: Frau mit Impfstoff
© Sam Wordley / Shutterstock
Von Erbgutveränderung bis Nebenwirkungen: Zu den Corona-Impfungen gibt es viele Mythen. Wir machen mit den gängigsten Impf-Mythen den Faktencheck!

Spätestens seit der Corona-Impfstoff von AstraZeneca zuletzt aufgrund einer geringeren Wirksamkeit im Vergleich mit anderen Impfstoffen für viele Menschen in Verruf geraten ist, kommt es vermehrt zu Gerüchten über alle Impfstoffe. Aber was ist dran an diesen Mythen? Wir machen den Faktencheck!

1. Die Impfung macht Frauen unfruchtbar

Das Gerücht, dass eine Corona-Impfung Frauen unfruchtbar machen könne, kursiert vor allem im Internet. Demnach ähnelt das Spike-Protein, das von den Körperzellen nach der Impfung produziert wird, sehr dem sogenannten Synticin-1-Protein. Mit diesem Eiweiß baut der Körper die Plazenta auf, die wiederum den Fötus mit Nährstoffen versorgt. Laut dem Gerücht könnten die Antikörper, die gegen das Spike-Protein gebildet werden, deshalb auch das Synticin-1-Protein angreifen und die Funktionen der Plazenta beeinträchtigen.

Aber: bisher gibt es keine Daten, die das belegen. Deshalb sind sich Experten sicher, dass die Fruchtbarkeit bei Frauen durch die Corona-Impfung nicht beeinträchtigt werden kann. Sie argumentieren, dass die Ähnlichkeit der beiden Proteine tatsächlich nur gering sei. Würde der Mythos stimmen, müsste das außerdem bedeuten, dass ein ungeborenes Kind gesundheitliche Schäden davonträgt, wenn sich eine Schwangere mit Corona infiziert. Das ist jedoch nicht der Fall – denn auch, wenn man sich tatsächlich mit COVID-19 infiziert, bildet der Körper Antikörper gegen das Spike-Protein.

2. Ein mRNA-Impfstoff verändert das Erbgut

Dieses Gerücht existiert schon sehr lange, ist aber schlicht falsch. Strukturell unterscheiden sich die mRNA von der menschlichen DNA: Während unsere DNA aus einem Doppelstrang besteht, handelt es sich bei mRNA um eine einzelne Kette aus Molekülen. Außerdem sind sie aus unterschiedlichen Grundbausteinen aufgebaut. Damit sich der Impfstoff in unser Erbgut einlagern kann, müsste er in DNA umgewandelt werden. Dazu wiederum wird das Enzym Reverse Transkriptase benötigt, das in unseren Zellen aber nicht vorhanden ist.

3. Die Nebenwirkungen der Impfstoffe sind stärker als bei anderen Impfungen

Aktuell scheinen sich die Berichte zu häufen, laut denen es nach der Impfung mit dem Impfstoff des Unternehmens AstraZeneca vermehrt zu starken Nebenwirkungen gekommen ist. Die ersten Berichte gab es aus Schweden, aber auch in Deutschland wurden vermehrt Fälle gemeldet, in denen stärkere Immunreaktionen wie Fieber, Unwohlsein, leichte Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost und Muskelschmerzen aufgetreten waren. Der Hersteller hat keine Erklärung dafür, Experten vermuten das Alter der geimpften Personen als einen Grund: Demnach käme es bei jüngeren Menschen nach einer Impfung generell häufiger zu stärkeren Reaktionen des Immunsystems. Außerdem handelt es sich bei dem AstraZeneca-Impfstoff um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Bei diesen treten grundsätzlich stärkere Immunreaktionen auf, als bei den mRNA-Impfstoffen.

Die genannten Beschwerden waren auch in den klinischen Studien nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff aufgetreten. Aber nicht nur bei denjenigen, die tatsächlich geimpft worden waren, sondern auch bei den Placebogruppen, die den Impfstoff gar nicht erhalten hatten. Experten vermuten hier daher einen psychologischen Effekt: Studien belegen, dass schon allein die Angst vor einem Impfstoff die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen erhöhen kann. Diese Angst kann und sollte man ernst nehmen – wer sie hat, sollte möglichst mit dem Impf-Fachpersonal oder einem Arzt darüber sprechen und sich aufklären lassen. Das reicht oft schon zur Beruhigung.

Insgesamt hat AstraZeneca also quasi ein Imageproblem: Durch die gemeldeten Nebenwirkungen, die etwas geringere Wirksamkeit im Vergleich mit den anderen Impfstoffen und dadurch, dass der Impfstoff nicht für ältere Menschen empfohlen wird, wollen sich immer weniger Menschen damit impfen lassen. Tatsächlich zweifeln muss man an dem Impfstoff aber nicht. In den klinischen Studien wurden zehntausende Teilnehmer getestet, damit gilt das Mittel als sicher. Der Virologe Christian Drosten beschwichtigt deshalb im NDR-Podcast "Coronavirus-Update": "Die Impfstoffe, die wir haben, die sind extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf."

Und was ist mit den Nebenwirkungen der anderen beiden Impfstoffe? Sehen wir uns im Vergleich den Impfstoff von Biontech/Pfizer an: Bis zum 10. Januar 2021 wurden 613.347 Menschen damit geimpft. 324 davon meldeten laut einem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vorübergehende Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwellungen, Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit. Da diese Beschwerden aber nur kurzfristig auftraten, sei das schlicht ein Zeichen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert, ähnlich wie es  beispielsweise nach einer Impfung gegen die Grippe der Fall ist. Das berichtet aponet.de.

Bei 51 Personen kam es zu stärkeren Nebenwirkungen wie zum Beispiel zu allergischen Reaktionen, die laut PEI vermutlich auf den im Impfmittel enthaltenen Stoff Polyethylenglykol zurückzuführen sind. Durchschnittlich liegt die Häufigkeit solcher Reaktionen aber nur zwischen 0,4 bis 11,8 Prozent.

Außerdem kam es zu vereinzelten Todesfällen, die zeitlich nahe mit der Impfung zusammenfielen. Laut PEI lassen sich diese aber wahrscheinlich auf Vorerkrankungen der geimpften Personen zurückführen, denn die Anzahl der Todesfälle entsprach der statistischen Norm einer solchen Gruppe von Menschen im selben Zeitraum. Demnach könne man zusammenfassen, dass auch die Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe im Vergleich mit anderen Impfstoffen nicht auffällig sind.

4. Die Impfstoffe wurden so schnell entwickelt, dass sie nicht sicher sein können

Viele Menschen fürchten, die Impfstoffe wurden quasi von der European Medicines Agency (EMA) aufgrund der Pandemie durchgewunken und nicht richtig geprüft. Diesen Mythos kann man leicht entkräften. Das PEI kontrolliert die Einhaltung dieser Kriterien in Deutschland. Zwar stimmt es, dass die EMA die Zulassungsverfahren der Corona-Impfstoffe wegen der hohen Dringlichkeit beschleunigt hat. Aber: Auch die Impfstoffe gegen das Coronavirus müssen die hohen Anforderungen in den Bereichen Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität erfüllen.

Dafür prüft die EMA fortlaufend Studien-Zwischenergebnisse, anstatt wie sonst auf die Daten vollständig abgeschlossener Studien zu warten. Um das Verfahren zu beschleunigen, führen die Hersteller außerdem die drei klinischen Prüfungen, die für eine Zulassung nötig sind, teilweise parallel durch anstatt nacheinander. Zusätzlich hilft es, dass der Aufbau und die Eigenschaften von SARS-CoV-2 artverwandten Coronaviren ähneln (beispielsweise dem SARS-Erreger aus dem Jahr 2002). Die bereits vorliegenden Erkenntnisse über die artverwandten Coronaviren beschleunigen die Entwicklung der Impfstoffe.

Auch die Herstellung der Impfstoffe selbst spielt eine Rolle: Die mRNA-Impfstoffe können mithilfe der heutigen Gentechnologie schnell und effizient hergestellt werden. Früher benötigte man für die Impfungen abgeschwächte Versionen der Viren, gegen die geimpft werden soll. Dazu mussten diese Viren vorab in einem zeitaufwändigen Prozess vermehrt werden. Insgesamt spielen also vor allem drei verschiedene Faktoren eine Rolle bei der schnellen Entwicklung und Zulassung der Impfstoffe: Neue Technologien, niedrigere bürokratische Hürden und der Zugriff auf bereits vorhandene Forschungsdaten. Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit leiden dadurch aber nicht.

5. Die Impfstoffe wirken nicht gegen die Mutationen des Virus

Dadurch, dass sich das Virus so schnell verändert, könnten die aktuellen Impfungen mit der Zeit tatsächlich unwirksam werden. Erste Experimente mit Zellkulturen deuten beispielsweise an, dass die Antikörper von Menschen, die bereits mit Covid-19 infiziert waren, die neue südafrikanische Variante des Virus weniger effektiv erkennen und bekämpfen können. Ob das unter Realbedingungen im menschlichen Körper genauso der Fall ist, ist bisher aber unklar. Denn der Körper produziert durch die Impfung unter anderem bestimmte Immunzellen, die die Viren attackieren. Laut dem Impfstoff-Hersteller Moderna wirke der Impfstoff des Unternehmens gut genug gegen die Mutationen.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna wirken laut Zellkultur-Experimenten gegen die britische Mutation der Coronaviren ähnlich gut wie gegen die ursprüngliche Version des Virus. Eine Studie belegt beispielsweise, dass Antikörper, die nach der Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff gebildet werden, einen Pseudovirus erkennen und bekämpfen können. In diesem Pseudovirus ist die Mutation der britischen Variante enthalten. Aber auch falls das Coronavirus weiter mutieren sollte, geben sich die Hersteller zuversichtlich: Da sich die mRNA-Impfstoffe vergleichsweise schnell herstellen lassen, könne man den Impfstoff wenn nötig kurzfristig anpassen.

Quellen: Paul-Ehrlich-Institut, aponet.de, NDR-Podcast Coronavirus-Update


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