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Corona-Studie Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden am meisten

Corona aktuell: Depressiver Mann
© Sam Wordley / Shutterstock
Eine neue Studie belegt, dass Menschen mit Depression stärker von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen sind als der Rest der Bevölkerung.

Erst vor kurzem konnten Forscher anhand einer Studie zeigen, dass die Corona-Pandemie die Wahrscheinlichkeit für eine Depressions-Diagnose erhöht. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veröffentlichte nun in ihrem neuen "Deutschland-Barometer Depression" ein Studienergebnis, das zu den vorliegenden Daten passt: Demnach haben depressive Menschen den Lockdown im Frühjahr als wesentlich belastender erlebt als der Rest der Bevölkerung.

Mehr als fünf Millionen Betroffene

Laut der Stiftung sind alleine in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen derzeit an einer Depression erkrankt. 5000 der Betroffenen im Alter zwischen 18 und 69 wurden für das Depressions-Barometer zwischen Juni und Juli repräsentativ online befragt. Für einen besseren Vergleich wurde zusätzlich eine Stichprobe ausgewertet, in der Menschen mit einer depressiven Phase befragt worden waren. Das Ergebnis: Im Frühjahr habe fast jeder zweite der befragten Patienten eine Einschränkung bei seiner Behandlung erlebt. Grund dafür waren beispielsweise ausgefallene Arzttermine oder Klinik-Aufenthalte.

Lockdown wurde als sehr belastend wahrgenommen

Diese Einschränkungen sorgten dafür, dass 74 Prozent der befragten Menschen mit Depressionen den Lockdown im Frühjahr als bedrückend empfanden – bei der restlichen Bevölkerung waren es nur 59 Prozent. Von denen, die sich in einer depressiven Phase befanden, litten 74 Prozent unter der fehlenden Tagesstruktur und 89 Prozent unter Grübeleien. Die Werte sind wesentlich höher als beim Rest der Bevölkerung: Dort litten nur jeweils 39 und 41 Prozent unter den genannten Punkten.

48 Prozent der depressiven Personen blieben während des Lockdowns häufiger tagsüber im Bett, bei der restlichen Bevölkerung lag der Wert lediglich bei 21 Prozent. Und: 43 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eher in Konflikte und Streit geraten waren, bei der Allgemeinbevölkerung lag dieser Wert nur bei 18 Prozent.

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Auch der Teil-Lockdown kann schwere Folgen haben

Psychiater Ulrich Hegerl, der auch als Vorsitzender der Stiftung agiert, befürchtet, dass sich dieses Problem im aktuellen Teil-Lockdown wiederholen könnte. "Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche und dringend behandlungsbedürftige Erkrankung" so der Psychiater. "Für Menschen mit einer Depression wird der Rückzug in die eigenen vier Wände durch diesen zweiten Teil-Lockdown wieder viele negative Auswirkungen haben." Unter anderem hätten die Betroffenen so nämlich mehr Zeit zum Grübeln. Hilfe über Telefon- und Videosprechstunden werden als Alternative zwar jetzt etwas häufiger wahrgenommen als früher, aber insgesamt kommen sie laut dem Experten nur für einen kleinen Teil der Patienten in Betracht.


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