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Corona aktuell Beeinflusst die Impfung den weiblichen Zyklus?

Corona aktuell: Frau mit Zyklus-Kalender
© Dean Drobot / Shutterstock
Einige Frauen berichten im Internet, dass sich ihr menstrueller Zyklus nach ihrer Corona-Impfung verändert hat. Was hat es damit auf sich?

Offiziell ist die Priorisierung der Corona-Impfungen in Deutschland mittlerweile gekippt. Die Realität sieht aber Stellen anders aus: Impfstoff ist immer noch an vielen Stellen knapp. Bis tatsächlich alle, die sich impfen lassen wollen, auch ein Impfangebot erhalten, ist es vermutlich noch ein langer Weg. Im Internet berichten einige Frauen, die die Impfung bereits erhalten haben, nun aber von einer neuen möglichen Nebenwirkung. Demnach soll die Corona-Impfung den menstruellen Zyklus bei Frauen verändert haben, sodass es beispielsweise zu stärkeren Blutungen kommt.

Stärkere Blutung durch Impfung?

Angestoßen wurde die Diskussion von der US-Amerikanerin Kate Clancy, die als Professorin an der Universität von Illinois tätig ist, und die bei Twitter eine entsprechende Umfrage startete. "Eine Kollegin erzählte mir, dass sie von anderen gehört hat, dass ihre Periode nach der Impfung stark war. Ich bin neugierig, ob andere Menstruierende auch Veränderungen bemerkt haben?" Clancy selbst habe etwa eineinhalb Wochen zuvor ihre erste Dosis des Impfstoffes von Moderna erhalten, anschließend sei ihre Regel einen Tag früher gekommen als sonst. Zahlreiche Reaktionen auf den Tweet zeigten, dass tatsächlich einige Frauen Veränderungen in ihrem Zyklus bemerkt haben. Bei einigen hatte sich der Zeitpunkt des Eintretens der Regel oder die Dauer geändert, bei anderen die Stärke der Blutung.

Wissenschaftlich bisher nicht erwiesen

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bisher keinen belegten Zusammenhang zwischen einem veränderten menstruellen Zyklus und der Impfung gegen Corona. Die Gynäkologin Manuela Bohr sagte dazu gegenüber rtl.de, dass Stress ein möglicher Faktor für den veränderten Zyklus sein könnte. Das könnte sich beispielsweise durch Anspannung vor der Impfung bemerkbar machen, als generelle Angst vor einer Infektion oder auch dadurch, wie lange die Pandemie jetzt bereits unser Leben beeinflusst. Die Expertin ist aber sicher, dass es keine allgemeine Erklärung für eine mögliche Beeinflussung der Corona-Impfung auf den Zyklus gibt. Denn: "Jede Frau ist anders, empfindet unterschiedliche Dinge als Stressoren und reagiert wiederum individuell (längerer oder kürzerer Zyklus) auf Stressoren."

Gegen den Zusammenhang spreche außerdem die unterschiedliche Zusammensetzung der Corona-Impfstoffe. "Die Corona-Impfung wird mit verschiedenen Impfstoffen (Vektor/mRNA) durchgeführt. Die Nebenwirkungen sind bei den verschiedenen Impfstoffen unterschiedlich. Meiner Ansicht nach ist es nicht plausibel, dass eine Impfstoffgruppe den Zyklus bei allen Frauen in gleicher Weise beeinflussen könnte."

Der weibliche Zyklus ist empfindlich

Tatsächlich gibt es generell viele verschiedene Faktoren, die den Zyklus beeinflussen können. "Vielleicht hat die geimpfte Frau gleichzeitig eine Nacht durchgefeiert, ist einen Marathon gelaufen, hat eine Diät gemacht oder aus Frust in letzten Wochen 5 Kilo zugenommen?", so Bohr. All das könnte eine Rolle bei Veränderungen spielen. Frauen, die nach der Impfung eine Auffälligkeit bei ihrem Zyklus feststellen, müssen sich daher aufgrund der vielen verschiedenen möglichen Faktoren nicht direkt Sorgen machen – oft pendelt sich die die Regelblutung nach kurzer Zeit von alleine wieder ein. Halten die Unregelmäßigkeiten aber über einen längeren Zeitraum hinweg an, sollte man mit seinem Arzt über mögliche Ursachen sprechen.

Begünstigen mRNA-Impfstoffe Entzündungen?

Der Mediziner Dr. Christoph Specht bringt im Gespräch mit rtl.de noch eine andere Theorie ins Spiel: Um die Stabilität des RNA-Anteils im Impfstoff zu erhöhen, werden sie mit bestimmten Fetten, sogenannten Lipiden, umhüllt. Dadurch bilden sich kleine Kügelchen, die als Lipid-Nanopartikel bekannt sind. Und diese wiederum könnten Wirkstoffe enthalten, die Entzündungen im Körper begünstigen. Das erhöht den Östrogenspiegel bei Frauen – und könnte stärkere Blutungen nach einer Impfung erklären. Dr. Specht weist aber daraufhin, dass es auch für diese Theorie noch keine belegbaren Daten gibt.

Verwendete Quellen: rtl.de

Brigitte

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