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Corona aktuell Kino oder Supermarkt? In welchen Räumen stecken wir uns am ehesten an?

Corona aktuell: Kinosaal
© Mr.Music / Shutterstock
Forscher haben in einer Studie verglichen, in welchen Innenräumen wir uns am ehesten mit Corona infizieren. Die Ergebnisse sind überraschend.

Während viele Eltern immer noch darauf warten, dass die Schulen und Kitas wieder öffnen, hoffen andere auf eine schnelle Öffnung von Shoppingcentern oder Unterhaltungsmöglichkeiten wie dem Kino. Aber in welchen Innenräumen – und unter welchen Umständen – ist das Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, eigentlich tatsächlich am höchsten? Dieser Frage sind Martin Kriegel vom Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin und seine Kollegin Anne Hartmann nachgegangen, wie der Spiegel berichtet. Die Experten haben berechnet, wie hoch das Infektionsrisiko über die sogenannten Aerosole in verschiedenen Räumlichkeiten ist und die Ergebnis gerade in einem Preprint veröffentlicht. Das bedeutet, die Ergebnisse wurden noch nicht von unabhängigen Fachexperten geprüft.

Corona: So wichtig bleiben Abstand und Atemmasken

Dass wir Abstand zueinander halten und weiterhin Atemmasken tragen, sind und bleiben laut Studie die wichtigsten Faktoren, um eine Ansteckung zu vermeiden. Ob man sich durch die Aerosole ansteckt oder nicht, komme demnach vor allem auf die eingeatmete Dosis an. Diese hänge wiederum von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise der Aufenthaltsdauer in einem Raum und der jeweiligen Atemaktivität. Lautes Singen und Schnaufen erhöhen den Aerosolausstoß beispielsweise – das wusste man bereits vor der Studie. Dank der Untersuchung wissen wir jetzt aber auch, dass ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz den Aerosolausstoß und auch die eingeatmete Menge dieser kleinen Partikel um etwa 50 Prozent reduzieren kann.

Ein Beispiel dafür, welchen Einfluss Masken laut der Untersuchung haben können: In einer voll belegten Oberschule ohne Masken ist das Infektionsrisiko 23-mal so hoch wie in einem Theater, das nur zu 30 Prozent belegt ist und in dem alle Zuschauer Masken tragen. Würde man die Anzahl der Schüler um die Hälfte reduzieren und eine Maskenpflicht einführen, sinkt das Ansteckungsrisiko vom 11,5-Fachen auf das 2,9-Fache.

Die Grundlagen der Berechnung

Generell sind die Experten für ihre Berechnungen davon ausgegangen, dass sich die Menschen an die Abstands- und Maskenregeln halten und es für die jeweiligen Innenräume Belüftungskonzepte gibt, an die sich gehalten wird. Für die jeweilige Aufenthaltsdauer in den Räumen wurden sogenannte nutzungstypische Werte angenommen. Das bedeutet, es wird beispielsweise davon ausgegangen, dass man eine Stunde im Supermarkt verbringt und acht Stunden am Arbeitsplatz. Aus diesen Daten wurde ein sogenannter R-Wert (Rs) errechnet. Dabei handelt es sich um die Anzahl angesteckter Personen bei einer gleichzeitig anwesenden infizierten Person in einem Raum. Ist R kleiner oder gleich 1, sinkt die Anzahl von Neuinfektionen.

Um die verschiedenen Innenräume miteinander vergleichen zu können, haben die Forscher verschiedene Ausbrüche miteinander verglichen und daraus ein Rechnungsmodell erstellt. "Auf dieser Basis konnten wir dann vereinfacht ableiten, wie viel Luft pro Person und pro Stunde Aufenthalt benötigt wird, damit dieser situationsbedingte R-Wert kleiner als eins ist", so Kriegel. "Und dann bekommt man Zahlen, die man miteinander vergleichen kann." Den Experten war wichtig, dass man typische Innenraum-Situationen miteinander vergleichen kann – in der nachfolgenden Grafik könnt ihr euch ein Bild davon machen, wie hoch das Ansteckungsrisiko in welchen Räumen ist:

Corona aktuell: Grafik der TU
© Hermann Rietschel Institut | TU Berlin

Empfehlungen für die Politik wollen die Experten nicht aussprechen, wie Kriegel betont: "Es geht ja auch nicht nur um die konkrete Situation allein. Im Theater etwa muss man ja irgendwie zu seinem Sitzplatz kommen, an die Garderobe, zur Toilette – das sind dann alles schon wieder andere Situationen mit anderem Risiko." Dennoch zeigen die Berechnungen, dass konsequent umgesetzte Hygienekonzepte die Öffnung diverser Einrichtungen künftig wieder ermöglichen könnte.

Mutationen nicht berücksichtigt

Die neuen Mutationen des Coronavirus, beispielsweise die britische Variante mit der Bezeichnung B1.1.7, werden bei der Berechnung allerdings nicht berücksichtigt. Bei dieser Variante vermutet man etwa, dass der R-Wert um 30 bis 50 Prozent höher sein könnte. Dadurch würde sich zwar das Ansteckungsrisiko erhöhen, die jeweiligen Verhältnisse zwischen den Innenraumsituationen ändern sich aber nicht.

Quellen: spiegel.de, TU Berlin


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